Mit einem einzigen Satz hat Lionel Messi weltweit eine Debatte über das nahende Ende seiner Karriere ausgelöst. „Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich das noch viel länger machen werde“, sagte der Argentinier Anfang des Monats – ungewöhnlich offene Worte von einem Mann, der öffentlich sonst wenig preisgibt. Anlass war ein bewegender Nachruf auf seinen kürzlich verstorbenen Vater, den Messi bei Instagram teilte. „Du warst von Anfang an an meiner Seite; es war so wenig übrig bis zum Ende. Warum konntest du nicht noch ein wenig durchhalten, damit wir es gemeinsam beenden konnten?“, schrieb er.
- Messi äußerte sich vage über seine Zukunft und nährte damit Spekulationen über ein Karriereende.
- Bei der WM 2026 erzielte er acht Tore in acht Spielen und führte Argentinien ins Finale.
- Sein Vertrag bei Inter Miami läuft bis Dezember 2028.
Messi wurde während eines Weltturniers 39 Jahre alt und strafte sein Alter Lügen: Obwohl er nur noch selten in den Sprint verfiel, führte er Argentinien ins Finale. Bei der WM 2026 traf er in acht Partien achtmal und untermauerte damit seinen Ruf als bester Fußballer aller Zeiten.
„Er ist der beste Fußballer, den ich je gesehen habe. Das erkennt man selbst mit 39 Jahren noch“, schrieb der frühere deutsche Kapitän Philipp Lahm in seiner Kolumne für die Fachzeitschrift „Kicker“. Lahm, der viele Male gegen Messi spielte – unter anderem im WM-Finale 2014 –, ergänzte: „Er war mit Abstand der beste Spieler, gegen den ich je gespielt habe.“
In Argentinien geboren, in Spanien zum Weltstar gereift
Aufgewachsen ist Messi in Argentinien, doch seinen Durchbruch feierte er in Spanien. Mit 13 Jahren wechselte er zum FC Barcelona, wo er zehn Meistertitel in der La Liga und vier Champions-League-Trophäen gewann. Weitere Titel folgten bei Paris Saint-Germain und schließlich bei Inter Miami, wo sein Vertrag bis Dezember 2028 läuft. Den Ballon d’Or, die Auszeichnung für den weltbesten Fußballer, gewann er ein Rekordmal – achtmal.
Sein Einfluss auf den europäischen Fußball ist kaum zu überschätzen. Zwar hatte Barcelona auch zuvor Erfolge gefeiert, doch die Ära mit Messi war ohnegleichen. Gemeinsam mit anderen Absolventen der Nachwuchsakademie La Masia wie Xavi und Andrés Iniesta dominierte seine Mannschaft den Kontinent. Selbst Konkurrenten blieb nur Bewunderung.
„Ich habe noch nie einen Fußballer so konstant spielen sehen“, sagte der damalige Nationalspieler und Real-Madrid-Profi Toni Kroos, nachdem Messi 2022 mit Argentinien den WM-Titel geholt hatte. „Man muss bedenken, dass er nie für Klubs gespielt hat, die ich mag – das beweist, dass ich es ernst meine: der Beste, den ich je gesehen habe.“
Ein neuer Spielstil, um das Alter zu kaschieren
Je weiter Messi über das übliche Karriereende hinaus spielt, desto stärker hat er sein Spiel angepasst – sein energiesparender Auftritt bei der WM 2026 war der Höhepunkt dieser Entwicklung. Sein Wechsel zu Inter Miami 2023, damals Mitte 30, gilt als Vorbote dieser Veränderung.
„Ich habe meinen Spielstil geändert – wegen des Moments, der Situation und meines Alters“, sagte er 2024 der App 433. „Ich passe mich an alles ein wenig an. Ich habe angefangen, mich neu zu erfinden.“
Auch abseits des Platzes wirkt Messi in den USA nach und hat seine Bekanntheit weiter gesteigert. „Viele Menschen laufen in Städten in Großbritannien und Europa im Flamingo-Rosa von Inter Miami herum, ohne jede Verbindung zu Miami, ohne je dort gewesen zu sein“, sagte der Markenstratege James Kirkham der BBC. Eine Werbetour durch Indien 2025 sollte Ähnliches bewirken, doch sein Fehlen bei einem Spiel führte zu einer Platzstürmung durch enttäuschte Fans – langfristig tat das seiner globalen Popularität jedoch kaum Abbruch.
Messi und Ronaldo als letzte Größen ihrer Generation
Der Fall zeigt einen Wandel in der Fankultur, der sich seit Messis Karrierebeginn vor über 20 Jahren rasant vollzogen hat: Immer häufiger folgen Fans einzelnen Spielern statt Vereinen – mit Messi und seinem Dauerrivalen Cristiano Ronaldo an der Spitze.
„Der Athlet ist mehr als nur ein Wettkämpfer“, sagte Nataliya Bredikhina, Expertin für Sport-Branding an der University of Delaware, gegenüber der DW. Erst mit dem Aufkommen sozialer Medien seien die Grenzen dessen, was ein Athlet sein könne, wirklich überschritten worden.
Viele hatten erwartet, dass der Staffelstab der globalen Aufmerksamkeit längst weitergereicht wäre. Doch trotz jüngerer Superstars wie Kylian Mbappé und Erling Haaland bleiben Messi und Ronaldo abseits des Platzes konkurrenzlos. Während Messi in der MLS spielt, jagt Ronaldo in Saudi-Arabien seinem 1000. Tor hinterher – eine Marke, die theoretisch auch Messi erreichen könnte.
Ein Karriereende in den 40ern, wie es Ronaldo vormacht, erscheint möglich. Den richtigen Zeitpunkt will Messi selbst spüren: „Ich weiß, dass ich aufhöre, sobald ich merke, dass ich nicht mehr leisten kann, keinen Spaß mehr habe oder meinen Mitspielern nicht mehr helfe“, sagte er 2024 im „Big Time“-Podcast. Trotz des Verlusts seines Vaters scheint dieser Moment noch nicht gekommen.
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