Die FIFA treibt eine erneute Vergrößerung der Fußball-Weltmeisterschaft voran. Wie mehrere Medien – darunter der „Guardian“, ESPN, Sky News und die Nachrichtenagentur Reuters – unter Berufung auf Dokumente des Weltverbandes berichten, prüft die FIFA eine Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 48 auf 64 Mannschaften. Betroffen wäre die WM 2030, die ihr 100-jähriges Jubiläum feiert und gemeinsam von Marokko, Portugal und Spanien ausgerichtet wird. Der Vorstoß fällt in eine ohnehin angespannte Phase: Parallel sieht sich der Verband um Präsident Gianni Infantino harscher Kritik an seinen Investorenplänen ausgesetzt.
- Die FIFA lässt untersuchen, ob die WM 2030 mit 64 statt 48 Teams stattfinden soll.
- Bis zum 14. August soll ein unabhängiges Unternehmen ausgewählt werden, das die Analyse binnen vier Wochen bis zum 11. September liefert.
- UEFA, CONCACAF und der asiatische Verband AFC haben sich bereits gegen die Erweiterung ausgesprochen.
Infantino entfachte die Debatte während der WM 2026
Angestoßen wurde die Diskussion bereits während der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Dieses Turnier war das erste, das mit 48 statt 32 Mannschaften ausgetragen wurde – mit 104 Spielen über mehr als fünf Wochen. Der 56-jährige Infantino erklärte damals, man solle „auf jeden Fall“ nach dem Turnier über eine weitere Vergrößerung nachdenken. Die ganze Welt müsse von der WM träumen dürfen, „nicht nur Europa und Südamerika“.
Rückendeckung kommt aus Südamerika: Der Präsident des Kontinentalverbandes CONMEBOL, Alejandro Domínguez, unterstützt die Idee. Bereits im vergangenen Jahr hatte CONMEBOL offiziell vorgeschlagen, die Jubiläums-WM mit 64 Teams auszurichten, um mehr Ländern die Teilnahme an den Feierlichkeiten zu ermöglichen.
Was die Analyse untersuchen soll
Laut den Dokumenten will die FIFA ein unabhängiges Unternehmen mit einer Folgenabschätzung beauftragen. Untersucht werden sollen die Auswirkungen auf den Wettbewerb, die sportliche Ausgeglichenheit, die Qualifikation, das Wohl der Spieler sowie den internationalen Spielkalender. Zugleich soll das Gutachten die möglichen Einnahmen aus Ticketverkäufen, Sponsoring und Medienrechten schätzen. „Die endgültige Empfehlung sollte nicht nur zeigen, ob ein Turnier mit 64 Teams zusätzlichen Wert schaffen kann, sondern auch, ob dieser Wert nachhaltig ist“, heißt es in dem Papier.
Sollte das Feld erneut vergrößert werden, würde sich die WM binnen nur acht Jahren von 32 auf 64 Teams verdoppeln – die Zahl der Partien stiege von 104 auf 128.
Beim jüngsten Turnier erzielte der Weltverband nach eigenen Angaben bereits die Rekordsumme von 15 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) an Umsatz. Für Kritiker ist genau das ein Problem: Sie befürchten, dass wirtschaftliche Interessen – auch durch den geplanten Investoreneinstieg – die sportliche Substanz des Turniers verwässern könnten. Der Weltverband plant, über die Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) einen Teil der kommerziellen Rechte an externe Investoren zu verkaufen und so eine Milliardensumme einzuspielen.
Mehrere Verbände stellen sich quer
Der Widerstand ist erheblich. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bezeichnete eine Aufstockung auf 64 Teams bereits im vergangenen Jahr als keine gute Idee; an dieser Haltung hat sich nichts geändert. Auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Verband AFC unter Präsident Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa lehnen die Pläne ab. Als Reaktion auf die Investorenpläne droht die UEFA sogar mit einem Boykott aller vom Weltverband ausgerichteten Turniere.
Enger Zeitplan und ein Rekord-Turnier
Die Entscheidung über die Auswahl des Beratungsunternehmens soll am 14. August fallen. Danach bleiben lediglich vier Wochen Zeit: Bis zum 11. September soll die Analyse vorliegen, anschließend könnte eine Entscheidung zeitnah folgen. Die WM 2030 ist derzeit vom 8. Juni bis zum 21. Juli geplant und wäre mit 44 Tagen bereits jetzt die längste Endrunde der WM-Geschichte. Je ein Auftaktspiel ist zu Ehren des Jubiläums in Uruguay (Montevideo), dem Gastgeber der ersten WM 1930, sowie in Argentinien (Buenos Aires) und Paraguay (Asunción) vorgesehen, bevor der Großteil des Turniers in Spanien, Portugal und Marokko stattfindet.
Würde eine WM mit 64 Teams das Turnier bereichern oder verwässern? Teilen Sie Ihre Meinung zu Infantinos XXXL-Plänen in den Kommentaren.































