Für knapp 100 Euro beziehungsweise 99 US-Dollar bringt der Hersteller Nothing mit den Ear (3a) eine deutlich günstigere Variante seiner drahtlosen Ohrhörer auf den Markt. Zwei unabhängige Testberichte – von The Verge und n-tv – kommen dabei zu einem ähnlichen Fazit: Die Stöpsel sehen gut aus, klingen stark und bieten für den Preis ungewöhnlich viele Funktionen. Beide bemängeln allerdings den in der Standardeinstellung sehr kräftigen Bass, während The Verge zusätzlich kleinere Probleme bei der adaptiven Geräuschunterdrückung und der Gesprächsqualität feststellt.
- Die Nothing Ear (3a) kosten rund 100 Euro (99 US-Dollar) und lösen die teureren Ear (3) für 179 Dollar ab.
- Sie unterstützen den hochauflösenden Codec LDAC sowie SBC und AAC und sind nach IP54 vor Staub und Wasser geschützt.
- Ein interner Speicher erlaubt Aufnahmen von Gesprächen bis zu zwei Stunden.
Die Tester sind sich beim Klang uneinig – und einig zugleich
Am deutlichsten fällt das Urteil beim Klang aus. „Bassheads might enjoy it, but it’s far too much for my taste“, schreibt der Tester von The Verge über die Standardabstimmung, die tiefe Töne stark betont und dabei den Mittenbereich mit Stimmen und Gitarren überdecke. Auch n-tv urteilt, der voreingestellte Modus „Mehr Bass“ sei „völlig überflüssig“, weil der Sound ohnehin schon durch „überaus kräftige Bässe“ auffalle.
Gerettet werden die Ohrhörer nach Ansicht beider Redaktionen durch die App. Sie sei laut The Verge mit vier Presets, einem einfachen Drei-Band-Equalizer und einem detaillierten Acht-Band-Equalizer „robust“ genug, um den Klang in kurzer Zeit auszubalancieren. n-tv attestiert den Stöpseln nach der Feinabstimmung großes Potenzial: Sie könnten „so gut wie viel teurere Ohrhörer klingen“.
„The fact you can make meaningful adjustments and tune it to your preferences makes them more versatile than most earbuds at the same price“, lautet das Fazit von The Verge.
Geräuschunterdrückung überzeugt, hat aber Grenzen
Bei der aktiven Geräuschunterdrückung (ANC) sehen beide Tests Fortschritte. Gleichmäßige tiefe Geräusche wie in fahrenden Zügen oder Flugzeugkabinen würden deutlich gedämpft, höhere Frequenzen dagegen weniger effektiv – klappernde Tastaturen oder ausgerufene Bestellungen im Café blieben hörbar.
Kritischer äußert sich The Verge zur adaptiven ANC. Auf Spaziergängen habe sich die Intensität gelegentlich abrupt geändert und dann wieder zurückgeschaltet, was „disorienting“ gewirkt habe. Anders als bei deutlich teureren Modellen wie den Apple AirPods Pro 3 oder den Sony WF-1000XM6 erfolgten die Anpassungen sprunghaft statt fließend. Wer stattdessen eine feste ANC-Stufe wähle, sei von dem Problem nicht betroffen.
Wo sich die Testberichte bei den Telefonaten unterscheiden
Beim Telefonieren gehen die Einschätzungen auseinander. n-tv bescheinigt den Ear (3a) einen „mehr als ordentlichen Job“, solange die Umgebung nicht zu laut sei. The Verge berichtet dagegen von einem konkreten Problem: Beim reinen Zuhören habe der Gesprächspartner überhaupt kein Geräusch von der eigenen Seite gehört – zeitweise habe dieser sogar vermutet, die Verbindung sei getrennt. In lauter Umgebung habe die eigene Stimme zudem dunkel geklungen. Der Tester weist darauf hin, dass sich diese Punkte über künftige Firmware-Updates beheben lassen könnten; getestet wurde mit der Version 1.0.1.59.
Hier lohnt der Blick auf den Kontext: LDAC ist ein hochauflösender Bluetooth-Codec, der auf kompatiblen Smartphones eine bessere Audioqualität ermöglicht. Trotz Bluetooth 6.0 unterstützen die Ohrhörer laut n-tv allerdings kein Auracast, also das gemeinsame Streaming an mehrere Empfänger.
Aufnahmefunktionen als Alleinstellungsmerkmal
Als Besonderheit heben beide Tests den 32 MB großen internen Speicher hervor. Durch gleichzeitiges Drücken beider Stäbchen lassen sich Gespräche von bis zu zwei Stunden aufzeichnen, wobei Gesprächspartner per Sprachansage automatisch informiert werden. Laut n-tv hält sich Nothing damit an die geltenden Datenschutzbestimmungen, weshalb die Funktion auch in Deutschland verfügbar ist. Die Aufnahmen lassen sich anschließend speichern, teilen oder transkribieren – offline über zwei Standardmodi, ein genauerer Pro-Modus soll in Kürze folgen und nach drei kostenlosen Monaten kostenpflichtig werden.
Dem sogenannten Audio-Schnappschuss steht The Verge skeptisch gegenüber. Er nimmt bis zu 60 Sekunden aus einer beliebigen Quelle auf, wobei bis zu 30 Sekunden vor dem eigentlichen Start gesichert werden können – praktisch etwa für ein gerade gehörtes Zitat. The Verge nennt die Funktion allerdings „gimmicky“ und findet bislang keinen überzeugenden Anwendungsfall.
Zur Ausdauer nennt n-tv etwa sechs Stunden mit aktivem ANC und rund zehn Stunden ohne; das Ladecase liefert etwa drei zusätzliche Voll-Ladungen, kann aber nicht induktiv geladen werden.
Was das Fazit für Käufer bedeutet
Für Interessierte heißt das: Wer einen neutralen Klang bevorzugt oder häufig in lauter Umgebung telefoniert, sollte die Schwächen einkalkulieren – der Bass lässt sich per Equalizer zähmen, die Telefonie-Probleme womöglich per Update. n-tv zählt die Ear (3a) zu „den besten Ohrhörern, die man derzeit bis 100 Euro bekommen kann“, während The Verge begrüßt, dass Nothing nach den 179 Dollar teuren Ear (3) wieder unter die 100-Dollar-Marke zurückkehrt. Damit knüpft der Hersteller an seine Linie an, seit dem Debüt der Ear (1) im Jahr 2021 möglichst viel Ausstattung zu einem niedrigen Preis zu bieten.
Sind Ihnen wummernde Bässe direkt aus der Box lieber, oder greifen Sie gern selbst zum Equalizer? Und würden Sie Aufnahmefunktionen in Ohrhörern tatsächlich nutzen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

























