In der ägyptischen Hauptstadt Kairo, seit Langem eine der wichtigsten Vermittlerbühnen im Nahostkonflikt, haben Unterhändler der Staaten Ägypten, Katar und der Türkei tagelang mit Vertretern der Hamas über die Entwaffnung der militant-islamistischen Organisation im Gazastreifen verhandelt. Aus diesen Gesprächen ist nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump nun eine weitreichende Einigung hervorgegangen: Der von den USA initiierte sogenannte Friedensrat habe eine Vereinbarung zur »vollständigen Entwaffnung« der Hamas und aller anderen bewaffneten Gruppen im Gazastreifen erzielt. Trump verkündete den Schritt am späten Donnerstagabend auf seiner Plattform Truth Social und sprach von einem »monumentalen Schritt« hin zu dauerhaftem Frieden.
- Trump meldet eine Vereinbarung seines »Friedensrats« zur vollständigen Entwaffnung der Hamas.
- Hamas-Vertreter bestätigen laut AFP und BBC das Abkommen; eine offizielle Erklärung wurde angekündigt.
- Israel hat sich bislang nicht offiziell geäußert und fordert eine vollständige Entmilitarisierung des Gazastreifens.
Die Waffen sollen nicht an Israel gehen
Nach Angaben aus Hamas-Kreisen zeigte sich die Organisation bereit, ihre Waffen unter die Aufsicht einer palästinensischen Übergangsverwaltung sowie internationaler Vermittler zu stellen. Eine Übergabe direkt an Israel sei ausdrücklich nicht vorgesehen. Ein ranghoher Hamas-Vertreter erklärte der Nachrichtenagentur AFP, ein »Nationales Komitee zur Verwaltung des Gazastreifens« solle die Erfassung und Lagerung der Waffen nach einem vereinbarten Zeitplan übernehmen und als einzige Stelle zur Aufbewahrung und Kontrolle von Waffen berechtigt sein.
Im Gegenzug müsse Israel seine Truppen vollständig aus dem Gebiet abziehen und gezielte Tötungen einstellen. Trump zufolge sollen sich die israelischen Streitkräfte zurückziehen, während die Entwaffnung voranschreitet. Eine internationale Stabilisierungstruppe soll künftig gemeinsam mit einer neuen palästinensischen Polizei für Sicherheit sorgen.
Teil eines 20-Punkte-Plans vom vergangenen Jahr
Trump bezeichnete die Einigung als »Meilenstein« bei der Umsetzung seines 20-Punkte-Plans zur Beendigung des Kriegs im Gazastreifen, den er im September des Vorjahres vorgestellt hatte. Der Plan sieht unter anderem die Entfernung der Hamas von der Macht, eine reformierte palästinensische Regierung, Sicherheitsgarantien für Gaza sowie einen wirtschaftlichen Wiederaufbau vor. Die Entwaffnung der Hamas galt in diesem Konzept stets als zentraler und zugleich umstrittenster Punkt – die Organisation hatte eine Abgabe ihrer Waffen bislang abgelehnt.
Ob es sich bei der von Trump verkündeten Einigung um eine bloße Absichtserklärung oder um ein verbindliches Abkommen handelt, ist derzeit offen.
In Verhandlungskreisen war zuvor von »seltenen Fortschritten« die Rede. Über einen 15-Punkte-Fahrplan sei weitgehende Einigkeit erzielt worden. Für die vollständige Umsetzung nannte eine Quelle aus dem Umfeld des Friedensrats einen Zeithorizont von »200 bis 350 Tagen«; ein ranghoher Regierungsbeamter erwartete erste Fortschritte in ein bis zwei Monaten. Genauere Angaben seien erst möglich, sobald ein Zeitplan für jede einzelne Phase feststehe.
Israels Schweigen wirft Fragen auf
Auffällig ist, dass eine Bestätigung aus Israel bislang fehlt. Noch vor Trumps Ankündigung hatte ein israelischer Regierungsvertreter die diskutierten Bedingungen als »nicht zufriedenstellend« bezeichnet. Israel fordert eine vollständige Entwaffnung der Hamas – einschließlich des Abtransports sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen und einer vollständigen Entmilitarisierung des Küstengebiets – als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess.
Für die Bewertung der Ankündigung bedeutet dieses Schweigen: Solange die israelische Regierung sich nicht öffentlich äußert und keine der beteiligten Seiten schriftliche Details vorlegt, bleibt unklar, wie belastbar die Einigung tatsächlich ist. Trumps Formulierungen fielen erneut betont vollmundig aus – die eigentliche Bewährungsprobe liegt in der stufenweisen Umsetzung, die sich über viele Monate erstrecken dürfte.
Glauben Sie, dass die angekündigte Entwaffnung der Hamas tatsächlich Bestand haben wird – oder handelt es sich vor allem um eine politische Ankündigung? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.

























