Christopher Nolans neuer Kinofilm „The Odyssey“, eine Verfilmung des jahrhundertealten Homer-Epos, hat dem Großbild-Spezialisten IMAX nach Unternehmensangaben das stärkste Startwochenende seiner Geschichte beschert. Der von Universal produzierte Film spielte weltweit 264,1 Millionen US-Dollar ein, davon 124,5 Millionen in den USA – der drittbeste Kinostart des Jahres im Heimatmarkt. Auf IMAX-Leinwände entfielen dabei rund 52 Millionen Dollar, obwohl deren Kinos weniger als ein Prozent aller Leinwände ausmachen. IMAX-Chef Rich Gelfond nannte den Erfolg auf einer Investorenkonferenz ein „transformatives Ereignis“.
- „The Odyssey“ ist laut IMAX der erste Film, der vollständig mit IMAX-Kameras gedreht wurde.
- IMAX vereinnahmte rund 20 Prozent des weltweiten Startwochenend-Umsatzes bei unter einem Prozent aller Leinwände.
- Die IMAX-Aktie stieg am Donnerstag um mehr als acht Prozent.
Ein Jahr vor Kinostart waren die 70-MM-Vorstellungen ausverkauft
Der Weg zum Rekord begann lange vor der Premiere. Nolan formatiert seine Filme seit Jahren – von der Batman-Trilogie bis zum oscarprämierten „Oppenheimer“ – für Großformatleinwände. Für „The Odyssey“ ging er einen Schritt weiter und drängte IMAX, eine leisere Version seiner Kamera zu bauen, um den kompletten Film damit zu drehen.
„Wenn er mich anruft, versuche ich immer, unsere Organisation dazu zu bringen, das zu tun, was er will“, sagte Gelfond gegenüber Business Insider. „Meine Antwort auf all seine Fragen lautet: Lass es uns versuchen.“
Der Andrang war entsprechend groß: Fast ein Jahr vor dem Start waren die Vorverkaufstickets für die IMAX-70-MM-Vorstellungen binnen einer Stunde vergriffen und spielten 1,5 Millionen Dollar ein.
20 Prozent des weltweiten Umsatzes über einen Bruchteil der Leinwände
Am Startwochenende steigerten sich die Zahlen weiter. Die 70-MM-Vorführungen erzielten allein 6,3 Millionen Dollar auf nur 41 Leinwänden weltweit – im Schnitt 153.000 Dollar pro Leinwand. Der Start lag laut IMAX 47 Prozent über dem von Nolans „Oppenheimer“, der 2023 über seine gesamte Laufzeit mehr als 190 Millionen Dollar über IMAX einspielte.
Am darauffolgenden Montag folgten weitere elf Millionen Dollar, am Dienstag 10,6 Millionen – laut Gelfond der beste Dienstag in der Firmengeschichte.
Für den europäischen Markt nannte Gelfond ein Beispiel: Das BFI in London sei bis in die sechste Woche ausverkauft, und auch für die siebte und achte Woche – rund zwei Monate im Voraus – seien bereits viele Vorstellungen vergriffen. Diese Nachfrage zeigt, wie stark sich Nolans jahrelange Zusammenarbeit mit IMAX auf ein zahlungsbereites Kinopublikum überträgt.
Volle Kinopipeline soll den Schwung bis Jahresende tragen
Der Erfolg befeuert das Vertrauen der Anleger. Die IMAX-Aktie legte am Donnerstag um mehr als acht Prozent zu, nachdem das Unternehmen bekräftigt hatte, weiterhin auf Kurs für einen Rekord von 1,4 Milliarden Dollar Kinoumsatz in diesem Jahr zu liegen. Zuvor hatte die Verschiebung von Netflix‘ und Greta Gerwigs „Narnia: The Magician’s Nephew“ von November auf Februar 2027 an der Wall Street Zweifel geweckt.
Bis Jahresende sollen unter anderem „Spider-Man: Brand New Day“, Zach Creggers „Resident Evil“, Tom Cruises „Digger“, „Godzilla Minus One“, David Finchers „The Adventures of Cliff Booth“ mit Brad Pitt sowie „Street Fighter“ auf IMAX-Leinwände kommen. Den Abschluss bildet Denis Villeneuves „Dune: Part Three“ – der zweite Teil hatte weltweit 147 Millionen Dollar über IMAX eingespielt.
Solides Quartal und ein möglicher Verkauf im Hintergrund
Die Zahlen für das im Juni beendete zweite Quartal fielen noch vor dem „Odyssey“-Start an: Der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf rund 103 Millionen Dollar, der weltweite Kinoumsatz lag bei 285 Millionen Dollar – der höchste Wert für ein zweites Quartal seit 2019. Zu den umsatzstärksten Titeln zählten „Michael“ (69 Millionen), „The Mandalorian & Grogu“ (42 Millionen) und „The Super Mario Galaxy Movie“ (39 Millionen).
IMAX zählte zum 30. Juni 1.809 Standorte und installierte im zweiten Quartal 38 neue Systeme – die höchste Zahl für ein zweites Quartal seit einem Jahrzehnt. Der Auftragsbestand umfasst 421 Verträge. Im Mai war zudem bekannt geworden, dass das Unternehmen einen möglichen Verkauf prüft.
Lohnt sich der Aufpreis für eine IMAX-Vorstellung von „The Odyssey“ aus Ihrer Sicht – oder ist der Hype um das Format übertrieben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

























