Waymo, die zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehörende Firma für autonomes Fahren, betreibt in mehreren US-Städten eine Flotte fahrerloser Robotaxis. Für die nächste Generation dieser selbstfahrenden Taxis brauchte das Unternehmen ein passendes Fahrzeug – und entschied sich gegen die amerikanischen Autobauer. Stattdessen schloss Waymo einen Vertrag mit dem chinesischen Hersteller Zeekr über einen eigens entwickelten Elektro-Van. Genau diese Entscheidung sorgt nun für eine kuriose Situation: Waymo lässt tausende in China gebaute Vans in die USA verschiffen und zahlt dafür Strafzölle in dreistelliger Prozenthöhe.
- Seit 2024 wurden laut Forbes mehr als 3.200 Zeekr-Vans in die USA importiert, davon über 2.600 allein in diesem Jahr.
- Die US-Zölle auf chinesische E-Autos liegen bei 127,5 Prozent, wodurch jeder Van vor dem Einbau der Technik rund 86.500 Dollar kostet.
- Mehr als 100 der Vans sind bereits im Einsatz, unter anderem in Los Angeles und San Francisco.
In China ist das kompakte Elektromodell als CM1e bekannt, bei Waymo trägt es den Namen Ojai. Der Vertrag mit Zeekr wurde geschlossen, lange bevor die Trump-Regierung ihre umfassenden Zölle auf chinesische Waren einführte. Damit stand eine naheliegende Frage im Raum: Könnte Waymo die Zeekr-Fahrzeuge überhaupt weiter importieren?
Waymo lässt sich von den Zöllen nicht aufhalten
Die Antwort liefert der Blick auf die Importzahlen. Nach Angaben von Forbes gelangten seit 2024 mehr als 3.200 Zeekr-Vans in die USA, allein in diesem Jahr über 2.600 Exemplare. Das ist bemerkenswert, weil die US-Behörden praktisch jede große chinesische Marke aus den amerikanischen Autohäusern heraushalten – wer in den USA lebt und einen chinesischen Stromer kaufen möchte, geht leer aus.
Warum sich die teure Rechnung für Waymo lohnt
In den US-Importerklärungen wird der Wert des Ojai mit rund 38.000 Dollar (etwa 35.000 Euro) angegeben – nahe am chinesischen Listenpreis des CM1e von 39.000 Dollar. Forbes beziffert die US-Zölle auf chinesische E-Autos auf 127,5 Prozent. Das bedeutet: Der Van mit einem Wert von 38.000 Dollar schlägt bereits mit rund 86.500 Dollar (etwa 80.000 Euro) zu Buche, bevor überhaupt ein einziger Sensor montiert ist.
Rechnet man Waymos sogenanntes Gen-6-Paket aus Hardware und Software mit rund 25.000 Dollar (etwa 23.000 Euro) pro Fahrzeug hinzu, klettert der Gesamtpreis pro Ojai deutlich über 100.000 Dollar (etwa 92.000 Euro).
Trotz dieser Summe hat Waymo offenbar nachgerechnet und entschieden, dass sich der Zeekr Ojai finanziell weiter lohnt.
Der Grund liegt im Vergleich mit dem bisherigen Flottenfahrzeug: Jeder Jaguar I-Pace in Waymos Robotaxi-Flotte kostet das Unternehmen schätzungsweise über 200.000 Dollar (etwa 185.000 Euro). Der Zeekr ist damit deutlich günstiger – und bietet zugleich eine geräumigere Kabine, die sich besser für den Transport von Fahrgästen eignet.
Was das für die Wirtschaftlichkeit autonomer Flotten bedeutet, ist bemerkenswert: Selbst mit einem Zollaufschlag, der den Fahrzeugpreis mehr als verdoppelt, bleibt der chinesische Van die günstigere Option. Das zeigt, wie stark die Kosten der Ausgangsfahrzeuge das Geschäftsmodell von Robotaxi-Anbietern prägen.
Wie viele Vans wirklich fahren, bleibt offen
Nach eigenen Angaben hat Waymo bereits „mehr als 100″ der von Zeekr gebauten Vans im Einsatz, unter anderem in Los Angeles und San Francisco. Wie viele der über 3.200 importierten Exemplare derzeit getestet werden, auf einem Abstellplatz stehen oder auf ihren Einsatz warten, ist allerdings nicht bekannt.
Ist es cleveres Kalkül oder ein fragwürdiger Umweg, dass Waymo hohe US-Strafzölle in Kauf nimmt, um chinesische E-Vans einzusetzen? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































