Starlink, das Satelliten-Kommunikationssystem des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk, ist für die ukrainischen Streitkräfte zentral. Sie nutzen das Netz für die Kommunikation auf dem Schlachtfeld und für die Steuerung von Drohnen. Ende September brannte in Polen eine Bodenstation, die auch von Starlink genutzt wird. Nun haben Spezialeinheiten der Polizei im baden-württembergischen Landkreis Reutlingen einen dritten Verdächtigen festgenommen. Es handelt sich um einen türkischen Staatsbürger, der den Anschlag in Auftrag gegeben haben soll. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit. Einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP zufolge erfolgte die Festnahme am Dienstag.
- Der festgenommene Türke soll zwei bereits inhaftierte Landsleute mit dem Brandanschlag auf die Starlink-Bodenstation beauftragt haben.
- Ihm wird die Vorbereitung einer terroristischen Straftat vorgeworfen, ein Richter ordnete Untersuchungshaft an.
- Bei ihm stellten die Ermittler acht Mobiltelefone und Munition sicher.
- Nach Spiegel-Informationen führt eine Spur zur türkischen kriminellen Gruppe „Daltons“.
Der Verdächtige soll die Tat von Deutschland aus gesteuert haben
Nach dem bisherigen Ermittlungsstand soll der Mann aus dem Kreis Reutlingen die beiden anderen Verdächtigen von Deutschland aus dazu gebracht haben, den Brand in Polen zu legen. Er soll auch dafür gesorgt haben, dass eine weitere Beschuldigte die beiden in der Nacht zum 23. September nach Polen fuhr. Dort sollen sie ein Terminal des Satellitensystems in der Region Masowien südlich von Warschau angezündet haben.
Gegen den Mann wurde „aufgrund weiterer Erkenntnisse“ ein eigenes nationales Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Richter ordnete bereits Untersuchungshaft an. Nach AFP-Angaben ist das Alter des Verdächtigen nicht bekannt. Ein polnisches Auslieferungsersuchen gegen ihn liegt nach Auskunft der Staatsanwaltschaft derzeit nicht vor. Weitere Angaben machten die Ermittler nicht.
Bei der Festnahme beschlagnahmten die Einsatzkräfte acht Mobiltelefone sowie Munition.
Zwei mutmaßliche Täter sitzen bereits in Haft
Die beiden mutmaßlichen Brandstifter, ebenfalls türkische Staatsbürger, waren rund drei Wochen zuvor auf Ersuchen polnischer Ermittler in Nürtingen festgenommen worden, laut AFP am 12. Oktober. Sie sitzen in Untersuchungshaft, Polen hat ihre Auslieferung beantragt.
Wer die Fahrerin war, bleibt offen. Die Mitteilung der Behörden enthält keine näheren Angaben zu der „weiteren Beschuldigten“. Der private polnische Radiosender RMF FM hatte am 13. Oktober über zwei weitere Festnahmen berichtet. Darunter sei eine in Berlin gefasste Frau gewesen, die möglicherweise das Auto gefahren habe. Auf AFP-Nachfrage erklärte die Staatsanwaltschaft jedoch, die Zahl der Festgenommenen beschränke sich auf die drei in der Pressemitteilung genannten Personen.
Warschau sieht russische Geheimdienste hinter dem Brand
Polens Regierungschef Donald Tusk hatte kurz nach dem Feuer von einem „weiteren Akt hybrider Kriegsführung“ gesprochen. Die Regierung in Warschau vermutet nach eigenen früheren Angaben russische Geheimdienste hinter der Tat. Nach Informationen des Spiegel führt eine Spur der Ermittler zu den „Daltons“, einer türkischen Gruppe der Organisierten Kriminalität, die auch in Deutschland aktiv ist. Das bestätigten dem Magazin zufolge voneinander unabhängige Quellen aus mehreren Ländern. Mitglieder der Bande könnten die Sabotage demnach im Auftrag russischer Geheimdienste verübt haben.
Die Station gehört dem staatlichen polnischen Telekommunikationsunternehmen Exatel und leitet nach Angaben aus Warschau unter anderem Internetdaten durch Polen und in die Ukraine.
Wie schwer die Folgen des Feuers waren, stellen die Quellen unterschiedlich dar. Polens Digitalminister Krzysztof Gawkowski sagte am Tag nach dem Brand: „Diese Sabotage war absichtlich so konzipiert, um die Station außer Betrieb zu setzen.“ Der Internetzugang verschiedener Institutionen sei gestört worden, „einschließlich der ukrainischen Armee“. Einem AFP-Bericht zufolge blieb die Station nach dem Feuer jedoch in Betrieb.
Auch in Litauen und Bulgarien wurden Starlink-Anlagen angegriffen
Mitte Oktober gab es auch in Litauen und Bulgarien Versuche, Starlink-Anlagen auf einem Firmengelände mit Brennflüssigkeiten und Molotowcocktails in Brand zu setzen. Diese Anschläge sind nach Angaben des Spiegel nicht Teil des aktuellen Haftbefehls. Nach dem Brandanschlag bei Sofia wurden in Duisburg zwei Deutsche festgenommen. Sie sitzen in Auslieferungshaft und warten auf ihre Überstellung nach Bulgarien.
Das Nato- und EU-Mitglied Polen ist der wichtigste Umschlagplatz für westliche Militär- und Humanitärhilfe für die Ukraine. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 hat Warschau Russland bereits mehrfach „Sabotage“ vorgeworfen.































