Die EU-Kommission wirft der chinesischen Online-Videoplattform TikTok vor, minderjährige Nutzer nicht ausreichend zu schützen. In einem an diesem Freitag veröffentlichten Bericht kommt die Brüsseler Behörde zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Plattform gegen europäisches Recht verstößt: Die Konto-Einstellungen für Minderjährige setzten diese weiterhin Risiken wie „unerwünschte Kontaktaufnahmen, Cybermobbing oder ausbeuterisches Verhalten“ aus. Besonders kritisiert die Kommission, dass Inhalte junger Nutzer auch von Personen aufgerufen werden können, die gar kein TikTok-Konto besitzen. Der zum chinesischen Bytedance-Konzern gehörende Dienst wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, konstruktiv mit der EU zusammenzuarbeiten.
- Die EU-Kommission sieht in ihrem vorläufigen Bericht einen Verstoß gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA).
- Konten Minderjähriger können standardmäßig öffentlich geschaltet werden und sind damit für jedermann sichtbar.
- Bei Bestätigung der Ergebnisse droht eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Inhalte junger Nutzer sind zu weit sichtbar
Kernpunkt der Kritik ist, dass Minderjährige bei TikTok ihre Konten „öffentlich“ schalten können. Dadurch können auch Internetnutzer ohne eigenes Konto auf deren Inhalte zugreifen. Das könne, so die Behörde, zu ungewollten Kontaktaufnahmen durch potenzielle Täter führen oder Material für Cybermobbing liefern.
Selbst die „Privat“-Einstellung schafft nach Einschätzung der Kommission keine ausreichende Sicherheit: Minderjährige könnten leicht über die „Folge ich“-Listen anderer Nutzer aufgefunden werden, und auch die Profilfotos blieben „für alle Welt“ sichtbar. Zudem beanstandet Brüssel, dass der Algorithmus Inhalte von 16- und 17-Jährigen anderen Nutzern über den „Für dich“-Feed empfehlen kann.
Diese Änderungen fordert Brüssel
Die Kommission verlangt, dass die Standardeinstellungen öffentlicher Konten von Minderjährigen so angepasst werden, dass Inhalte nur für akzeptierte Follower innerhalb der Plattform sichtbar sind. Ältere Minderjährige dürften ihre Beiträge zwar mit einem größeren Publikum auf TikTok teilen, doch dürften diese „unter keinen Umständen“ außerhalb der Plattform zugänglich sein. Zudem solle TikTok darauf verzichten, Inhalte Minderjähriger anderen Nutzern zu empfehlen.
Ein TikTok-Sprecher betonte, Konten von Jugendlichen verfügten über mehr als 50 voreingestellte Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen. „Wir werden diese vorläufigen Ergebnisse prüfen, während wir weiterhin konstruktiv mit der EU zusammenarbeiten“, sagte er.
Was der DSA für Plattformen bedeutet
Grundlage des Verfahrens ist das EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA). Es verpflichtet große Online-Plattformen zu strengeren Regeln beim Umgang mit Nutzerdaten, illegalen Inhalten und dem Schutz Minderjähriger. Plattformen, die für Kinder und Jugendliche zugänglich sind, müssen nach diesen Vorgaben ein hohes Maß an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz gewährleisten – ein Standard, den TikTok nach Auffassung der Kommission derzeit nicht erfüllt.
Der Bericht enthält vorläufige Ergebnisse einer bereits im Februar 2024 eingeleiteten Untersuchung. TikTok kann nun auf die Vorwürfe reagieren. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnte am Ende eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes stehen.
Nicht der erste Konflikt mit Brüssel
Es ist nicht das erste Mal, dass die EU-Kommission gegen TikTok vorgeht. Bereits im Februar hatte die Behörde das Suchtpotenzial der Plattform kritisiert und das Unternehmen aufgefordert, „das grundlegende Design seines Dienstes“ zu ändern. Bemängelt wurden dabei Funktionen wie endloses Scrollen, automatische Wiedergabe und Push-Benachrichtigungen. Auch außerhalb der EU steht der Dienst unter Druck: In Großbritannien erklärte die Regulierungsbehörde Ofcom, TikTok gehe nicht wirksam genug gegen schädliche Inhalte vor, die Kinder erreichen können.
TikTok ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt: Nutzer können kurze Videos erstellen, ein Algorithmus schlägt passende Clips zum Anschauen vor. Nach Unternehmensangaben hatte die Plattform Ende 2025 rund 178 Millionen aktive Nutzer innerhalb der Europäischen Union.
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