Weite Teile Europas leiden derzeit unter einer Hitzewelle, und mit der Trockenheit steigt das Risiko von Vegetationsbränden. Von Großbritannien über Frankreich und Spanien bis nach Belgien und Deutschland kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen. Besonders dramatisch ist die Lage im Naturschutzgebiet Hohes Venn im Osten Belgiens: Der dort am Freitag ausgebrochene Brand hat sich nach Behördenangaben bis Samstagabend auf rund 2.700 Hektar ausgeweitet und gilt als der größte in der modernen Geschichte des Landes. Hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen, im nahen deutschen Monschau bereiteten sich weitere Ortsteile auf eine mögliche Evakuierung vor.
- Der Brand im belgischen Hohen Venn erfasste laut Behörden rund 2.700 Hektar – nach nur 80 Hektar am Freitag.
- Etwa 600 Menschen in den Orten Waimes, Sourbrodt und Bütgenbach mussten evakuiert werden.
- Im deutschen Hürtgenwald entspannte sich die Lage; die rund 1.800 evakuierten Bewohner von Gey konnten zurückkehren.
Der größte Brand der modernen belgischen Geschichte breitet sich rasant aus
Das Feuer war am Freitagmittag im grenznahen Hohen Venn ausgebrochen und hatte sich in einem Gebiet aus fragilen Torfmooren und Kiefernwäldern rasch ausgebreitet – von 80 Hektar am Freitag auf mehr als 2.700 Hektar am Samstag. Das entspricht umgerechnet fast 3.800 Fußballfeldern. Belgiens Innenminister Bernard Quintin zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP „schockiert“ über das Tempo und das Ausmaß der Zerstörung.
Rund 600 Anwohnerinnen und Anwohner erhielten die Anordnung, ihre Häuser zu verlassen; Touristen wurde geraten, das Gebiet zu meiden. In einer benachbarten Gemeinde wurde eine Turnhalle als Notunterkunft geöffnet. „Man sieht nichts mehr, überall ist Rauch“, schilderte der Gastwirt David Rodolfs aus Waimes. Nicolas Yernaux, Sprecher der wallonischen Regionalbehörde, warnte, das Feuer sei nicht unter Kontrolle: „Es besteht das Risiko, dass das Feuer Wohnhäuser erreicht, aber wir setzen alle verfügbaren Mittel ein, um sie zu schützen.“
Das schwer zugängliche Gelände erschwert die Löscharbeiten erheblich. Belgien aktivierte den EU-Katastrophenschutzmechanismus und erhielt so Unterstützung von außen: Drei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge aus Tschechien, Schweden und den Niederlanden kamen zum Einsatz, dazu Kräfte aus Deutschland und Luxemburg. Auch Landwirte halfen, indem sie das Gelände befeuchteten.
An der deutschen Grenze bereiten sich Tausende auf eine mögliche Evakuierung vor
Weil sich die Feuerfront der Grenze bis auf rund drei Kilometer näherte, spitzte sich die Lage für die nordrhein-westfälische Stadt Monschau zu, die selbst nur etwa zwei Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Die Stadt rief die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich – laut einer Sprecherin rund 5.000 Menschen – dazu auf, sich auf eine mögliche Evakuierung einzustellen und Notgepäck bereitzuhalten. Es handle sich um Vorsichtsmaßnahmen, betonte die Stadt; Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus. Vorsorglich wurden Löschmaßnahmen vorbereitet, falls das Feuer auf deutsches Gebiet übergreift.
Nur rund 20 Kilometer entfernt hatte in der Eifel bereits ein Brand im Hürtgenwald für Aufsehen gesorgt. Dort mussten die gut 1.800 Bewohner des Ortsteils Gey in der Nacht auf Freitag fliehen, die Flammen kamen bis auf 250 Meter an Grundstücke heran. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch nicht explodierte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg – die Region war 1944/45 Schauplatz schwerer Kämpfe. Es kam zu vereinzelten Detonationen, weshalb die Bundeswehr Räum- und Bergepanzer sowie Löschhubschrauber vom Typ NH-90 mit einem 2.000-Liter-Behälter einsetzte.
Am Samstagabend gab der Kreis Düren teilweise Entwarnung: Die Lage rund um Gey habe sich „so weit entspannt, dass die Menschen heimkehren können“.
Gänzlich ausgestanden ist die Gefahr allerdings nicht. „Die Lage hat sich gebessert, aber das Feuer ist noch lange nicht aus“, sagte ein Sprecher des Kreises. Zahlreiche Glutnester müssten noch bekämpft werden, die Arbeiten dürften mehrere Tage dauern.
Auch Frankreich, Spanien und Großbritannien kämpfen gegen die Flammen
Im Südwesten Frankreichs wurden seit Donnerstag rund 1.580 Hektar verwüstet; das Feuer nahe dem Dorf Luglon, etwa 100 Kilometer südlich von Bordeaux, flammte in der Nacht zum Samstag erneut auf. 650 Menschen mussten das Gebiet verlassen, Wohnhäuser blieben verschont. Rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge waren im Einsatz, die Ursache ist noch ungeklärt.
In der spanischen Region Aragón zerstörten Brände nach Behördenangaben bereits 15.000 Hektar und bedrohten mehrere Ortschaften; mehr als 1.000 Menschen in 18 Orten mussten fliehen. Ein Feuer bei Niebla in der Provinz Huelva vernichtete über 38.000 Hektar. Auch in Großbritannien zerstörten Brände Gebäude, besonders betroffen war die Stadt Stourbridge südwestlich von Birmingham.
Fachleute sehen im Klimawandel den Brandbeschleuniger
In Belgien kletterten die Temperaturen in dieser Woche gebietsweise auf 37 Grad Celsius. Wissenschaftler betonen, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel heiße und trockene Bedingungen wahrscheinlicher macht, unter denen sich Feuer schneller ausbreiten und länger brennen. EU-Kommissarin Hadja Lahbib sprach vom „Klima-Umbruch“, der den Kontinent erfasse.
„Noch nie hat die Waldbrandsaison so früh im Jahr begonnen und so nördliche Breiten erreicht“, sagte Lahbib.
Der deutsche Waldbrandexperte Ulrich Cimolino sieht Deutschland nur bedingt auf größere Vegetationsbrände vorbereitet. Eine Stärke sei das flächendeckende Feuerwehrsystem, mit dem sich viele Feuer klein halten ließen. Schwierig werde es aber bei dynamischen Lagen: Komme Wind als treibender Faktor hinzu, könnten Brände schnell eskalieren. Für Einsätze auf munitionsbelasteten Flächen wie im Hürtgenwald brauche es zudem mehr geschützte, gepanzerte Fahrzeuge – denn: „Die Munition wird nicht besser, wenn sie älter wird.“































