„Die Zukunft des Fußballs – und sein wertvollstes Gut – muss in den Händen unserer Fußballfamilie bleiben.“ Mit deutlichen Worten hat der Kontinentalverband CONCACAF am Donnerstag den Investoren-Deal von FIFA-Präsident Gianni Infantino einstimmig abgelehnt. Nach einer Sitzung, an der neben CONCACAF-Präsident Victor Montagliani auch die Präsidenten der 41 Mitgliedsverbände teilnahmen, stellt sich damit nach Europa nun auch die Region Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik gegen den Plan des Weltverbandes, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Für Infantino ist es der nächste schwere Rückschlag binnen weniger Stunden.
- Die CONCACAF lehnt Infantinos Investoren-Deal einstimmig ab.
- Zuvor hatten alle 55 UEFA-Verbände mit einem Boykott aller FIFA-Turniere gedroht.
- Mit UEFA und CONCACAF positionieren sich 96 von 211 Verbänden gegen die Pläne.
Die Verbände kritisieren ein fehlendes ordnungsgemäßes Verfahren
Im Zentrum der Ablehnung stehen Bedenken gegen das Vorgehen der FIFA-Spitze. „Während der Sitzung äußerten die Mitgliedsverbände erhebliche Bedenken hinsichtlich des Fehlens eines ordnungsgemäßen Entscheidungsverfahrens im Zusammenhang mit diesem Vorschlag“, hieß es in der Mitteilung des Verbandes. Kritisiert wurden demnach „insbesondere die künstlich kurz gesetzte Frist sowie die Tatsache, dass weder die zuständigen FIFA-Gremien den Vorschlag geprüft noch genehmigt hatten“.
Die Verbände stellten zudem den Sinn des gesamten Vorhabens infrage. Man wolle wissen, „weshalb überhaupt eine Finanzierung durch Private-Equity-Investoren erforderlich sein sollte, um neue und bestehende FIFA-Forward-Programme zu finanzieren – insbesondere nach der finanziell erfolgreichsten FIFA-Weltmeisterschaft der Geschichte“. Das FIFA-Forward-Programm ist das zentrale Instrument, über das der Weltverband Gelder für die Fußballentwicklung an seine Mitgliedsverbände ausschüttet.
Europa droht mit dem Boykott aller FIFA-Turniere
Wenige Stunden zuvor hatte die Europäische Fußball-Union (UEFA) mit noch schärferen Tönen reagiert. Alle 55 UEFA-Nationalverbände beschlossen einstimmig, sämtliche FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren, sollte der Weltverband an seinem Vorhaben festhalten. „Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen“, teilte die UEFA mit. Und weiter: „Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet.“
Einen Boykott sprach die CONCACAF selbst nicht aus. Ihr Unmut fiel aber ebenso deutlich aus – und der Verband setzte auf konkrete Gegenvorschläge statt auf reine Drohung.
CONCACAF verweist auf bestehende FIFA-Reserven
Statt neuer Investorengelder verweist der Verband, dessen Mitglieder USA, Kanada und Mexiko jüngst die auf mehr Teilnehmer erweiterte WM ausrichteten, auf die bestehenden Rücklagen der FIFA. Die eigenen Ratsmitglieder wurden beauftragt, „mit der FIFA zu erörtern, wie die umfangreichen bestehenden FIFA-Reserven genutzt werden können, um die Finanzierung des FIFA-Forward-Programms für die Fußballentwicklung in unserer Region zu erhöhen“. Zudem sollen sie Infantino anweisen, sicherzustellen, „dass alle Angelegenheiten gemäß den FIFA-Statuten den ordnungsgemäßen Governance-Prozessen über die Verwaltung und den FIFA-Rat folgen“.
Was hinter dem Deal steckt und warum die Mehrheit nun wackelt
Nach übereinstimmenden Medienberichten will die FIFA mit dem Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte – etwa an der Weltmeisterschaft – eine Milliardensumme einnehmen. Um die Verbände zu gewinnen, stellte Infantino ihnen Einnahmen in vierfacher Höhe sowie eine Sonderzahlung in Aussicht und setzte laut Berichten eine Zustimmungsfrist bis zum 19. September. Für die Umsetzung soll eine einfache Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände genügen.
Mit den 55 Stimmen der Europäer und den 41 aus Nord- und Mittelamerika haben sich nun 96 von 211 Verbänden gegen die Pläne gestellt.
Für Infantino bedeutet das: Eine Mehrheit rückt in weite Ferne. Rechnerisch fehlen den Gegnern zwar noch Stimmen zu einer Sperrminorität, doch der öffentlich vorgetragene, geschlossene Widerstand zweier großer Kontinentalverbände erhöht den Druck erheblich – gerade weil unter den Kritikern mit den USA, Kanada und Mexiko die aktuellen WM-Gastgeber sind. Ob der Weltverband an seinem Zeitplan festhält oder den Vorschlag überarbeitet, ist damit offen.
Sollte die FIFA private Investoren an der WM beteiligen dürfen – oder gehört der Fußball allein in die Hände der Verbände? Teilen Sie Ihre Sicht in den Kommentaren.

























