Beim Aufstieg durch ein Marstal mit dem Spitznamen „Valle Grande“ hat der NASA-Rover Curiosity ein ausgedehntes Feld wabenförmiger Strukturen entdeckt. Die geometrischen Muster, sogenannte polygonale Brüche, messen jeweils etwa 4 bis 8 Zentimeter (1,5 bis 3 Zoll) im Durchmesser. Solche Formen hat die Mission schon mehrfach gesehen – doch nie in dieser Größenordnung. Auf einem 360-Grad-Panorama, das der Rover am 19. und 20. Juni aufnahm, erstrecken sich die Polygone in alle Richtungen bis zum Horizont. Wissenschaftler des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Südkalifornien hoffen nun, den Aufnahmen Hinweise auf ihre Entstehung zu entlocken.
- Curiosity fand im Tal „Valle Grande“ das bislang größte Feld wabenförmiger Polygone auf dem Mars.
- Die einzelnen Muster sind etwa 4 bis 8 Zentimeter groß und umschließen sogar einen rund sechs Meter hohen Hügel namens „Miraflores“.
- Das Panorama entstand am 19. und 20. Juni, an den Marstagen (Sols) 4.930 und 4.931 der Mission.
Die Aufnahmen zeigen ein Muster, das die Missionsteams als vertraut, aber überwältigend beschreiben. Die Polygone ziehen sich sogar um die Flanken eines nahe gelegenen Tafelbergs, der auf den Namen „Miraflores“ getauft wurde. Er ragt etwa sechs Meter (20 Fuß) auf und trägt eine dicke Sandkappe.
„Wir haben durch Curiositys Augen schon viele faszinierende Landschaften gesehen, aber dieses Meer aus Polygonen hat uns den Atem geraubt“, sagte Projektwissenschaftler Ashwin Vasavada vom JPL.
Warum die Wabenmuster für die Forscher so interessant sind
Vasavada zufolge hat das Team die Formen und die chemische Zusammensetzung der Strukturen sorgfältig vermessen und hofft, in den Daten Hinweise auf ihre Entstehung zu finden. Einige der Polygone, die die Mission in der Vergangenheit entdeckt hat, bildeten sich eindeutig als Trockenrisse im Schlamm. Doch an der wabenartigen Textur können mehrere Prozesse beteiligt sein – etwa Zyklen aus warmen und kalten Temperaturen oder Druck, der beim Vergraben der Oberfläche Wasser aus dem Sediment presste.
Das ist der Grund, warum die Muster über die reine Optik hinaus bedeutsam sind: Sie könnten, wie die NASA erklärt, darauf hindeuten, dass es einst auch im Valle Grande Wasser gab. Denn die Entstehung solcher Risse ist häufig eng mit dem Vorhandensein von Feuchtigkeit verknüpft. Für die Wissenschaft heißt das, dass die neuen Bilder ein weiteres Puzzleteil im Verständnis der feuchten Frühgeschichte des Mars liefern könnten – auch wenn die genaue Entstehungsursache erst durch die Analyse der gesammelten Daten geklärt werden muss.
Die Funde reihen sich in eine lange Spurensuche nach Wasser ein
Curiosity landete am 5. August 2012 auf dem Mars und ist damit seit 14 Jahren im Einsatz. Seit 2014 erklimmt der Rover den Mount Sharp, einen rund fünf Kilometer (3 Meilen) hohen Berg. Vor Milliarden von Jahren sollen Seen und Bäche die unteren Ausläufer dieses Bergs geprägt haben.
Bei seiner Fahrt hat der Rover neben Schwefelkristallen und glänzenden Meteoriten auch chemische Überreste dieser wasserreichen Vergangenheit aufgespürt. Dazu zählen kohlenstoffbasierte Moleküle, die als Vorläufer von RNA und DNA gelten – jenen Nukleinsäuren, die genetische Information tragen. Ob diese organischen Moleküle biologisch oder geologisch entstanden, lässt sich nach Angaben der Wissenschaftler nicht feststellen; beide Wege sind möglich. Klar ist jedoch: Der antike Mars besaß die Chemie, die Leben grundsätzlich hätte tragen können.
Für den Blick von der Erde bedeutet die neue Entdeckung vor allem, dass Curiosity auch nach über einem Jahrzehnt weiterhin unerwartete Landschaften liefert. Ob das „Meer aus Polygonen“ tatsächlich neue Belege für früheres Wasser im Valle Grande liefert, wird die weitere Auswertung der Mess- und Chemiedaten zeigen.
Was fasziniert Sie mehr – die geologische Detektivarbeit hinter den Wabenmustern oder die Frage, ob der Mars einst Leben trug? Teilen Sie Ihre Sicht in den Kommentaren.

























