Die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump sind weit über ihre traditionelle Rolle als Ordnungsmacht hinaus zu einem Akteur geworden, der weltweit sehr direkt eigene Interessen verfolgt. In einem Kommentar aus Washington zeichnet das Rechercheportal Balkan Insight nun nach, wie sich diese Handschrift auch in Südosteuropa immer klarer zeigt. Demnach drängt die Trump-Regierung zunehmend offensiv in Bereiche vor, die sie als strategisch wichtig einstuft – Energie, Verteidigung und Infrastruktur – und versucht zugleich, Russland, China und die Europäische Union aus diesen Feldern herauszudrängen.
- Laut Balkan Insight richtet Washington seine Balkanpolitik verstärkt auf Energie, Verteidigung und Infrastruktur aus.
- Ziel sei es, den Einfluss von Russland, China und der EU in diesen Bereichen zurückzudrängen.
- Bei der Wahl seiner Partner orientiere sich Washington nicht am Entwicklungsstand der jeweiligen Demokratie.
Der Balkan wird zum Feld handfester US-Interessen
Nach der Darstellung des Kommentars wählt Washington seine Partner in der Region nicht danach aus, wie weit deren demokratische Ordnung entwickelt ist. Auch nehme man es nicht sonderlich übel, wenn im Balkan von „ethnischer Säuberung“ die Rede sei. Im Zentrum steht demnach nicht die Frage nach Werten, sondern das Streben nach konkreten, materiellen Zielen.
Ein Präsident, der sich selbst als König sieht
Der Kommentar ordnet die Balkanpolitik in ein größeres Bild der Trump-Regierung ein. Anlass ist der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit von der britischen Krone, den die USA in diesem Monat begingen – unter einem Präsidenten, der sich selbst als König bezeichnet hat und von vielen Tausend Teilnehmern der „No Kings“-Proteste auch so wahrgenommen wird.
Auch im Sport habe Trump diesen Anspruch demonstriert: Bei der Übergabe des WM-Pokals im Stadion in New Jersey sei er nach der Ehrung länger als üblich auf der Bühne verblieben. Eine unangenehme Situation habe FIFA-Präsident Gianni Infantino entschärft, indem er den US-Präsidenten zur Seite zog.
Offene Fragen nach dem Ziel der US-Nahostpolitik
Deutlich kritischer fällt die Einschätzung zur Nahostpolitik aus. Aus einer als Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran gedachten Verständigung sei eher ein großes Missverständnis geworden, heißt es. Der Krieg habe sich verschärft, mit neuen amerikanischen Opfern und höheren Spritpreisen, und werfe erneut die Frage nach dem eigentlichen Endziel auf.
Der Autor verweist auf einen aus seiner Sicht offenen Widerspruch: Wenn es darum gehe, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern und eine weitere Eskalation im Nahen Osten zu verhindern, warum unterzeichneten die USA dann zugleich ein Abkommen, das Saudi-Arabien genau dieselben Fähigkeiten erlauben würde?
Wie sollte Europa reagieren, wenn die USA im Balkan verstärkt auf eigene Energie- und Sicherheitsinteressen setzen? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.

























