Zweimal im Jahr blicken die Kulturredaktionen zurück und ordnen ein, was bislang geblieben ist – zur Halbzeit ebenso wie zum Jahresende. Solche Bestenlisten sind mehr als reine Empfehlungen: Sie zeichnen nach, wohin sich ganze Branchen bewegen. Nun, da 2026 die Hälfte hinter sich hat, fällt das Fazit gespalten aus. Während die Popmusik ein besonders aktives Jahr mit zahlreichen prominenten Rückkehrern erlebt, kämpft die Videospielindustrie mit einem schwierigen Umfeld. Die Magazine Vogue und GQ haben ihre bisherigen Favoriten benannt.
- Charli xcx veröffentlichte 2026 gleich zwei Alben – das düstere Wuthering Heights und den Rock-Schwenk Music, Fashion, Film.
- BTS meldeten sich mit Arirang zurück, ihrem ersten Album nach dem abgeleisteten Militärdienst.
- Die Games-Branche leidet laut GQ unter gestiegenen Konsolenpreisen, Entlassungen und Studioschließungen.
Ein Popjahr der großen Rückkehrer
Für die Popstars war die erste Jahreshälfte ungewöhnlich produktiv. Charli xcx legte doppelt vor: Auf das grüblerische, düstere Wuthering Heights folgte mit Music, Fashion, Film ein Schwenk in Richtung Rock, angekündigt durch die Single „Rock Music“ und entstanden gemeinsam mit Finn Keane und AG Cook. Harry Styles ließ auf dem tanzbaren Kiss All the Time, Disco Occasionally seine Vorliebe für Dancefloor-Sounds durchscheinen, während Olivia Rodrigo auf you seem pretty sad for a girl so in love den Verlauf einer zum Scheitern verurteilten Beziehung nachzeichnete – laut Vogue ihr reifstes Werk.
Zu den mit Spannung erwarteten Comebacks zählte auch das Album Lost Weekend von Phoebe Bridgers sowie Madonnas lang ersehnte Fortsetzung von Confessions. Daneben rückten neue Namen ins Rampenlicht: Slayyyter mit WOR$T GIRL IN AMERICA, das Dance-Projekt Fcukers, das mit Ö einen Vorband-Slot auf Styles’ Tour ergatterte, sowie das Synth-Pop-Duo Haute & Freddy mit Big Disgrace.
Besonders hoben die Redakteurinnen die Rückkehr von BTS hervor: Arirang ist das zehnte Studioalbum der südkoreanischen Gruppe und ihr erstes, seit alle sieben Mitglieder ihren obligatorischen Militärdienst abgeleistet haben.
Statt an die radiotauglichen Pop-Hits ihrer Vor-Pausen-Zeit anzuknüpfen, besinne sich die Band auf Arirang auf ihre Rap- und Hip-Hop-Wurzeln, so Vogue. Tracks wie „Body to Body“, „Like Animals“ und „Normal“ zeigten die Gruppe zugleich kantig und verspielt. Für elektronische Klänge sorgte unterdessen Arca mit XXXXX, das ohne Vorab-Singles erschien und die Künstlerin zu ihren experimentellen Wurzeln zurückführt.
Die Games-Branche steht laut GQ unter Druck
Ganz anders liest sich die Bilanz bei den Videospielen. GQ beschreibt 2026 als „seltsames, angespanntes“ Jahr für die Branche. Der Druck durch die KI-Industrie und die Zölle der Trump-Regierung habe die Komponentenpreise so stark steigen lassen, dass Spielkonsolen teurer statt günstiger wurden. Microsoft kündigte Entlassungen und Studioschließungen an, Sony will physische Veröffentlichungen künftig ganz einstellen.
Nintendo habe mit der im Vorjahr gestarteten Switch 2 zwar die meistverkaufte Konsole aller Zeiten auf den Markt gebracht, den Vorsprung mit einem dünnen Aufgebot eigener Spiele aber weitgehend verspielt. Als eines der größten Spiele überhaupt erwartet die Branche zudem Grand Theft Auto VI, das im November erscheinen soll.
Trotz Krise überzeugende Spiele
Dass mehrere der empfohlenen Titel von Studios stammen, die bereits Entlassungen erlebten oder ganz geschlossen wurden, macht die Auswahl für GQ zu einer bitteren Angelegenheit. Der Sci-Fi-Horror-Shooter Luna Abyss etwa, Debüt des britischen Entwicklers Bonsai Collective, überzeugte mit einer an H. R. Giger erinnernden Bildwelt – wenige Wochen nach Erscheinen wurde das gesamte Team entlassen.
Zu den weiteren Höhepunkten zählen Life is Strange: Reunion, das die Beziehung der Figuren Max Caulfield und Chloe Price ins Zentrum rückt, das erzählerische Indie Mixtape rund um die Teenagerin Stacey Rockford, ein neues Lego Batman, das im April erschienene Pragmata mit dem Astronauten Hugh und dem Androiden Diana sowie das Coming-of-Age-Spiel Perfect Tides: Station to Station von Merideth Gran.
Welches Album oder welches Spiel hat für Sie die erste Hälfte von 2026 geprägt – und fehlt Ihnen in diesen Listen ein Titel? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.































