Das Klimaphänomen El Niño beschreibt eine periodische Erwärmung der Oberflächentemperaturen im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik. Diese Erwärmung verändert Winde, Luftdruck und Niederschlagsmuster weltweit und lässt die globalen Durchschnittstemperaturen steigen. Für das mittelamerikanische Honduras hat dieses Wetterphänomen nun dramatische Folgen: Am Mittwoch stellte die honduranische Regierung 80 Prozent des Landes, einschließlich der Hauptstadt, unter Dürre-Alarm. Der aktuelle El-Niño-Zyklus gilt Prognosen zufolge als einer der stärksten, die je gemessen wurden – und trocknet Ernten aus, während Nutztiere verdursten.
- 234 von insgesamt 298 Gemeinden in Honduras stehen unter Dürrewarnung.
- 75 Gebiete, darunter die Hauptstadt Tegucigalpa mit 1,7 Millionen Einwohnern, gelten als höchste Risikostufe (rote Warnstufe).
- Die Krise soll laut Regierung bis März oder April kommenden Jahres andauern.
Die angeordneten Maßnahmen betreffen jene Gemeinden, die unter niedrigen Wasserständen in Stauseen, Ernteausfällen und dem Verenden von Vieh leiden. Nach Angaben der Behörden ist dadurch die Ernährungssicherheit im Land gefährdet. An der Spitze der 75 Gebiete mit roter Warnstufe – der höchsten Gefahrenstufe – steht die Hauptstadt Tegucigalpa mit ihren 1,7 Millionen Einwohnern.
Viehzüchter berichten von einer kritischen Lage
Wie ernst die Situation vor Ort ist, schildert Francisco Euceda, ein Viehzüchter aus einer der Gemeinden mit roter Warnstufe. „Rinder sind gestorben, und die Kühe, die wir noch haben, sind mager. Die Lage ist kritisch, die Prognosen sind entmutigend“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Besonders betroffen ist der sogenannte Zentralamerikanische Trockenkorridor, ein arider Landstreifen, der sich über Teile von Honduras, El Salvador und Nicaragua erstreckt und als besonders anfällig für Extremwetterereignisse gilt.
Regierung kündigt Notmaßnahmen an
Der honduranische Präsident Nasry Asfura kündigte eine Reihe von Sofortmaßnahmen an. Dazu zählen das Bohren neuer Brunnen, der Bau zusätzlicher Stauseen sowie die Auslieferung von Lebensmitteln in die am stärksten betroffenen Gebiete. „Diese Krise wird bis März oder April des kommenden Jahres andauern“, sagte Asfura.
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schätzte zuletzt, dass Mittelamerika die vom El Niño verschärfte Hungerkrise am stärksten treffen wird.
Ein regionales und globales Phänomen
Die Auswirkungen reichen weit über Honduras hinaus. Von Mexiko bis in den Norden Brasiliens – einschließlich der Pazifikküste und des Guayana-Schildes an der Nordküste Südamerikas – erlebten rund 110 Millionen Menschen den heißesten je gemessenen Juli. El Salvador, Nicaragua und Honduras brachen sowohl im Juni als auch im Juli ihre monatlichen Temperaturrekorde, was die Sorge vor einer Hungersnot verschärft.
UN-Generalsekretär António Guterres warnte im Vormonat, El Niño gieße „Öl ins Feuer eines Planeten, der bereits brennt“, und treibe die Welt in „unbekanntes Terrain“. Auch andere Länder der Region ergreifen Maßnahmen: Peru rief in der Vorwoche in einem Drittel seiner Städte den Notstand aus und verwies auf mögliche Schäden für die Nahrungsmittelproduktion durch intensive Hitze und Regen. In Indonesien wiederum wird El Niño für eine sich verschärfende Dürre verantwortlich gemacht, die eine der schlimmsten Waldbrandsaisons seit Jahren angeheizt hat.
Für europäische Leserinnen und Leser bedeutet das: Ein regionales Klimaereignis in Mittelamerika ist Teil eines globalen Musters, das sich auf die weltweite Nahrungsmittelversorgung auswirken kann. Ernteausfälle in stark betroffenen Regionen können über internationale Lieferketten und Rohstoffpreise letztlich auch die Märkte weit entfernter Länder berühren.
Wie sollten wohlhabende Länder auf El-Niño-bedingte Hungerkrisen reagieren – mit Nothilfe, langfristigen Investitionen oder Klimaschutz? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































