Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,7 hat am frühen Samstagmorgen die zu Indonesien gehörende Insel Flores erschüttert. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ereignete sich das Beben um 5:58 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von rund zehn Kilometern, das Epizentrum lag etwa 68 bis 70 Kilometer nordwestlich der Küstenstadt Ende in der Provinz Ost-Nusa-Tenggara. Indonesische Behörden gaben zunächst eine Tsunami-Warnung aus und ordneten die Evakuierung von Küstengebieten an. Rettungskräfte suchen inzwischen unter eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden. Nach Angaben eines Rettungsverantwortlichen kamen mindestens 20 Menschen ums Leben.
- Das Beben der Stärke 7,7 traf Flores in rund zehn Kilometern Tiefe nahe der Stadt Ende.
- Ein Rettungsverantwortlicher meldete mindestens 20 Tote, sechs Verletzte und zwei Verschüttete; die Katastrophenschutzbehörde BNPB bestätigte zunächst zwei Tote im Bereich Sikka.
- Eine Tsunami-Warnung wurde später wieder aufgehoben, Nachbeben erreichten die Stärken 6,1 und 5,9.
Panik in den frühen Morgenstunden
Als die Erde zu beben begann, waren viele Bewohner bereits wach. In Regionen wie Nagekeo und Bima war die Erschütterung nach Angaben von Anwohnern etwa eine Minute lang stark zu spüren. Ein von der Nachrichtenagentur Reuters verifiziertes Video auf Facebook zeigte, wie Teile eines Gebäudes am Hafen von Maumere einstürzten und Menschen schreiend auf die Straße rannten. Aufnahmen des Senders Kompas TV dokumentierten, wie Patienten aus einem Krankenhaus im Bezirk Ende ins Freie gebracht wurden.
„Plötzlich begann es zu beben, und ich geriet in Panik“, berichtete Lukas Lotar, der in einem Krankenhaus in Maumere arbeitet, der Nachrichtenagentur AFP. „Auch Patienten flohen aus dem Krankenhaus. Der Stoß war heftig. Ich sah Risse in einigen Wänden.“ In einem Priesterseminar im Bezirk Sikka stürzte während einer Morgenmesse das Dach einer Versammlungshalle ein. „Unsere Studenten und Nonnen rannten in Panik unter einem einstürzenden Dach hinaus“, sagte Seminarrektor Guidelbertus Tanga. Mindestens ein Priester habe sich beim Sprung aus dem zweiten Stock ein Bein gebrochen.
In der Region Nagekeo, dem Gebiet am nächsten zum Epizentrum, flohen Menschen in höher gelegene Gebiete, als sich das Meer zurückzog – ein mögliches Zeichen für einen herannahenden Tsunami.
Erdrutsche behindern die Rettungsarbeiten
Nach USGS-Angaben leben in dem Bereich, der schwere Erschütterungen erlebte, rund 1,5 Millionen Menschen. Der Rettungsverantwortliche Fathur Rahman sprach von 20 Bestätigten Todesopfern aus vier verschiedenen Orten, sechs Verletzten und zwei noch Verschütteten. Die indonesische Katastrophenschutzbehörde BNPB bestätigte zunächst zwei Tote im Bereich Sikka. Zwei Menschen wurden dem Rettungsdienst zufolge lebend aus den Trümmern geborgen, eine weitere Person tot.
Die Bergungsarbeiten gestalten sich schwierig: Durch das Beben ausgelöste Erdrutsche unterbrachen die Trans-Flores-Autobahn im Regierungsbezirk Ende, eine rund 700 Kilometer lange Bergstraße, die die Insel von Labuan Bajo bis Larantuka durchquert. „Wir sammeln weiterhin Berichte über Schäden und Opfer, doch es gibt Kommunikationsstörungen“, sagte Rudi Darmoko, Polizeichef von Ost-Nusa-Tenggara. Das genaue Ausmaß der Schäden wurde zunächst noch ermittelt.
Tsunami-Warnung aufgehoben, Nachbeben halten an
Die indonesische Behörde für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik (BMKG) hatte zunächst vor möglichen Tsunami-Wellen für Teile von Ost- und West-Nusa-Tenggara sowie Süd- und Südost-Sulawesi gewarnt und die Bevölkerung aufgefordert, sich von Stränden und Flussufern fernzuhalten. Später wurde die Warnung wieder aufgehoben, da die Überwachungsdaten keine nennenswerten Veränderungen des Meeresspiegels zeigten. Die Behörde kündigte an, den Meeresspiegel weiter zu beobachten. Bewohner wurden gewarnt, wegen der andauernden Nachbeben nicht in beschädigte Gebäude zurückzukehren. Dutzende Nachbeben wurden bereits registriert, das stärkste mit der Stärke 6,1.
Flores liegt im Pazifischen Feuerring
Die Insel Flores gehört zur Provinz Ost-Nusa-Tenggara. Der Westen mit der Stadt Labuan Bajo ist ein bei Touristen beliebtes Ziel, vor allem als Ausgangspunkt für Tauch- und Schnorchelausflüge sowie Besuche im Komodo-Nationalpark. Das Zentrum der Insel rund um Ende gilt dagegen als abgeschieden und touristisch kaum erschlossen. Die betroffene Region besteht überwiegend aus Städten und Dörfern mit wenigen Hochhäusern.
Indonesien liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, einer der geologisch aktivsten Zonen der Erde, in der es regelmäßig zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen kommt. Der Inselstaat besteht aus mehr als 17.000 Inseln. Im Dezember 1992 löste ein Erdbeben der Stärke 7 vor Flores einen Tsunami aus, bei dem rund 2.500 Menschen starben. 2004 wurde die Provinz Aceh von einer Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe schwer getroffen, damals starben allein in Indonesien rund 170.000 Menschen.































