In Spanien und Frankreich melden die Einsatzkräfte erste Erfolge im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände dieses Sommers – doch von Entwarnung kann keine Rede sein. Rund um Madrid durften am Dienstagabend Zehntausende Menschen in ihre Häuser zurückkehren, nachdem sich die Flammen nicht weiter ausgebreitet hatten. Zeitgleich ordneten die Behörden im südwestfranzösischen Département Gironde die vorsorgliche Räumung von Campingplätzen im Badeort Lacanau an. Grund ist eine drohende vierte Hitzewelle des Sommers, die ab Mittwoch mit Temperaturen von bis zu 42 Grad und sinkender Luftfeuchtigkeit die mühsam erreichte Stabilisierung wieder zunichtemachen könnte.
- In Spanien wurden Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen für rund 19 Ortschaften aufgehoben; mehr als 50.000 Menschen kehren zurück.
- Der Brand bei Bordeaux hat rund 42.000 Hektar verwüstet und mehr als 220.000 Menschen zur Flucht gezwungen.
- Eine vierte Hitzewelle mit bis zu 42 Grad soll ab Mittwoch bis Sonntag anhalten und die Löscharbeiten erschweren.
Rückkehr in die Brandgebiete rund um Madrid
Das spanische Innenministerium hob die Schutzmaßnahmen für zahlreiche Ortschaften auf – je nach Quelle für 15 bis 19 Gemeinden. Nach fast einer Woche der Ungewissheit kehren dadurch mehr als 50.000 Menschen nach und nach in ihre Häuser zurück; rund 40.000 sind weiterhin von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte, die Flammen hätten sich am Dienstag nicht weiter ausgebreitet.
Im evakuierten Dorf Navas del Rey zeigte sich das Ausmaß der Zerstörung: verkohlte Trümmer, Asche und ausgebrannte Autos. Nach ersten Schätzungen der Gemeinde wurden dort rund 50 Häuser zerstört und weitere 50 beschädigt. Der Bürgermeister der benachbarten Ortschaft Pelayos de la Presa, Antonio Sin, sprach von einem „Kriegsgebiet“ und einem „Monster, das über uns hinweggerollt ist“.
Besonders schwer traf es die Provinz Ávila westlich von Madrid. Dort wurden nach vorläufigen amtlichen Schätzungen knapp 50.000 Hektar zerstört – rund 500 Quadratkilometer, fast die Fläche des Bodensees. Es ist damit das größte Feuer der jüngeren spanischen Geschichte seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1968.
Warum die Lage weiter angespannt bleibt
Für Entwarnung ist es zu früh: Der Wetterdienst AEMET hat für Mittwoch den Beginn der vierten Hitzewelle des Sommers angekündigt, die mindestens bis Sonntag anhalten soll. Temperaturen von bis zu 42 Grad und eine sinkende Luftfeuchtigkeit könnten die Löscharbeiten deutlich erschweren.
„Wir sehen allmählich das Licht am Ende des Tunnels“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez nach einer Sitzung des Krisenstabs – zugleich mahnte er zu „größter Vorsicht“.
Keine Entspannung gibt es im Osten des Landes: In der Provinz Castellón, im Gebiet Vall d’Uixó, sind die Flammen weiterhin außer Kontrolle und haben nach Angaben zwischen 8.500 und 10.000 Hektar erfasst. Rund 16.000 Menschen waren dort evakuiert worden, viele konnten inzwischen zurückkehren.
Frankreich kämpft gegen den größten Brand seit Jahrzehnten
Westlich von Bordeaux wütet seit Tagen der größte französische Waldbrand seit 1949. Rund 42.000 Hektar Wald und Buschland – eine Fläche größer als die Stadt Köln – sind zerstört, mehr als 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, 240 Häuser vernichtet. Präsident Emmanuel Macron sprach von der schwersten Waldbrandkrise des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg und versicherte: „Wir werden diesen Kampf gewinnen.“
Die zuständige Präfektin Sophie Brocas erklärte, das Feuer sei „weiterhin stabilisiert“, breite sich vorerst also nicht weiter aus. Fast 60.000 evakuierte Menschen aus den Orten Le Haillan, Mérignac und Eysines dürfen unter Vorbehalt zurückkehren – müssten die Orte bei einer neuen Bedrohung aber erneut verlassen. An 14 Stellen loderten die Flammen im Tagesverlauf wieder auf. Den flächenmäßig kleineren Brand südwestlich von Bordeaux bekam die Feuerwehr unter Kontrolle, sodass 15.000 Evakuierte heimkehren konnten.
Im Einsatz sind 2.750 Feuerwehrleute, 18 Löschflugzeuge, 1.500 Soldaten und 1.440 Polizeikräfte. Auch Deutschland unterstützt: Zwei Transporthubschrauber und ein A400M-Transportflugzeug erreichten die Krisenregion, zudem sollten zwei Löschflugzeuge aus Sachsen-Anhalt in die Region Bordeaux fliegen.
Was als Nächstes ansteht
Für die Wirtschaft der Region hat die Katastrophe erhebliche Folgen: Nach Schätzungen des Ministeriums können rund 130.000 Beschäftigte wegen der Brände nicht arbeiten. Am Donnerstag will die französische Regierung bei einem Treffen auf die Sorgen der Unternehmen eingehen.
Wissenschaftler warnen, dass extreme Waldbrände weltweit häufiger werden. Der Klimawandel begünstige heißere, trockenere Sommer, verlängere die Brandsaison und mache die Feuer schwerer beherrschbar – was die Ressourcen europäischer Staaten stark belastet. Über der Brandzone in Ávila wurde eine sogenannte Pyrocumulonimbus-Wolke beobachtet, ein feuerinduziertes Gewitter, das sich über extremen Hitzequellen bildet.
Die Europäische Union koordiniert bislang zusätzliche Kräfte ihrer Mitgliedstaaten nur dann, wenn ein Land ausdrücklich um Hilfe bittet. Angesichts der zunehmenden Extreme fordert Brüssel höhere Investitionen in Waldmanagement und Brandprävention und baut eine eigene, dauerhafte Löschflotte auf. „Der Klimawandel beschleunigt sich. Also muss sich auch unsere Reaktion ebenso schnell weiterentwickeln“, sagte die EU-Krisenmanagement-Kommissarin Hadja Lahbib. Für einen deutschsprachigen Leser bedeutet das: Auch beliebte Urlaubsregionen an Spaniens und Frankreichs Küsten bleiben in den kommenden Tagen von Sperrungen und kurzfristigen Evakuierungen bedroht.
Haben Sie Ihren Urlaub in Spanien oder an der französischen Atlantikküste geplant – oder waren Sie sogar vor Ort? Teilen Sie Ihre Einschätzung zur Lage in den Kommentaren.

























