Bei der Vorstellung der Quartalszahlen schlug Elon Musk ungewohnt vorsichtige Töne an. „Unsere Ziele beim Robotaxi sind sehr ehrgeizig, aber wir müssen vorsichtig sein, um keine Unfälle zu verursachen oder irgendjemandem Schaden zuzufügen“, sagte der Tesla-Chef in der Telefonkonferenz Anfang dieser Woche. Und weiter: „Wenn wir auch nur eine einzige Person verletzen, wird es weltweit Schlagzeilen machen, und die Aufsichtsbehörden werden unsere Aktivitäten sofort einschränken.“ Es sind Sätze, die von einem CEO stammen, der zuvor jahrelang ein rasantes Wachstum seines autonomen Fahrdienstes versprochen hatte – und der nun Sicherheit über Tempo stellt.
- Teslas Nettogewinn fiel im zweiten Quartal 2026 um 5 Prozent auf 1,11 Milliarden Dollar.
- Der Umsatz stieg um 26 Prozent auf 28,2 Milliarden Dollar, die Auslieferungen um 25 Prozent auf 480.126 Fahrzeuge.
- Der Robotaxi-Dienst läuft in sechs Städten, ein Start in Phoenix und Las Vegas wird vorbereitet.
Musk verteidigt das langsamere Ausbautempo beim Robotaxi
Die Kehrtwende in der Wortwahl ist bemerkenswert. Im Juli des Vorjahres hatte Musk noch vorhergesagt, der Robotaxi-Dienst werde vom Pilotprojekt in Austin so schnell skalieren, dass er bis Ende 2025 die Hälfte der US-Bevölkerung erreiche. Tatsächlich verlief die Ausweitung deutlich behutsamer. Laut jüngstem Geschäftsbericht sind die Robotaxis derzeit in sechs Städten unterwegs: Austin, Dallas und Houston in Texas sowie Miami, Orlando und Tampa in Florida. Ein Start in Phoenix und Las Vegas werde vorbereitet.
Zum Einsatz kommen dabei bislang ausschließlich umgebaute Versionen des Model Y. Die Produktion des eigens entwickelten Cybercab hat zwar begonnen, das Fahrzeug befindet sich aber noch in der Testphase. Für einen deutschsprachigen Leser bedeutet das vor allem: Der von Musk skizzierte Umbau Teslas vom Autobauer zum KI- und Robotikkonzern ist ein langfristiges Versprechen – die Erlöse stammen weiterhin fast vollständig aus dem klassischen Fahrzeuggeschäft.
Hohe KI-Ausgaben drücken den Gewinn trotz kräftigem Umsatzplus
Genau dieser Spagat zeigt sich in den Zahlen. Im Quartal, das am 30. Juni endete, verbuchte Tesla einen Nettogewinn von 1,11 Milliarden Dollar – ein Rückgang um 5 Prozent gegenüber den 1,17 Milliarden Dollar des Vorjahresquartals. Und das, obwohl der Umsatz um 26 Prozent auf 28,2 Milliarden Dollar zulegte und damit die Erwartungen der Wall Street von rund 26,4 Milliarden Dollar übertraf. Die Auslieferungen kletterten um 25 Prozent auf 480.126 Fahrzeuge, die Automobilerlöse um 23 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar.
Verantwortlich für den schwachen Gewinn sind die massiven Investitionen in Bereiche, die mit dem Autoverkauf zunächst kein Geld verdienen. Rund 25 Milliarden Dollar will Tesla in diesem Jahr in KI-gestützte Geschäftsfelder rund um Robotaxis und humanoide Roboter stecken. Die Investitionsausgaben stiegen im Quartal um 142 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,7 Milliarden Dollar. In der Folge rutschte der freie Cashflow mit minus 1,1 Milliarden Dollar ins Negative – ein Zeichen dafür, dass die laufenden Einnahmen die Ausgaben derzeit nicht decken. Als Puffer verweist der Konzern auf 43,5 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln.
Ein negativer freier Cashflow galt bei einigen Analysten im Vorjahr als möglicher Auslöser für einen deutlichen Kursrutsch – die Tesla-Aktie liegt in diesem Jahr bereits 14 Prozent im Minus.
Tesla feiert sich als Konzern im größten Investitionszyklus seiner Geschichte
Trotz der schwachen Ertragslage gab sich das Unternehmen betont zuversichtlich. „Tesla befindet sich in seiner größten und aufregendsten Investitionsphase“, heißt es in der Mitteilung an die Aktionäre. „Von hier aus liegt noch viel harte Arbeit vor uns, während wir Transport, Energie und Produktivität durch unsere führende KI für die reale Welt revolutionieren wollen. Die Skalierung wird nicht-linear verlaufen, und wir konzentrieren uns auf langfristige Wertschöpfung. Wir waren noch nie so optimistisch für die Zukunft.“ Erstmals habe man auf Zwölf-Monats-Sicht mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz erzielt.
Der Konzern verwies zudem auf Fortschritte bei weiteren Projekten: Die Produktion des Tesla Semi im Werk in Nevada liege für einen Start im späteren Jahresverlauf im Zeitplan. Im Werk Fremont wurde nach der Stilllegung der Fertigungslinie für Model S und X mit dem Aufbau der Produktion des humanoiden Roboters Optimus begonnen.
Für die Bewertung bedeutet das: Anleger müssen abwägen, ob sie Tesla weiter als profitablen Autobauer oder als teures Wettrennen um KI und Robotik lesen. Die Erholung bei Umsatz und Auslieferungen belegt, dass die Nachfrage nach den Fahrzeugen zurückkehrt – doch solange die Milliardeninvestitionen ins autonome Fahren keine Gewinne abwerfen, bleibt der Kern des Geschäfts das Auto.
Setzt Tesla mit dem vorsichtigeren Robotaxi-Kurs und den Milliardenwetten auf KI auf die richtige Strategie – oder verspielt Musk damit die Geduld der Anleger? Schreiben Sie uns Ihre Einschätzung.

























