Amazon hat seine erste Multi-Cam-Sitcom bestellt – und dafür eine der bekanntesten Comedy-Autorinnen der Fernsehgeschichte gewonnen. „DINKS“, eine improvisierte Comedy-Serie der „Friends“-Miterfinderin Marta Kauffman, geht bei Prime Video in Serie. In den Hauptrollen sind die im echten Leben verheirateten Improvisationsprofis June Diane Raphael und Paul Scheer zu sehen, dazu gehört Jon Gabrus zur festen Besetzung. Produziert wird die Serie in einer branchenübergreifenden Partnerschaft von Amazon MGM Studios, Lionsgate Television, Kauffmans Firma Okay Goodnight und Publicis Media Content Innovation (PMCI), dem Unterhaltungsarm des Werbekonzerns Publicis.
- „DINKS“ ist Prime Videos erste Multi-Cam-Serie und laut den Machern die erste durchgehend improvisierte Multi-Cam-Comedy.
- Der Titel steht für „Dual Income, No Kids“ – Paare mit doppeltem Einkommen und ohne Kinder.
- Finanziert wird das Projekt vollständig über die Werbeagentur PMCI, ein Bruch mit dem klassischen TV-Finanzierungsmodell.
Aus „A Lot“ wurde nach Jahren „DINKS“
Der Weg zur Serie war lang. Bereits 2023 war eine frühere Fassung des Projekts unter dem Titel „A Lot“ beim US-Sender CBS angesiedelt – mit weitgehend demselben kreativen Team, darunter Raphael, Scheer, Kauffman und Lionsgate. Damals gab es eine Präsentation als Machbarkeitsnachweis. Im April 2024 bestellte Amazon MGM schließlich eine Pilotfolge, die Kauffman gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Hannah K.S. Canter schrieb. Nun folgte die endgültige Serienfreigabe.
Ein Paar renoviert sein Albtraum-Traumhaus
Inhaltlich dreht sich „DINKS“ um Josh (Scheer) und Charlie (Raphael), ein Paar, das sich – ohne Ehe und ohne Kinder – dazu entscheidet, buchstäblich ein gemeinsames Leben aufzubauen, indem es sein zum Albtraum gewordenes Traumhaus renoviert. Das Besondere: Die Serie wird stark improvisiert.
„Ich habe immer gesagt, dass ich keine weitere Multi-Cam-Serie mache, es sei denn, jemand kann das Format neu erfinden“, so Kauffman in einem Statement. „Okay Goodnight und ich hatten es satt zu warten und beschlossen, es selbst zu tun.“ Das Drehen fühle sich an „wie eine Achterbahnfahrt im Dunkeln“.
Der Begriff Multi-Cam bezeichnet die klassische, mit mehreren Kameras gleichzeitig und oft vor Publikum aufgezeichnete Sitcom-Form – jenes Format, das Kauffman mit „Friends“ mitprägte. Prime Video setzte bislang ausschließlich auf Single-Cam-Comedys.
Warum die Finanzierung so ungewöhnlich ist
Neben Format und Improvisation ist vor allem das Finanzierungsmodell bemerkenswert. Mit PMCI, dem Unterhaltungszweig des Werbe- und Kommunikationsriesen Publicis, ist von Beginn an eine Werbeagentur beteiligt, die die Serie vollständig finanziert. Das bricht mit dem traditionellen Modell, bei dem Studios und Sender die Produktion tragen.
„Erstklassiges Erzählen erfordert zunehmend kreative Partnerschaften, die Expertise aus verschiedenen Branchen zusammenbringen“, sagte Eric Levin, Chief Creative Officer von PMCI. Man biete damit „einen alternativen Weg zur Serienfreigabe“. Für die Branche bedeutet dies, dass Werbepartner nicht mehr nur Sendeplätze buchen, sondern direkt in die Produktionsfinanzierung einsteigen – eine Rückkehr zu den frühen Fernsehjahren, in denen Studios, Sender und Werbetreibende gemeinsam Geschichten erzählten, wie auch die Lionsgate-Verantwortlichen betonten.
Kauffman knüpft an ihre Comedy-Historie an
Marta Kauffman ist vor allem als Miterfinderin von „Friends“ bekannt, die sie gemeinsam mit David Crane entwickelte und die zwischen 1994 und 2004 zehn Staffeln lang auf NBC lief. Zuletzt war sie an der Netflix-Comedy „Grace and Frankie“ beteiligt. Als Showrunnerin fungiert sie auch bei „DINKS“ und ist zusammen mit Canter, Robbie Rowe Tollin, Jesse Schiller sowie Raphael und Scheer als ausführende Produzentin an Bord.
Für Amazon reiht sich die Serie in ein wachsendes Comedy-Angebot ein, zu dem Titel wie „Overcompensating“, „Elle“ und die Action-Comedy „Ride or Die“ gehören. Peter Friedlander, Chef des globalen Fernsehgeschäfts bei Amazon MGM Studios, nannte Kauffman „eine der prägendsten Stimmen der Comedy“. Ein Starttermin für „DINKS“ wurde bislang nicht genannt.
Kann eine komplett improvisierte Multi-Cam-Sitcom das klassische Sitcom-Format tatsächlich neu beleben – oder funktioniert Comedy für Sie nur mit festem Drehbuch? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.































