Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs erneut. Das Unternehmen aus dem fränkischen Herzogenaurach will in Europa 3460 Stellen abbauen, 2660 davon in Deutschland. Vier deutsche Standorte sollen geschlossen werden: Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach. Hinzu kommt ein kleiner Standort im belgischen Herstal. Insgesamt sind 16 Standorte in Europa betroffen. Bis 2028 soll der Stellenabbau abgeschlossen sein, ab 2030 will Schaeffler dadurch jährlich 300 Millionen Euro einsparen. Die einmaligen Kosten beziffert der Konzern auf rund 480 Millionen Euro. Von der verbleibenden Belegschaft verlangt Schaeffler zusätzlich einen Gehaltsverzicht. IG Metall und Konzernbetriebsrat reagierten mit scharfer Kritik.
- Schaeffler streicht in Europa 3460 Stellen, davon 2660 in Deutschland, das sind rund neun Prozent der knapp 32.000 Beschäftigten hierzulande.
- Die Werke in Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach sowie ein Standort in Belgien sollen schließen.
- Das Programm kostet einmalig rund 480 Millionen Euro und soll ab 2030 jährlich 300 Millionen Euro einsparen.
- Die IG Metall wirft dem Konzern vor, ein Abbauprogramm auf das nächste folgen zu lassen.
Der neue Abbau folgt auf mehrere Sparrunden
Das aktuelle Programm ist nicht das erste seiner Art. Bereits 2024 und 2025 hatte Schaeffler die Streichung mehrerer tausend Arbeitsplätze beschlossen. Zählt man diese früheren Programme und 1800 bereits unterzeichnete Altersteilzeitverträge hinzu, baut der Konzern rund 18 Prozent seiner Arbeitsplätze in Deutschland ab.
Hintergrund ist die schwache Lage im Autogeschäft. Im abgelaufenen Quartal lag der Umsatz mit 5,8 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahresniveau. Der Betriebsgewinn sank um 7,2 Prozent auf 245 Millionen Euro, die Umsatzmarge ging um 0,3 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent zurück. In der Sparte Powertrain & Chassis, in der unter anderem Teile für Verbrennerfahrzeuge gebündelt sind, brach der Gewinn um 15 Prozent ein. Besser lief dagegen das Ersatzteilgeschäft.
Schaeffler verweist auf das „anhaltend herausfordernde Umfeld im Automobilgeschäft“, die abgeschwächte Nachfrage nach Verbrennern und den „verzögerten Hochlauf“ der Elektromobilität. Elektromotoren brauchen zudem deutlich weniger Komponenten. Wie andere deutsche Hersteller und Zulieferer leidet der Konzern auch unter der Konkurrenz vor allem chinesischer Anbieter. Mit diesen Problemen steht Schaeffler in der Branche nicht allein: Volkswagen plant, bis 2030 markenübergreifend rund 120.000 Stellen abzubauen, Bosch hatte im vergangenen Jahr 13.000 Stellenstreichungen angekündigt, überwiegend im Autobereich.
Vier deutsche Werke sollen schließen, weitere schrumpfen
Am stärksten trifft es die Standorte, an denen Teile für Verbrennungsmotoren gefertigt werden. Das Werk in Dortmund mit 430 Beschäftigten und das im rheinland-pfälzischen Morbach mit 160 Mitarbeitenden sollen schließen. In Berlin fallen durch die Schließung 270 Stellen weg. Am Standort Schwalbach bei Frankfurt am Main arbeiten rund 385 Menschen, der Großteil von ihnen soll ins Frankfurter Schaeffler-Werk wechseln.
Mit den Schließungen in Dortmund und Morbach trennt sich Schaeffler von zwei Werken, die für das Verbrennergeschäft produzieren.
Weitere deutsche Standorte sollen umstrukturiert und teils verkleinert werden, darunter Höchstadt, Erlangen, Schweinfurt, Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg. Im Ausland plant Schaeffler Verkleinerungen in Hagenau und Toulouse in Frankreich sowie in Skalica und Kysuce in der Slowakei. Die Kürzungen betreffen vor allem Produktion sowie Forschung und Entwicklung. Ein Teil der Stellenverluste soll durch neue Arbeitsplätze in „zukunftsorientierten Feldern“ wie humanoider Robotik und Verteidigung ausgeglichen werden.
Als Gründe für den Schwerpunkt in Deutschland nennt der Konzern die überdurchschnittlich hohen Personalkosten pro Kopf sowie eine zu komplexe Organisation mit zu vielen Führungsebenen und zu geringen Führungsspannen. Zugleich betont Schaeffler „ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“.
Schaeffler setzt auf einen Gehaltsverzicht der Belegschaft
Die verbleibenden Beschäftigten sollen in den kommenden beiden Jahren auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, auch der Vorstand soll sich beteiligen. Konzernchef Klaus Rosenfeld bezeichnete diesen Beitrag als das wichtigste Element des Programms. In der Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Ohne den Solidaritätsbeitrag wäre der Stellenabbau nochmals größer ausgefallen.“
IG Metall und Betriebsrat vermissen ein Zukunftskonzept
Bei den Arbeitnehmervertretern stoßen die Pläne auf Ablehnung. „Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind“, erklärte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. „Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.“
Konzernbetriebsratschef Uli Schoepplein kritisierte, dass vor allem deutsche Standorte betroffen seien. Das Bekenntnis zu Deutschland müsse sich in konkreten Entscheidungen zeigen. „Das vorgelegte Programm lässt genau die Kreativität vermissen, die wir angesichts der Krise brauchen.“ Höhn und Schoepplein fordern ein Konzept, das klärt, welche Produkte künftig in Deutschland gefertigt und wo investiert werden soll. Erst dann könne über Sparmaßnahmen gesprochen werden.
„Die Beschäftigten können nicht dafür bezahlen, dass ihnen anschließend trotzdem der Arbeitsplatz und eine Standortperspektive fehlen“, erklärten die beiden Arbeitnehmervertreter.
Verhandlungen stehen an, die Einsparungen sollen ab 2030 wirken
Als Nächstes muss Schaeffler den geplanten Gehaltsverzicht mit der Gewerkschaft aushandeln.
Der Stellenabbau in Deutschland soll bis 2028 abgeschlossen sein, die Schließungen bezeichnet Schaeffler als „perspektivisch“. Ab 2030 soll sich das jährliche Ergebnis um 300 Millionen Euro verbessern. An seinen Zielen für das laufende Jahr und die Folgejahre hält der Konzern fest.































