Wenn die Temperaturen steigen, leidet oft der Schlaf: Heiße Nächte machen das Einschlafen schwerer, führen zu häufigerem Aufwachen und lassen viele Menschen am nächsten Tag weniger erholt zurück. Der Grund liegt in der sogenannten Thermoregulation – der Fähigkeit des Körpers, seine Kerntemperatur in einem sicheren Bereich zu halten. Um ein- und durchzuschlafen, muss der Körper üblicherweise etwas Wärme abgeben. In überhitzten Schlafzimmern gelingt das kaum. Fachleute betonen jedoch: Der entscheidende Kampf gegen die Hitze beginnt lange vor dem Zubettgehen – nämlich am frühen Morgen.
- Fenster und Räume sollten am Morgen verschattet und geschlossen werden, gelüftet wird erst spätabends und nachts.
- Äußerer Sonnenschutz wie Rollläden oder Markisen wirkt deutlich besser als innen liegender – Mieter brauchen dafür aber die Zustimmung des Vermieters.
- Nach Angaben des Met Office ist die Wahrscheinlichkeit für über 40 Grad in Großbritannien heute mehr als 20-mal höher als in den 1960er-Jahren.
Hitzesommer werden häufiger – der Bedarf steigt
Dass das Thema an Bedeutung gewinnt, zeigt der Blick auf die Wetterentwicklung. Der britische Wetterdienst Met Office berichtet, dass die Chance, in Großbritannien die 40-Grad-Marke zu überschreiten, inzwischen mehr als 20-mal höher liegt als in den 1960er-Jahren. Für die kommenden zwölf Jahre beziffert er die Wahrscheinlichkeit eines weiteren 40-Grad-Tages auf 50 Prozent. Verschärfend wirkt hohe Luftfeuchtigkeit: Der Körper kühlt sich unter anderem durch Schwitzen, doch wenn die Luft bereits feucht ist, verdunstet der Schweiß schlechter – und die Belastung durch die Hitze steigt.
Eine Klimaanlage schafft Abhilfe, ist aber für viele Haushalte weder bezahlbar noch praktikabel. Nach Angaben des britischen Energy Saving Trust liegt der Strompreis unter der Preisobergrenze für Juli bis September 2026 bei 26,11 Pence pro Kilowattstunde (rund 30 Cent) für Kunden mit Lastschriftzahlung. Ein kleines mobiles Klimagerät mit etwa einem Kilowatt Leistung, sieben Stunden pro Nacht über 30 Nächte betrieben, käme allein auf rund 54,83 Pfund Stromkosten (etwa 64 Euro) – noch ohne den Kaufpreis des Geräts.
Der Morgen entscheidet: Wärme gar nicht erst hineinlassen
Passive Strategien setzen deshalb früh an. „Das A und O ist, die Wärme möglichst gar nicht erst ins Innere zu lassen“, sagt Ramona Ballod von der Verbraucherzentrale Thüringen. Sobald morgens die Sonne aufgeht, sollten die Räume verschattet und alle Fenster geschlossen werden – und das am besten den ganzen Tag über, auch wenn es bei Sonnenschein schwerfällt. Denn die Überhitzung von Wohnungen entsteht vor allem durch Sonnenlicht, das durch die Scheiben eindringt (den sogenannten solaren Wärmeeintrag), und durch warme Außenluft.
Beim Sonnenschutz gilt: außen wirkt besser als innen. „Mit Markisen, Rollläden oder Raffstores, die außen angebracht werden, erzielt man gute Ergebnisse“, sagt Frank Lange, Geschäftsführer des Verbands Fenster + Fassade. Innen liegender Schutz wie Vorhänge oder Innenrollos hilft dagegen weniger, weil die Hitze durch das Glas bereits in den Raum gelangt ist. Wer zur Miete wohnt, sollte den Rechtsrahmen kennen: Äußerer Sonnenschutz ist eine bauliche Veränderung. „Das dürfen sie nicht auf eigene Faust vornehmen“, betont Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Der Vermieter dürfe die Zustimmung zwar nicht ohne Weiteres verweigern und sei unter Umständen sogar zur Duldung verpflichtet.
Was hilft – und was nur scheinbar hilft
Nicht jeder verbreitete Tipp taugt. Von Sonnenschutzfolie rät Frank Lange ab, weil das darunterliegende Glas durch thermische Spannungen brechen könne. Auch das Aufhängen nasser Bettlaken oder feuchter Wäsche hat Tücken: „Warme Luft speichert viel Wasser. Viele Menschen empfinden die feuchte Luft dann als unangenehm“, so Bosse. Werde die Feuchtigkeit nicht herausgelüftet, drohten Schimmelschäden – ein Hygrometer hilft, die Werte im Blick zu behalten.
Gut gegen Hitze wirkt dagegen Grün: Kletterpflanzen auf dem Balkon oder Bäume vor dem Fenster spenden Schatten, verdunsten Wasser und fördern nachts die Bildung von Kaltluft. Wärmequellen im Inneren lassen sich reduzieren, indem man Öfen, Herde, Trockner oder Geschirrspüler in die kühleren Tagesrandzeiten verlegt und nicht dauernd genutzte Geräte vom Strom trennt. Auch der Albedo-Effekt lässt sich nutzen: Helle, reflektierende Oberflächen werfen mehr Sonnenstrahlung zurück und bleiben kühler. Laut der Plattform Helmholtz Klima haben weißer Schnee und glattes Eis Albedo-Werte zwischen 0,8 und 0,9, Asphalt dagegen nur 0,05. Für innen liegende Rollos oder Jalousien empfehlen sich deshalb reflektierende Materialien in hellen Farben.
Am Abend lüften und clever schlafen
Erst spätabends, wenn die Außentemperaturen gefallen sind, ist Lüften sinnvoll – „so lange wie möglich, am besten die ganze Nacht hindurch“ und idealerweise auf Durchzug, rät Ballod. Diese Querlüftung transportiert die tagsüber angestaute Wärme ab, wie Untersuchungen zur passiven Kühlung zeigen; wie stark der Effekt ausfällt, hängt allerdings von Gebäude, Außentemperatur, Sicherheit, Lärm und Luftqualität ab.
Wer in einem Süd- oder Westzimmer oder unter dem Dach schläft, erwischt oft den heißesten Raum der Wohnung – hier kann es sich lohnen, für die Nacht ins Erdgeschoss oder auf die Nordseite auszuweichen.
Für den Schlaf selbst empfehlen die Quellen leichte, locker sitzende Nachtwäsche und atmungsaktive Bettwäsche. Baumwolle und Leinen nehmen Feuchtigkeit auf und lassen Luft zirkulieren, während schwere Decken und enge Synthetikstoffe Wärme und Feuchtigkeit stauen. Ventilatoren kühlen die Luft zwar nicht, doch bewegte Luft fühlt sich kühler an als stehende und unterstützt die Verdunstung des Schweißes. Bei sehr hohen Temperaturen hängt ihr Nutzen jedoch von Faktoren wie Feuchtigkeit, Alter, Flüssigkeitszufuhr und Gesundheitszustand ab.
Welche Methode bringt Ihnen in heißen Nächten die meiste Erleichterung – konsequentes Verschatten, ein Ventilator am Bett oder ganz andere Tricks? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.

























