China rückt für Volkswagen zunehmend ins Zentrum der Entwicklung automatisierten Fahrens. Konzernchef Oliver Blume ordnet die Rolle des Marktes klar ein: „China ist zu einem der wichtigsten Innovations- und Technologiezentren des Volkswagen-Konzerns geworden, insbesondere in den Bereichen Software, künstliche Intelligenz und automatisiertes Fahren.“ Konkret bedeutet das: Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 will der Wolfsburger Autobauer in China automatisiertes Fahren nach Level 3 in Kundenfahrzeuge bringen – eine Fähigkeit, die kein VW-Modell in Europa oder Nordamerika derzeit bietet. Möglich machen soll das die vertiefte Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Horizon Robotics.
- Volkswagen plant Level-3-Fahren für China ab der zweiten Jahreshälfte 2027.
- Horizon Robotics liefert die KI-Basismodelle für den neuen Fahr-Stack.
- Sieben New-Energy-Fahrzeuge erhalten noch in diesem Jahr ein urbanes L2++-Upgrade.
Blume betont Chinas Rolle als Technologiezentrum
Die Aussage des Konzernchefs unterstreicht, welchen Stellenwert der chinesische Markt für Volkswagen inzwischen einnimmt. „Unsere vertiefte Zusammenarbeit innerhalb von CARIZON stärkt unsere Fähigkeit, KI-basierte Lösungen für automatisiertes Fahren zu entwickeln und zu skalieren“, so Blume weiter. Volkswagen und Horizon Robotics betreiben mit Carizon ein Gemeinschaftsunternehmen. Über eine verstärkte Vereinbarung zwischen den Partnern sollen Horizons Kompetenzen bei KI-Basismodellen genutzt werden, um eine neue, fortschrittliche KI-Fahrlösung schneller zu entwickeln.
Das einheitliche KI-Fahrmodell des Autobauers soll darauf trainiert werden, Fahraufgaben durchgängig zu bewältigen. Dank der Technologien von Horizon soll das System das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer besser antizipieren können – nach Angaben des Unternehmens die Grundlage für ein sichereres und zuverlässigeres Fahren.
Was Level 3 in der Praxis bedeutet
Level 3 markiert einen Einschnitt gegenüber heutigen Assistenzsystemen. Bei diesen sogenannten Level-2-Systemen bleibt der Mensch jederzeit verantwortlich und muss das Verkehrsgeschehen dauerhaft überwachen. Ab Level 3 übernimmt das Fahrzeug innerhalb definierter Bedingungen die Fahraufgabe selbst, und der Fahrer ist nicht länger die permanente Rückfallebene von Sekunde zu Sekunde.
Für Volkswagen ist das ein Feld, auf dem die eigene Assistenztechnik im Westen den Klassenbesten bislang nie gefährlich wurde.
Eingebettet wird der neue Fahr-Stack in die China Electronic Architecture (CEA), Volkswagens erste lokal entwickelte zonale Elektronik- und Elektroarchitektur. Sie soll dafür sorgen, dass sich die komplexen Funktionen des automatisierten Fahrens über mehrere Baureihen hinweg einbauen lassen – laut VW nicht nur in China, sondern auch im „Globalen Süden“.
Urbanes Upgrade schon in diesem Jahr
Bereits heute steckt das L2+-Assistenzsystem von Carizon in mehreren in China verkauften VW-Modellen, darunter der ID. Unyx 07 und der ID. Unyx 06, mit automatisiertem Navigieren auf der Autobahn und Memory-Parken. Noch in diesem Jahr soll eine L2++-Version folgen, die das automatisierte Navigieren auch in die Städte ausweitet. Vorgesehen ist sie für sieben New-Energy-Fahrzeuge von Volkswagen auf dem chinesischen Markt.
Für europäische Kundinnen und Kunden bedeutet die Ankündigung zunächst wenig Konkretes: Die beschriebenen Systeme und Modelle sind auf China zugeschnitten. Die Strategie zeigt jedoch, wie stark Volkswagen die Entwicklung von KI und automatisiertem Fahren inzwischen an lokalen Partnern in China ausrichtet – ein Weg, der langfristig auch beeinflussen dürfte, welche Technologien der Konzern anderswo einsetzt.
Sollte Volkswagen solche Level-3-Funktionen auch in Europa vorantreiben – oder droht der Konzern im Westen den Anschluss zu verlieren? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.

























