Es war der letzte große Auftritt von Tim Cook als Apple-Chef – und er fiel zwiespältig aus. Der Technologiekonzern legte am Donnerstag für sein drittes Geschäftsquartal (Fiskaljahr 2026, Ende am 27. Juni) Zahlen vor, die die Erwartungen der Wall Street übertrafen: Der Gesamtumsatz stieg um 16 Prozent auf gut 109,4 Milliarden Dollar (rund 101 Milliarden Euro), so viel wie in keinem Juni-Quartal zuvor. Trotzdem sackte die Aktie nachbörslich zeitweise um knapp acht Prozent ab. Grund waren ein enttäuschendes Servicegeschäft, ein vorsichtiger Ausblick und eine eindringliche Warnung Cooks vor explodierenden Preisen für Speicherchips.
- Apple steigerte den Umsatz um 16 Prozent auf 109,4 Milliarden Dollar, den Gewinn um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar.
- Die iPhone-Erlöse legten um 22 Prozent auf 54,3 Milliarden Dollar zu, der Mac-Umsatz um 29 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar.
- Tim Cook übergibt die Konzernführung am 1. September an John Ternus.
- Die Aktie fiel nachbörslich zeitweise um knapp acht Prozent.
Eine ereignisreiche Woche im Vorfeld der Bilanz
Die Zahlen krönten eine bewegte Woche für den nach Marktwert wertvollsten Konzern der Welt. Die Apple-Aktie hatte seit Jahresbeginn um rund 23 Prozent zugelegt und die Börsenbewertung kurzzeitig die Marke von fünf Billionen Dollar erreicht; zuletzt lag der Wert bei etwa 4,9 Billionen Dollar. Am Dienstag stellte Apple zudem ein neues Leasing-Programm namens „Apple Upgrade“ vor, mit dem sich iPhone, iPad, Apple Watch oder Mac zu einer festen Monatsrate mieten lassen.
Apple gilt in diesem Jahr als einer der stabileren Werte unter den großen Tech-Konzernen. Anders als Meta, Google, Microsoft und Amazon steckt das Unternehmen nicht in einem milliardenschweren Wettrüsten um KI-Infrastruktur. Die Alphabet-Aktie war in der Vorwoche um sieben Prozent eingebrochen, nachdem der Google-Mutterkonzern seine Investitionsprognose auf über 200 Milliarden Dollar angehoben und erstmals einen negativen freien Cashflow gemeldet hatte; Metas Papiere erlitten in dieser Woche ein ähnliches Schicksal.
Rekordzahlen mit Sondereffekten
Der Nettogewinn kletterte um 27 Prozent auf knapp 29,8 Milliarden Dollar, der verwässerte Gewinn je Aktie auf 2,02 Dollar. Wichtigster Treiber blieb das iPhone, das mit einem Umsatzplus von 22 Prozent auf 54,3 Milliarden Dollar (Vorjahr: 44,6 Milliarden) den stärksten Juni-Wert der Firmengeschichte einfuhr. Auch der Mac wuchs kräftig um 29 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar.
Hinter dem Boom stecken jedoch teils einmalige Effekte. So verbuchte Apple Rückzahlungen von US-Importzöllen, die dem Konzern nach einem Urteil des Obersten Gerichts der USA zustehen – dieses hatte zuvor eingeführte Zollmaßnahmen von Präsident Donald Trump gekippt. Die Erstattungen hoben den Gewinn je Aktie um elf Cent oder fünf Prozent. Hinzu kam: Viele Kunden tauschten ihre Geräte vorzeitig aus, weil bereits Preiserhöhungen drohten oder angekündigt waren. Der Chefanalyst Bob O’Donnell vom Haus TECHnalysis wertete die Rekordumsätze deshalb als Strohfeuer und fragte: „Was passiert in diesem Quartal mit den Macs, wenn die neuen Preise voll zum Tragen kommen?“
Enttäuschend fiel das margenstarke Servicegeschäft aus, zu dem App Store, Apple TV+, Apple Music, Apple Pay und iCloud gehören. Die Erlöse stiegen zwar um rund zwölf Prozent auf 30,74 Milliarden Dollar, blieben mit etwa 500 Millionen Dollar aber unter den Analystenschätzungen. Nach Angaben von Finanzchef Kevan Parekh zählt Apple inzwischen mehr als 1,5 Milliarden Abonnenten. Beim iPad blieben die Erlöse mit 6,2 Milliarden Dollar unter den Erwartungen, die Wearables kamen auf 7,88 Milliarden.
