Autofahrer in Deutschland bekommen die Eskalation im Nahen Osten unmittelbar an der Zapfsäule zu spüren. Der ADAC meldete, dass der Liter Benzin auf knapp 2,15 Euro gestiegen ist – ein Plus von 33 Cent seit dem jüngsten Tiefstand kurz nach der zwischenzeitlichen Waffenruhe. Diesel legte noch stärker zu und kostet nun fast 2,18 Euro, verglichen mit 1,73 Euro vor einem Monat. Hintergrund ist ein Angriff der jemenitischen Huthi-Rebellen auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer, der den Ölpreis über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel trieb und Sorgen vor einem sich ausweitenden Regionalkrieg schürt.
- Die Huthi beanspruchen Angriffe auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer für sich.
- Brent-Rohöl überschritt erstmals seit Wochen die Marke von 100 Dollar je Barrel.
- US-Präsident Trump droht Iran und Huthi mit einer „schweren militärischen Bestrafung“.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte, der „Energieschock könnte sich weiter verschärfen“ und die Inflation antreiben – was Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung in der Eurozone im September befeuert. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach von „gravierenden Folgen“ für ölimportierende Volkswirtschaften und betonte, „nichts – absolut nichts“ deute darauf hin, dass eine Waffenruhe oder gar Frieden erreichbar sei.
Für europäische Verbraucher droht ein doppelter Preisdruck
Was das für den Alltag bedeutet: Steigen die Rohölpreise weiter, würden nicht nur Sprit und Heizöl teurer, sondern über die Transportkosten praktisch alle importierten Güter. Analysten warnen, dass eine anhaltende Blockade den Preis in Richtung 120 Dollar treiben könnte – nahe dem Hoch von rund 124 Dollar aus dem April auf dem Höhepunkt des Konflikts. Goldman Sachs hatte vor den Angriffen einen Anstieg auf 120 Dollar bis zum vierten Quartal für möglich gehalten, sofern die Straße von Hormus geschlossen bleibt; das Basisszenario der Bank liegt bei rund 80 Dollar.
Sollten zwei der wichtigsten Seewege der Welt zugleich blockiert sein, stünde ein neuer Schock für die globale Ölversorgung bevor.
Die Huthi greifen mit Raketen und Drohnen an
Der Huthi-Militärsprecher Yahya Saree erklärte, man habe die beiden saudischen Tanker mit den Namen ENCELA und LAYLIA „mit einer Reihe ballistischer Raketen und Marschflugkörper sowie Drohnen“ angegriffen, weil sie gegen die verhängte Blockade verstoßen hätten. Es sei zu Bränden gekommen, und rund zehn weitere Schiffe seien zur Umkehr gezwungen worden. Die britische Behörde UKMTO, die die Schifffahrt in der Region überwacht, bestätigte Berichte über einen getroffenen Tanker mit einem Feuer an Bord. Saudi-Arabien äußerte sich zunächst nicht.
Die schiitische Bewegung hatte am 20. Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt. Betroffen ist die Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres – an der schmalsten Stelle nur 29 Kilometer breit. 2024 passierten etwa 4,1 Milliarden Barrel Rohöl und Mineralölprodukte die Passage, rund fünf Prozent des weltweiten Handels. Sie war zuletzt zum Ausweichkorridor geworden, weil die Straße von Hormus faktisch blockiert ist. Fällt auch dieser Weg weg, könnte laut Al Jazeera bis zu einem Viertel der globalen Öl- und Gasversorgung gestört werden.
Trump droht, das US-Parlament fordert ein Ende des Krieges
US-Präsident Donald Trump kündigte an, Washington werde Iran für das Vorgehen der Huthi verantwortlich machen; beide würden bald eine „schwere militärische Bestrafung“ erhalten. Iran zeigte sich unnachgiebig: Armeesprecher Mohammad Akraminia sagte, die Vergeltungsangriffe würden fortgesetzt, solange die USA iranische Infrastruktur und Küstengebiete angriffen. Das US-Zentralkommando meldete die zwölfte Angriffsnacht in Folge. Iranische Staatsmedien berichteten von einem tödlichen US-Angriff mit zwei Toten an der Grenze zum Irak sowie von Raketeneinschlägen in Bushehr, dem Standort des einzigen zivilen Atomkraftwerks des Landes.
Innenpolitisch gerät Trump unter Druck: Angesichts der für November anstehenden Zwischenwahlen verabschiedete das Repräsentantenhaus – getragen von der Opposition und einigen Republikanern – eine symbolische Resolution, die ein Ende des Krieges fordert. UN-Generalsekretär António Guterres warnte im Sicherheitsrat, die Lage gerate „außer Kontrolle“ und stehe „am Rande des Unvorstellbaren“.
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