Der US-Telekommunikationskonzern Comcast verwandelt Millionen bereits in Kundenhaushalten installierte Router in Bewegungsmelder. Ein Update der Xfinity-Internet-App, das am 18. August ausgerollt wird, schaltet die Funktion auf kompatiblen Xfinity-Routern ohne Zusatzkosten frei. Angeboten wird sie im Rahmen der neuen Sicherheitsplattform Xfinity Shield, die laut Comcast Heim-, Familien- und Cybersicherheit in einer einzigen App bündelt. Die „WiFi Motion“ genannte Funktion erkennt Bewegungen im Haus, indem sie Störungen im Funksignal zwischen dem Xfinity-Gateway und verbundenen Geräten auswertet. Nutzer erhalten bei unerwarteten Veränderungen sofort eine Benachrichtigung über die App.
- Comcast aktiviert per App-Update am 18. August kostenlos WLAN-Bewegungserkennung auf Xfinity-Routern.
- Die Funktion ist optional (Opt-in) und benötigt ein fortgeschrittenes Gateway ab Modell XB7.
- Ein kostenpflichtiges Paket namens Shield Select mit Kamera und Sensor kostet 15 US-Dollar pro Monat.
So funktioniert die Bewegungserkennung ohne zusätzliche Hardware
Die Technik nutzt das ohnehin vorhandene WLAN-Netz: Bewegt sich jemand durch die Wohnung, verändert das die Funkverbindung zwischen Router und Endgeräten. Comcast betont, dass dabei „eine zusätzliche Ebene der Wahrnehmung ohne Videoaufzeichnung, Bildaufnahme oder Identifizierung von Personen“ entstehe. Nach Angaben des Unternehmens hat ein typischer Xfinity-Kunde 36 Geräte mit dem WLAN verbunden – je mehr Geräte, desto dichter das Sensornetz. Die Funktion setzt ein fortgeschrittenes Gateway ab dem Modell XB7 voraus und lässt sich in der App ein- und ausschalten.
Passend dazu bietet die App drei Modi: Home Watch für die Anwesenheit, Away Watch für Abwesenheit und Dark Watch als Nacht- beziehungsweise Schlafmodus. So lässt sich die Überwachung an den Tagesablauf anpassen.
Was Xfinity Shield sonst noch umfasst
Neben der Bewegungserkennung enthält das kostenlose Angebot eine Cybersicherheitsfunktion, die verbundene Geräte vor Schadsoftware, Phishing und anderen Online-Bedrohungen schützen soll. Hinzu kommen erweiterte Kindersicherungen: Über Familienprofile lassen sich Geräte einzelnen Haushaltsmitgliedern zuordnen sowie Bildschirmzeiten und Gerätelimits verwalten.
Wer mehr will, kann zum kostenpflichtigen Paket Shield Select greifen. Für 15 US-Dollar pro Monat (rund 14 Euro) gibt es eine Innenraumkamera, einen Tür- oder Fenstersensor, Cloud-Speicher für Videos sowie einen rund um die Uhr verfügbaren Notfalldienst, der per Knopfdruck Hilfe organisiert. Die KI-gestützten Kameras können dabei zwischen Personen, Haustieren, Paketen und Fahrzeugen unterscheiden.
Eine alte Idee, die erst jetzt zuverlässig funktioniert
WLAN-Bewegungserkennung ist keine neue Idee, setzte sich bislang aber kaum durch. Linksys startete 2021 einen ähnlichen Dienst und stellte ihn wenige Jahre später wieder ein. Die Beleuchtungsmarke Wiz brachte 2023 WLAN-erkennende Smart-Bulbs auf den Markt, und Philips Hue nutzt inzwischen eine vergleichbare funkbasierte Technik – allerdings auf Basis von Zigbee statt WLAN.
Comcast zufolge ist die Technik erst kürzlich genau und zuverlässig genug geworden, um sich durchzusetzen. „Wir haben die vergangenen drei Jahre daran gearbeitet, die Algorithmen für WiFi Motion weiterzuentwickeln und einige Unregelmäßigkeiten der frühen Versionen zu beseitigen“, sagte Kohposh Kuda, SVP für Consumer-Produkte bei Xfinity, gegenüber The Verge. Man sei nun so weit, dass Kunden die Funktion zur Bewegungserkennung und für ein grundlegendes Maß an Sicherheit nutzen könnten.
Was das für Nutzer bedeutet
Als Ersatz für klassische Alarmanlagen mit Kameras und physischen Bewegungsmeldern versteht Comcast die Technik ausdrücklich noch nicht. Für den durchschnittlichen Haushalt biete sie aber ein ausreichendes Maß an Schutz, so Kuda.
Da die Funktion ohne zusätzliche Hardware und ohne Video auskommt, senkt sie die Einstiegshürde für eine einfache Heimüberwachung deutlich – gleichzeitig macht sie sichtbar, wie genau ein WLAN-Netz die Vorgänge in den eigenen vier Wänden erfassen kann.
Die möglichen Einsatzfelder reichen über die reine Sicherheit hinaus, etwa hin zur Unterstützung älterer Menschen, die länger selbstständig zu Hause leben wollen. Mehrere Anbieter arbeiten an solchen Lösungen; so übernahm ADT kürzlich Origin Wireless, einen der Pioniere der WLAN-Bewegungserkennung. Auch Comcast plant Größeres: Die Technik sei „die Grundlage für fortgeschrittenere Anwendungsfälle“, sagt Kuda. Xfinity Shield ist ab sofort für Kunden verfügbar, weitere Funktionen sollen im kommenden Jahr folgen.
Für deutschsprachige Leser ist der Dienst zunächst vor allem ein Ausblick: Xfinity ist eine Marke des US-Anbieters Comcast und hierzulande nicht verfügbar. Die zugrunde liegende Technik – der eigene Router als unsichtbarer Bewegungssensor – dürfte aber auch bei europäischen Anbietern und Smart-Home-Herstellern zunehmend zum Thema werden.
Würden Sie zulassen, dass Ihr Router jede Bewegung in der Wohnung registriert – oder überwiegen für Sie die Datenschutzbedenken? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.