Cooks Warnung vor einer „Jahrhundertflut“ bei den Speicherpreisen
In seiner letzten Telefonkonferenz als CEO zeigte sich Cook betont optimistisch: „Ich bin über die Maßen begeistert“, sagte er. Doch zugleich zeichnete er ein angespanntes Bild der Lieferlage. „Wir sehen derzeit einige sehr erhebliche Beschränkungen bei begrenzter Flexibilität in der Lieferkette“, so Cook. Er sprach von einem Quartal, in dem man auf der Angebotsseite „kämpfen“ werde.
Für die im Juni erfolgten Preiserhöhungen bei Macs und iPads fand Cook drastische Worte: „Wir haben es getan, weil wir uns in einer Jahrhundertflut bei den Speicherpreisen befinden.“
Ursache ist der weltweite Mangel an Speicherchips. Die für den Betrieb von KI-Rechenzentren nötigen Bausteine werden in großem Umfang verbaut, was die Preise in die Höhe treibt. Cook beklagte, dass der Markt für DRAM-Speicher faktisch von nur drei Unternehmen beherrscht werde – Micron, SK Hynix und Samsung. Mehr Anbieter würden Apple sowohl beim Angebot als auch beim Preis helfen, sagte er und fügte kryptisch hinzu, man „prüfe alle Optionen“. Die von Apple entwickelten Prozessoren lässt der Konzern beim taiwanischen Auftragsfertiger TSMC produzieren.
Was Anlegern und Kunden bevorsteht
Für das laufende Quartal erwartet Apple ein Umsatzplus von neun bis elf Prozent, beim iPhone rund 15 Prozent. Analysten hatten mit höheren Werten gerechnet – etwa zwölf Prozent beim Gesamtumsatz und 17,6 Prozent beim iPhone. Auch die Bruttomarge, die zuletzt bei 48 Prozent lag, dürfte unter Druck geraten. Parekh kündigte an, die Lieferengpässe würden im kommenden Quartal „deutlich zunehmen“ und iPhone, Mac und iPad treffen.
Für Verbraucher bedeutet das konkret: Die Preise könnten weiter steigen. Der Speichermangel dürfte nach Einschätzung aus dem Konzern bis 2027 und darüber hinaus anhalten. Bei den iPhones hielt Apple die Preise bislang stabil, doch Fachleute rechnen fest damit, dass das für Herbst erwartete iPhone 18 teurer wird – manche Analysten halten Aufschläge von bis zu 200 Dollar für möglich. Beim erst im März eingeführten Einsteiger-MacBook Neo stieg der Preis im Juni bereits von 599 auf 699 Dollar. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten allerdings keinen größeren Nachfrageeinbruch, da der Preis für Apple-Kunden in der Vergangenheit nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe.
Der größte Einschnitt steht personell an: Am 1. September übergibt Cook nach 15 Jahren an der Spitze und 28 Jahren im Unternehmen die Führung an John Ternus, den bisherigen Hardware-Chef des Konzerns. Cook selbst wechselt in den Posten des Executive Chairman. Ternus erbt damit nicht nur einen Rekordkonzern, sondern auch die Aufgabe, Apple in der KI-Ära neu zu positionieren: Parallel zum iPhone 18 will das Unternehmen eine deutlich persönlichere Siri-Version breit ausrollen, die Fragen zum Bildschirminhalt beantworten, App-übergreifend suchen und Aufgaben wie Kalendereinträge übernehmen soll.
Würden Sie bei einem möglichen Preisaufschlag von bis zu 200 Dollar noch zum neuen iPhone greifen – oder halten Sie den Chip-Engpass für vorübergehend? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.

























