Im Machtkampf an der Spitze des Weltfußballs hat Javier Tebas, der Chef der spanischen Profiliga LaLiga, FIFA-Präsident Gianni Infantino erneut frontal attackiert. Auslöser sind Äußerungen Infantinos, in denen dieser den Kritikern der auf viele Teams erweiterten Weltmeisterschaft in Nordamerika vorwarf, das Turnier aus Hass verpasst zu haben. Tebas bezeichnete diese Aussagen als „erbärmlich“ und verlangte vom Weltverband mehr Transparenz und Rechenschaft. Der öffentlich über soziale Netzwerke ausgetragene Schlagabtausch reiht sich in eine ganze Serie von Angriffen ein, mit denen der Spanier in den vergangenen Monaten die Führung des Weltverbandes infrage gestellt hat.
- LaLiga-Chef Javier Tebas nennt jüngste Aussagen von FIFA-Präsident Gianni Infantino „erbärmlich“.
- Infantino hatte Kritikern der erweiterten WM in Nordamerika vorgeworfen, aus Hass das Turnier verpasst zu haben.
- Tebas fordert Transparenz, gute Führung und Rechenschaftspflicht beim Weltverband.
Wortgefecht in den sozialen Netzwerken
Infantino hatte via Instagram von der „herausragendsten FIFA-Weltmeisterschaft“ gesprochen und den Fußball als Symbol für Einheit und Zusammenhalt beworben. „Unsere Welt braucht Liebe, keinen Hass. Toleranz, keine Spaltung“, schrieb der Schweizer. Viele Kritiker, so seine Botschaft, hätten das Turnier verpasst, weil sie von Hass erfüllt gewesen seien.
Tebas konterte auf der Plattform X. Niemand bestreite, dass Fußball Menschen verbinde und Emotionen wecke, schrieb der LaLiga-Boss. „Aber Transparenz, eine gute Führung und Rechenschaftspflicht sind niemals Hass, sondern eine Verpflichtung.“ Starke Institutionen würden diejenigen, die berechtigte Fragen stellten, nicht diskreditieren, sondern ihnen Antworten geben.
„Geschieht etwas, das wir nicht wissen?“, fragte Tebas und deutete damit an, dass hinter dem scharfen Ton des FIFA-Präsidenten mehr stecken könnte.
Warum der Konflikt über einen Streit hinausreicht
Der Streit ist mehr als ein persönliches Zerwürfnis. Die FIFA ist der Dachverband des Weltfußballs und organisiert unter anderem die Weltmeisterschaft, während nationale Ligen wie LaLiga den Spielbetrieb in ihren Ländern verantworten. Wenn der Chef einer der wichtigsten europäischen Ligen dem Weltverband öffentlich fehlende Rechenschaftspflicht vorwirft, berührt das die Frage, wie Entscheidungen über Terminkalender, Turnierformate und die Belastung der Spieler getroffen werden – Fragen, die letztlich auch Vereine, Fans und Fernsehzuschauer in Europa betreffen.
Tebas ist bereits mehrfach mit deutlicher Kritik an Infantino aufgefallen. Zuletzt hatte er in einem Interview offen dessen Rücktritt gefordert. Die Zeit des FIFA-Chefs sei „vorbei, er sollte nicht im Amt bleiben“, sagte Tebas der „Gazzetta dello Sport“. Zugleich räumte er ein, dass Infantino „die Unterstützung des Systems, der Verbände“ habe. „Das ist das System, und es ist ein System, das bereits an der Wurzel krank ist.“
Der Vorwurf des Schweigens
Rund um die WM in Nordamerika habe er mit vielen Kritikern Infantinos gesprochen, berichtete Tebas. Diese kritisierten das System zwar „bei einem Kaffee in der Bar oder am Telefon in privaten Gesprächen“, unternähmen anschließend aber nichts, um dem Ganzen ein Ende zu setzen. „Ich weiß nicht, ob Schweigen oder Komplizenschaft schlimmer ist, denn wer schweigt, ist sich des Schadens, den der Fußball erleidet, bewusst“, sagte der LaLiga-Chef.
Wie es weitergeht, ist offen. Tebas selbst räumt ein, dass Infantino den Rückhalt der Verbände genießt – eine Konstellation, die einen personellen Wechsel an der FIFA-Spitze kurzfristig unwahrscheinlich erscheinen lässt. Für den anhaltenden Konflikt zwischen den nationalen Ligen und dem Weltverband bedeutet die neuerliche Eskalation jedoch, dass die Debatte über Führung und Transparenz im Fußball vorerst weitergehen dürfte.
Braucht die FIFA mehr Transparenz und Rechenschaft – oder schießt Tebas mit seiner Kritik über das Ziel hinaus? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.

























