FIFA-Boss Gianni Infantino hat seine milliardenschweren Pläne begraben, private Investoren an der Weltmeisterschaft zu beteiligen. Nach weltweitem Aufruhr stoppte der 56-jährige Schweizer das Vorhaben, einen Anteil am Turnier an Geldgeber zu verkaufen. Das Scheitern trifft ihn zur Unzeit: Beim 77. FIFA-Kongress im März kommenden Jahres im marokkanischen Rabat will sich Infantino ein weiteres und nach eigenem Verständnis letztes Mal für vier Jahre wählen lassen. Noch vor wenigen Wochen galt es als nahezu undenkbar, dass er auf dem Weg zu einer neuen Amtszeit straucheln könnte. Diese Gewissheit ist ins Wanken geraten.
- Infantino zog seine Pläne zurück, einen Anteil an der WM an private Investoren zu verkaufen.
- Der 77. FIFA-Kongress wählt im März im marokkanischen Rabat den Präsidenten.
- Bewerbungen für die Wahl können bis zum 18. November eingereicht werden.
Der Rückzug erfolgte nach heftiger Kritik aus dem Fußball. Gleich mehrere Kontinentalverbände hatten sich gegen die Investorenidee gestellt. Damit steht Infantino nun deutlich exponierter da als zu Beginn seiner bisherigen Amtszeiten.
Warum das Aus für die Investorenpläne den Machtkampf befeuert
Das gescheiterte Vorhaben ist mehr als eine unternehmerische Fehlkalkulation. Es hat gezeigt, dass sich innerhalb der Fußballwelt Widerstand gegen Infantino organisieren lässt – und dass er sich verrechnet hat. Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen für die Wahl zum FIFA-Präsidenten einreichen. Für Infantino bedeutet das: Erstmals seit Langem ist ein ernsthafter Gegenkandidat kein reines Gedankenspiel mehr.
Noch vor wenigen Wochen wäre eine Kampfkandidatur gegen Infantino als aussichtslos abgetan worden – nun wird offen über mögliche Herausforderer diskutiert.
Diese fünf Männer könnten Infantino gefährlich werden
Aleksander Ceferin (58): Der UEFA-Präsident und frühere Karate-Kämpfer aus Slowenien gibt sich gerne als Gegenentwurf zu Infantino, hat die Vermarktung beim europäischen Verband aber selbst vehement vorangetrieben. Der Rechtsanwalt, der 2027 nicht mehr als UEFA-Boss kandidieren will, organisierte den europäischen Protest gegen den FIFA-Chef. Jede Organisation brauche nach einer gewissen Zeit „frisches Blut“, sagte er Anfang 2024.
Nasser Al-Khelaifi (52): Der Vorsitzende der mächtigen Klubvereinigung European Football Clubs (EFC, früher ECA) und Präsident von Paris Saint-Germain ließ mitteilen, kein Interesse am FIFA-Chefposten zu haben. Ausschließen lässt sich eine Kandidatur damit nicht: Der beIN-Vorstand bleibt Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und gilt als Vertrauter Ceferins.
Mattias Grafström (45): Der gebürtige Schweizer wurde 2024 offiziell FIFA-Generalsekretär als Nachfolger der Senegalesin Fatma Samoura. Grafström gilt eigentlich als enger Vertrauter Infantinos – Medienberichten zufolge soll er dennoch Ambitionen auf den höchsten Posten im Weltfußball hegen.
Victor Montagliani (60): Der in Vancouver geborene Funktionär führt seit 2016 den nord- und mittelamerikanischen sowie karibischen Kontinentalverband Concacaf. Zuvor war er ab 2012 Präsident des kanadischen Verbands. Der Concacaf lehnte Infantinos Investorenpläne geschlossen ab.
Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa (60): Der Präsident des asiatischen Dachverbands AFC forderte Infantino bereits 2016 heraus und unterlag damals knapp. Der aus Bahrain stammende Funktionär, der sich mit Korruptions- und Menschenrechtsvorwürfen konfrontiert sah, wandte sich mit dem AFC ebenfalls gegen die Investorenpläne und verlangte einen „kollektiven Dialog“ sowie Respekt vor der Amtsführung.
Was der Wahltermin in Rabat für Infantino bedeutet
Der Kongress im März ist für Infantino der Moment der Wahrheit. Setzt sich der bisherige Amtsinhaber durch, würde er seine – nach eigener Darstellung – finale Amtszeit antreten. Sollte jedoch einer der Verbandschefs bis zum 18. November tatsächlich seinen Hut in den Ring werfen, stünde die FIFA erstmals seit Jahren vor einer echten Richtungsentscheidung. Für die nationalen Verbände hieße das: Sie müssten sich zwischen Kontinuität und einem Kurswechsel an der Spitze des Weltfußballs entscheiden.
Trauen Sie Infantino trotz des Debakels um die Investorenpläne eine weitere Amtszeit zu – oder ist es Zeit für einen Wechsel an der FIFA-Spitze? Schreiben Sie uns Ihre Einschätzung.































