„Diese Änderung erlaubt es dem Dienst, das beste Erlebnis für seine Zuschauer zu schaffen, wettbewerbsfähig am Markt zu bleiben und einzigartige Inhalte über alle Genres hinweg zu liefern.“ Mit diesen Worten begründet Peacock auf seiner Support-Seite die nächste Preiserhöhung – die vierte innerhalb von vier Jahren. Der Streamingdienst des US-Konzerns NBCUniversal hebt die Gebühren für sämtliche Tarife an, für Neu- und wiederkehrende Kunden bereits ab dem 18. August, für bestehende Abonnenten mit der nächsten Abrechnung am oder nach dem 17. September. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Der Dienst hatte kurz zuvor sein erstes profitables Quartal gemeldet.
- Das werbefreie Premium-Plus-Abo steigt von 16,99 auf 19,99 US-Dollar (rund 17 Euro) pro Monat.
- Das werbefinanzierte Premium-Abo klettert von 10,99 auf 12,99 US-Dollar, der Select-Tarif von 7,99 auf 8,99 US-Dollar.
- Es ist die vierte Preiserhöhung von Peacock in vier Jahren – zuletzt hatte der Dienst im Juli 2025 aufgeschlagen.
Am stärksten trifft es Nutzer des werbefreien Angebots: Premium Plus verteuert sich um drei Dollar auf 19,99 US-Dollar im Monat – genau so viel, wie das werbefreie Standard-Abo von Netflix kostet. Der günstigste Select-Tarif, der nur ausgewählte Staffeln von NBC- und Bravo-Serien enthält und auf Filme, Live-Sport und Peacock-Originals verzichtet, steigt um einen Dollar auf 8,99 US-Dollar. Die Änderung betrifft auch die Jahresabos.
Ein Analyst warnt vor der Gratis-Falle der Branche
Peacock steht mit seiner Preispolitik nicht allein da. Praktisch jeder große Streamingdienst hat in den vergangenen zwei Jahren die Gebühren erhöht, darunter Netflix, HBO Max, Apple TV, Paramount+ und YouTube Premium. Branchenbeobachter sehen darin einen anhaltenden Trend, den sie „Stream-flation“ nennen.
Die Anbieter reagieren zunehmend mit werbefinanzierten und kostenlosen Angeboten, um preisbewusste Zuschauer zu halten. Doch genau darin liegt ein Dilemma, wie Medienanalyst Paolo Pescatore von PP Foresight mit Blick auf die Gratis-Stufen der Dienste erklärt: „Gibt man zu wenig her, engagieren sich die Verbraucher nicht. Gibt man zu viel her, riskiert das Unternehmen, genau das Abomodell zu untergraben, das es eigentlich stützen will.“
Werbefreies Streaming summiert sich auf über 137 Dollar im Monat
Für Verbraucher wird das Rechenexempel immer teurer. Wer die werbefreien Versionen von Netflix, Disney+, Hulu, HBO Max, Peacock, Paramount+, Apple TV und Amazon Prime Video einzeln bucht, zahlt zusammen mehr als 137 US-Dollar pro Monat (rund 118 Euro). Über Bundles lässt sich der Betrag auf gut 100 US-Dollar drücken. Wer auf werbefinanzierte Varianten ausweicht, kommt à la carte auf etwa 75 US-Dollar, mit Paketen auf knapp unter 60.
Die steigenden Preise verändern das Verhalten der Zuschauer spürbar: Laut dem Juni-Bericht des Abodaten-Anbieters Antenna sind inzwischen 48 Prozent aller Premium-Streaming-Abos werbefinanziert, gegenüber 39 Prozent im ersten Quartal 2024.
Antenna zufolge entfielen zudem 59 Prozent der Neuabschlüsse auf werbeunterstützte Tarife – ein Niveau, das den vergangenen zwei Jahren entspricht. Ein Warnsignal für die Anbieter: Im ersten Quartal übertrafen die Kündigungen werbefreier Abos die Neuanmeldungen. Parallel gewinnen kostenlose Dienste an Boden. Führende Gratis-Angebote wie YouTube, Tubi und The Roku Channel kamen laut Nielsen im Mai auf 19,1 Prozent der Sehdauer an US-Fernsehern, nach 17,2 Prozent im Vorjahresmonat. Konzerne wie Disney, Paramount Skydance und Netflix loten daher eigene kostenlose Angebote aus.
Preiserhöhung trotz erstmals schwarzer Zahlen
Für NBCUniversal fällt die Erhöhung in eine Phase des Umbruchs. Der 2020 gestartete Dienst schrieb nach Jahren des Abbaus von Anlaufverlusten erstmals ein profitables Quartal. Zum Ende des zweiten Quartals zählte Peacock 48 Millionen zahlende Abonnenten – nach 46 Millionen im Vorquartal und 41 Millionen ein Jahr zuvor. Der Konzern warnte allerdings, dass Gewinn oder Verlust von Quartal zu Quartal schwanken dürften, abhängig etwa vom Zeitplan der Sportübertragungen.
Zum Angebot gehören Sport- und Live-Events wie Sunday Night Football, NBA, WNBA, Premier League sowie College Football und Basketball. Bei Serienfans punktet Peacock vor allem mit Reality-Formaten aus dem Bravo-Universum sowie Titeln wie „The Traitors“ und „Love Island USA“. Neue Funktionen wie Hochkant-Videos für NBA-Streams, ein „Bravoverse“-Feed und Mobile Games sollen Kunden bei der Stange halten; zudem soll der Dienst künftig in ein YouTube-Premium-Abo eingebunden werden. Sowohl Peacock als auch NBCUniversal bereiten im kommenden Jahr die Abspaltung von Comcast vor.
Wie viel ist Ihnen werbefreies Streaming noch wert – und würden Sie für einen Dienst wie Peacock in den Werbetarif wechseln, um zu sparen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare.































