Wer Prime Video auf einem Fire-TV-Gerät nutzt, findet dort ab Donnerstag ein neues Angebot: Amazon bindet seinen Cloud-Gaming-Dienst Luna direkt in die Streaming-App ein. Prime-Mitglieder in den USA und Großbritannien können damit Videospiele auf demselben Weg entdecken und starten wie Filme, Serien oder Sport – ohne zusätzliche Kosten und ohne Download. Neben den bestehenden Rubriken für Filme, Serien, Live-TV und Sport erscheint dazu ein eigener Reiter „Games“. Als Steuerung genügt ein Controller oder das Smartphone. Amazon kündigte an, die Integration in den kommenden Monaten auf weitere Länder und Geräte auszuweiten.
- Luna wird ab sofort in die Prime-Video-App auf Fire-TV-Geräten in den USA und Großbritannien integriert.
- Die enthaltenen Spiele sind für Prime-Mitglieder ohne Zusatzkosten spielbar; gesteuert wird per Controller oder Smartphone.
- Große Amazon-eigene Titel wie kommende „Tomb Raider“-Spiele und James-Bond-Games bleiben vorerst außen vor.
Bekannte Marken sollen Gelegenheitsspieler anlocken
Die Spielebibliothek setzt bewusst auf vertraute Namen mit vergleichsweise einfacher Bedienung. Verfügbar sind unter anderem „Hogwarts Legacy“, „EA Sports FC 26“ und „Indiana Jones and the Great Circle“, dazu Titel wie „Fallout 4“, „Marvel’s Guardians of the Galaxy“, „Control“ und „Dispatch“. Für gemeinsame Runden mit Familie und Freunden bietet Amazon unter dem Label „GameNight“ Partyspiele wie „Clue“, „Ticket to Ride“ und „Taboo“. Hinzu kommen Eigenentwicklungen wie das Kartenspiel „Masters of the Universe: Legends Unite“ und die „Courtroom Chaos“-Reihe. Die Auswahl wird nach Angaben des Konzerns monatlich aktualisiert.
Jeff Gattis, General Manager Gaming bei Amazon, erklärte das Ziel hinter der Integration: Spiele seien für viele Menschen bislang schwerer zu finden gewesen, als sie sein sollten. Durch die Einbettung in Prime Video sollten Mitglieder Titel „natürlicher“ entdecken und mit einem Klick loslegen können.
Amazon zielt dabei ausdrücklich nicht auf die Kundschaft von PlayStation, Xbox oder Steam, sondern auf Gelegenheitsspieler ohne teure Hardware.
Gattis verwies auf die Größenverhältnisse des Marktes: Weltweit spielten rund 3,5 Milliarden Menschen Videospiele, während nur etwa 300 Millionen Konsolen oder spielefähige PCs im Umlauf seien. In dieser Lücke sieht Amazon seine Chance. Für Einsteiger heißt das: Sie sollen aktuelle, prominente Titel spielen können, ohne in eine Konsole oder einen Gaming-PC investieren zu müssen.
Warum der Schritt für Amazon logisch ist
Luna existiert weiterhin auch als eigenständige App und bleibt für alle verfügbar, die keine Spiele über Prime Video nutzen wollen. Zum Start ist die kostenpflichtige Premium-Stufe von Luna, die 9,99 US-Dollar monatlich kostet und auch ohne Prime-Abo buchbar ist, nicht über Prime Video zugänglich – langfristig ist diese Verzahnung laut Gattis aber geplant.
Nach dem Neustart von Luna im vergangenen Oktober habe sich die Zahl der aktiven Spieler nach eigenen Angaben etwa verfünffacht. Gattis schränkte allerdings ein, dass dies von einer kleinen Ausgangsbasis aus geschehen sei.
Ein weiterer Gedanke hinter der Integration ist die Verknüpfung von Filmen und Spielen im selben Ökosystem. So läuft das Videospiel zum jüngst auf Prime Video erschienenen Film „Masters of the Universe“ nun in derselben App, und das KI-Partyspiel „Courtroom Chaos: Starring Arnold Schwarzenegger“ startet vor der Veröffentlichung des Weihnachtsfilms „The Man with the Bag“.
Die großen Prestige-Titel bleiben vorerst außen vor
Nicht in Luna enthalten sind zunächst die auffälligsten Amazon-eigenen Titel: die beiden kommenden „Tomb Raider“-Spiele – „Tomb Raider“ soll im Februar erscheinen – sowie die Zukunft der James-Bond-Reihe nach dem Erfolg von „007 First Light“. Gattis skizzierte hier eine mögliche „Windowing“-Strategie, also eine zeitliche Staffelung zwischen der Veröffentlichung für Konsole und PC und einem späteren oder parallelen Start auf Luna. Eine feste Zusage wollte er nicht machen; über eine vollständige Exklusivität werde von Fall zu Fall entschieden. Zu den möglichen künftigen Inhalten zählt er auch weiteres Material aus dem MGM-Katalog.
Der Vorstoß fällt zudem in eine Phase, in der auch Netflix seine Spiele stärker auf den Fernseher bringt. Der Konkurrent bezeichnete sein Horror-Erlebnis „Unhinged“ und sein WM-Spiel, beide im Vormonat gestartet, als zwei seiner erfolgreichsten Cloud-Gaming-Starts.
Würden Sie über Prime Video zum Controller greifen – oder bleiben Konsole und PC für Sie unersetzlich? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.

























