Die Generation, die viele Technologieunternehmen als selbstverständliche Nutzer von künstlicher Intelligenz einplanen, wendet sich zunehmend von der Technologie ab. Laut einer Umfrage des Pew Research Center geben mehr junge Erwachsene unter 30 Jahren in den USA an, sie seien über KI eher „besorgt als begeistert“ – erstmals seit dem Start der Befragung im Jahr 2021 überwiegt in dieser Altersgruppe die Skepsis. Insgesamt hat die Sorge über KI zugenommen, doch besonders bemerkenswert ist der Stimmungsumschwung bei den Jüngsten, die bislang als die technikaffinste Gruppe galten.
- Erstmals seit 2021 sind mehr US-Erwachsene unter 30 über KI „eher besorgt als begeistert“.
- 71 Prozent der Amerikaner erwarten, dass KI zu „weniger Jobs“ führt – vor zwei Jahren waren es 64 Prozent.
- Die Daten stammen aus dem American Trends Panel des Pew Research Center, befragt wurden 3.488 Personen zwischen dem 22. und 28. Juni.
Was die Umfrage zeigt
Zentraler Treiber der wachsenden Skepsis ist die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. 71 Prozent der befragten Amerikaner erwarten inzwischen, dass KI unterm Strich zu weniger Jobs führt – deutlich mehr als die 64 Prozent, die vor zwei Jahren so dachten. Auffällig ist dabei: Die 18- bis 29-Jährigen teilen diese Sorge mittlerweile ebenso häufig wie die 30- bis 64-Jährigen. Bei einer früheren Befragung zur selben Frage war das noch anders.
Damit verschiebt sich das Bild einer Altersgruppe, die bislang vor allem als Vorreiterin galt. Eine frühere Pew-Umfrage aus dem Februar hatte ergeben, dass gerade die 18- bis 29-Jährigen die größte Nutzergruppe von KI-Chatbots wie OpenAIs ChatGPT, Googles Gemini und Microsofts Copilot sind. Chatbots, die auf großen Sprachmodellen beruhen, sind nur eine von vielen Anwendungsformen – doch die Zahlen belegten, wie stark die KI-Nutzung über alle Altersgruppen hinweg gewachsen ist.
Warum das für Unternehmen heikel ist
Für viele Firmen ist der Stimmungswandel unbequem, denn ihre Personalstrategie baut ausdrücklich auf die junge, mit KI aufgewachsene Generation. Führungskräfte von Figma, Reddit, Sierra und anderen Unternehmen haben betont, dass jüngere Beschäftigte die Grundlagen ihres Fachs zusammen mit KI-Werkzeugen gelernt hätten.
„Die Absolventen, die jetzt von der Uni kommen, haben das Programmieren mit KI gelernt. Sie sind wirklich gut darin, deshalb werden wir stark auf Berufseinsteiger setzen, weil sie viel eher mit KI vertraut sind“, sagte Reddit-Chef Steve Huffman im März.
Dass ausgerechnet diese „KI-native“ Generation nun in die Skepsis kippt, deutet darauf hin, dass die Wette auf junge, technologieaffine Arbeitskräfte komplizierter werden könnte als zunächst gedacht.
Wie es um die Jobangst tatsächlich steht
Die Sorge vor Verdrängung bleibt einer der größten Schatten über der Technologie – auch wenn die reale Datenlage uneindeutig ist. KI-Manager wie OpenAI-Chef Sam Altman erklären, ihre Befürchtungen über einen breiten, KI-bedingten Stellenabbau hätten sich bislang nicht bewahrheitet. Auch Studien, darunter eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von Stanford-Forschern, fanden keine flächendeckende KI-bedingte Verdrängung von Arbeitsplätzen.
Gleichzeitig führen einzelne Unternehmen KI ausdrücklich als Grund für Entlassungen an. Business Insider zählte 17 Firmen – darunter Oracle, Cisco, IBM und Uber –, die KI als einen Faktor bei ihren Stellenstreichungen nannten. Hinzu kommt, dass neue Hochschulabsolventen ohnehin mit erhöhten Arbeitslosenquoten konfrontiert sind, was die Nervosität in dieser Gruppe zusätzlich verstärken dürfte.
Was das bedeutet
Für die Einordnung wichtig: Die Umfrage misst Stimmungen, keine wirtschaftlichen Fakten. Eine gestiegene Sorge belegt nicht, dass KI tatsächlich in großem Umfang Jobs kostet – sie zeigt, wie die Technologie wahrgenommen wird. Für Arbeitgeber könnte das dennoch praktische Folgen haben: Wenn die Belegschaft von morgen der Technologie skeptischer gegenübersteht, wird die Einführung von KI-Werkzeugen im Arbeitsalltag womöglich weniger reibungslos verlaufen als erhofft.
Auch für deutschsprachige Leserinnen und Leser lohnt der Blick über den Atlantik: Der US-Arbeitsmarkt gilt oft als Frühindikator für Debatten, die mit Verzögerung auch europäische Unternehmen und Beschäftigte erreichen. Die Frage, ob die junge Generation KI eher als Chance oder als Bedrohung erlebt, dürfte auch hierzulande zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Die Daten des Pew Research Center beruhen auf dem American Trends Panel, einer national repräsentativen Stichprobe zufällig ausgewählter US-Erwachsener. Von zunächst 4.069 ausgewählten Personen antworteten 3.488 zwischen dem 22. und 28. Juni. Die Fehlermarge für die gesamte Stichprobe liegt bei plus/minus 1,8 Prozentpunkten; für kleinere Teilstichproben wie einzelne Altersgruppen fällt sie größer aus.
Sehen Sie KI eher als Chance oder als Bedrohung für Ihren Beruf – und würden Sie jungen Berufseinsteigern heute noch raten, voll auf KI-Kenntnisse zu setzen? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































