Das von Stechmücken übertragene West-Nil-Virus zirkuliert in diesem Jahr auch in Deutschland – neben Frankreich und Österreich zählt die Bundesrepublik zu insgesamt zwölf europäischen Ländern, die seit Jahresbeginn vor Ort erworbene Infektionen gemeldet haben. Das teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC mit Sitz in Stockholm am Freitag mit. Betroffen sind demnach außerdem Albanien, Griechenland, Italien, die Niederlande, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien, der Kosovo und Spanien. Die Behörde forderte den Kontinent auf, seine Kapazitäten zur Mückenbekämpfung deutlich auszubauen, da sich sowohl das Virus als auch invasive Mückenarten weiter ausbreiten.
- Zwölf europäische Länder meldeten 2025 vor Ort übertragene West-Nil-Fälle, darunter Deutschland, Österreich und Frankreich.
- Die meisten Infektionen traten in Italien (311) und Griechenland (157) auf; insgesamt sind 99 Regionen betroffen.
- In 21 Regionen trat das Virus erstmals auf; im Vorjahreszeitraum waren es neun Länder und 67 Regionen.
Deutschland und die Nachbarländer im Verbreitungsgebiet
Für den deutschsprachigen Raum ist besonders relevant, dass mit Deutschland und Österreich zwei Länder auf der Liste stehen, in denen die Erkrankung lange kaum eine Rolle spielte. Die Culex-Stechmücken, die das Virus übertragen, sind in Europa ohnehin weit verbreitet. Hinzu kommt die Ausbreitung invasiver Arten: Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die Dengue- und Chikungunya-Viren übertragen kann, ist der ECDC zufolge inzwischen in 16 europäischen Ländern etabliert – doppelt so viele wie noch vor zwölf Jahren.
Mehr betroffene Regionen als im Vorjahr
Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt eine deutliche Ausweitung: Im entsprechenden Zeitraum im August 2025 hatten neun europäische Länder Fälle in 67 Regionen gemeldet. Aktuell sind 99 Regionen betroffen, in 21 davon wurde das West-Nil-Virus überhaupt zum ersten Mal nachgewiesen. Die mit Abstand höchsten Fallzahlen verzeichneten Italien mit 311 und Griechenland mit 157 Infektionen.
»Die Ausweitung der Übertragung des West-Nil-Virus sowie die Verbreitung invasiver Mückenarten zeigen, warum Europa seine Kapazitäten zur Mückenbekämpfung stärken muss«, erklärte Celine Gossner, bei der ECDC zuständig für lebensmittel-, wasser- und vektorübertragene sowie zoonotische Krankheiten.
Für eine wirksame Bekämpfung sei eine länderübergreifende Zusammenarbeit und ein »integrierter Ansatz« nötig, so Gossner. Dieser umfasse die Überwachung der Mückenpopulationen, die Einbindung der Bevölkerung sowie gezielte Bekämpfungsmaßnahmen, die auch die Umweltauswirkungen berücksichtigen.
Wann und wie das Virus übertragen wird
Die meisten Infektionen treten in Europa während der Mückensaison auf, die in der Regel vom späten Frühjahr bis in den Herbst reicht. Den Höhepunkt der Übertragungen verzeichnet die ECDC zwischen Juli und September. Das bedeutet für die betroffenen Regionen, dass der saisonale Verlauf die aktuelle Zahl der Meldungen noch mitprägt.
Erstmals nachgewiesen wurde das West-Nil-Virus 1937 im West-Nil-Gebiet in Uganda. Ein Großteil der Infektionen verläuft asymptomatisch oder nur mit leichten Beschwerden, weshalb nur ein kleiner Teil der Fälle überhaupt erfasst wird. Bricht die Krankheit aus, entwickeln Betroffene grippeähnliche Symptome wie Zittern und Fieber. In schweren Verläufen kann das Virus über die Blutbahn bis ins Gehirn gelangen und eine lebensbedrohliche Entzündung des Hirngewebes (Enzephalitis) oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen; auch ein Koma ist möglich.
Weder Impfstoff noch spezifische Therapie
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff für Menschen noch eine spezifische Behandlung gegen das Virus. Die Versorgung beschränkt sich darauf, Symptome zu lindern und schwere Fälle im Krankenhaus unterstützend zu behandeln. Für Betroffene bedeutet das in der Praxis, dass der Schutz vor Mückenstichen die zentrale Vorsorgemaßnahme bleibt.
Haben Sie in Ihrer Region schon Maßnahmen zur Mückenbekämpfung bemerkt oder machen Sie sich Sorgen wegen der Ausbreitung des West-Nil-Virus? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































