Die Los Angeles Lakers zählen zu den weltweit bekanntesten Franchises der nordamerikanischen Basketballliga NBA. Umso mehr Aufmerksamkeit erregt ein Machtkampf, der nun offen ausgetragen wird: Jeanie Buss, die seit dem Tod ihres Vaters Jerry Buss im Jahr 2013 das Gesicht des Clubs ist, wehrt sich gegen den Verkauf der verbliebenen Familienanteile an eine Investorengruppe um den früheren Disney-Chef Bob Iger und den Unternehmer Joshua Kushner.
- Ein ESPN-Bericht meldete, sechs Buss-Geschwister hätten für den Verkauf der 17,8-Prozent-Beteiligung an der Franchise gestimmt.
- Jeanie Buss widerspricht: Ohne ihre Zustimmung sei kein Verkauf des Familienanteils möglich.
- Der Hauptverkauf durch Eigentümer Mark Walter an Iger und Kushner – Bewertung 12,5 Milliarden Dollar – ist davon nicht betroffen.
Auslöser des Streits ist ein Bericht des ESPN-Reporters Shams Charania. Ihm zufolge stimmte der Trust von sechs Geschwistern dafür, die 17,8-prozentige Beteiligung an der Franchise abzugeben. In einer unsignierten Familienerklärung hieß es laut ESPN: „Wir haben als Familie entschieden, die verbliebenen Anteile des Buss Family Trust an die Bob-Iger-Gruppe zu verkaufen (…) es ist Zeit, diese Gelegenheit zu nutzen und würdevoll auszusteigen, solange wir noch können.“
Buss‘ Anwalt spricht von einer „falschen“ Weitergabe von Informationen
Dem widerspricht die Tochter des Firmenpatriarchen entschieden. In einem am Montag versandten Schreiben warf ihr Anwalt Adam Streisand den Geschwistern Joey und Jesse Buss vor, dem ESPN-Journalisten „falsche“ und rufschädigende Informationen zugespielt zu haben. Charania habe „fälschlicherweise berichtet“, die sechs Geschwister hätten für den Verkauf gestimmt und Jeanie Buss sei als Kontrolleigentümerin „raus“.
Streisand beruft sich auf einen Gerichtsbeschluss aus dem Jahr 2017. Damals wurde Jeanie Buss nach einem Rechtsstreit als kontrollierende Eigentümerin des Clubs bestimmt. Ein Verkauf der Beteiligung sei ohne Zustimmung der amtierenden Mit-Treuhänder – Jeanie, Janie und Joey Buss – nicht wirksam. Zudem seien die Treuhänder verpflichtet, eine Mindestbeteiligung von 15 Prozent zu sichern, damit Jeanie Buss ihre Rolle als Controlling Owner behalten könne. Jede gegenteilige Handlung wäre laut dem Anwalt ein Bruch der Treuhandpflichten und eine Missachtung des Gerichts.
Nach Angaben einer mit dem Vorgang vertrauten Person will Jeanie Buss den Familienanteil derzeit nicht abgeben – aus Wertgründen und um ihre Rolle als Governor zu behalten.
Der Milliardendeal an der Clubspitze läuft ohnehin weiter
Zu unterscheiden ist der Familienstreit vom eigentlichen Eigentümerwechsel: Am 12. August wurde bekannt, dass Mehrheitseigentümer Mark Walter die Franchise an eine Gruppe um Kushner und Iger verkauft. Der Deal bewertet die Lakers mit 12,5 Milliarden Dollar (rund 11,5 Milliarden Euro) – ein Aufschlag gegenüber den rund 10 Milliarden Dollar (etwa 9,2 Milliarden Euro), die Walter selbst vor rund einem Jahr zahlte. Nach der Übernahme aus dem Vorjahr wird der Guggenheim-Partners-Chef laut Berichten inzwischen zum Gegenstand einer bundesbehördlichen Untersuchung zu seinen Sport-Investments.
Der 41-jährige Kushner, Gründer der Risikokapitalfirma Thrive Capital, würde als Privatperson zum kontrollierenden Eigentümer – vorausgesetzt, das Board of Governors der NBA stimmt zu. Iger, der inzwischen bei Thrive tätig ist, soll eine bedeutende operative Rolle übernehmen. Selbst wenn Jeanie Buss den Verkauf des Familienanteils blockiert, ändert das nichts an Walters Deal mit Iger und Kushner. Es geht vielmehr darum, wie stark sie in den kommenden Jahren in die Franchise eingebunden bleibt.
Was der Streit für die Zukunft der Lakers bedeutet
Für Beobachter heißt das: Der Kern der Übernahme steht, doch der Einfluss der Familie Buss, die den Club 46 Jahre lang prägte und unter Jerry Buss mit dem „Showtime“-Basketball zum Markenzeichen von Los Angeles machte, ist ungeklärt. Seit dem Tod des Patriarchen 2013 gab es wiederholt interne Konflikte um die Führung – der aktuelle Streit reiht sich in dieses Muster ein. Als Übernahme mit Walter ausgehandelt wurde, sicherte dieser Jeanie Buss für fünf Jahre die Rolle als Governor zu, danach besteht eine Option zum Rückkauf des Familienanteils. Berichten zufolge soll Iger ihr zugesagt haben, die bestehende Vereinbarung bis 2030 zu respektieren.
Sollte eine so traditionsreiche Familie wie die Buss‘ die Kontrolle über ein Team endgültig abgeben – oder ist Jeanie Buss‘ Widerstand berechtigt? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































