Jaguar Land Rover (JLR) will künftig Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten fertigen lassen – und tut das nicht allein. Wie Finanzchef Richard Molyneux während der Bilanzvorlage des Unternehmens am 13. August bestätigte, plant der britische Hersteller gemeinsam mit dem Konzern Stellantis neue, eigens für den US-Markt entwickelte Modelle unter dem Namen Defender. Gebaut werden sollen sie in bestehenden Stellantis-Werken in den USA. Die beiden Autobauer hatten bereits im Mai eine Vereinbarung zur Prüfung des Vorhabens unterzeichnet; eine Absichtserklärung wird noch vor Jahresende erwartet.
- JLR und Stellantis planen neue, US-spezifische Defender-Modelle aus amerikanischer Produktion.
- Eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) soll noch vor Jahresende folgen.
- Zölle und das Wechselkursrisiko zwischen Dollar und Pfund treiben die Strategie an.
Molyneux nennt die kleine Stückzahl als Kern des Problems
Im Zentrum der Begründung steht ein Rechenexempel des Finanzchefs. Für JLR lohne es sich schlicht nicht, das aktuelle Modellprogramm in Nordamerika zu bauen. „Bei unserer Größenordnung ergibt es keinen Sinn, die Produktion bestehender Fahrzeuge nach Nordamerika zu verlagern“, sagte Molyneux. „Wir verkaufen jährlich rund 30.000 Defender in den USA. Wir können niemals effizient bei 30.000 Einheiten lokalisieren, nicht einmal bei 50.000 Einheiten.“
Die Antwort darauf soll deshalb nicht die Verlagerung bekannter Modelle sein, sondern der Einstieg in Segmente, die die Marke bislang nicht besetzt. Diese neuen Fahrzeuge sollen unter dem Defender-Namen und in Partnerschaft mit Stellantis entstehen. Welche Segmente das konkret sind, will JLR nicht sagen.
Warum ein Defender auf Jeep-Technik naheliegt
Naheliegend wäre ein klassischerer Geländewagen mit Leiterrahmen, technisch von Stellantis unterstützt. Ein solches Modell, das seine Basis etwa mit dem Jeep Wrangler teilen könnte, würde JLR einen glaubwürdigen Einstieg unterhalb des heutigen Defender verschaffen – der im Programm bleibt – und die Marke gegen Wettbewerber wie den Wrangler und den Ford Bronco positionieren.
Zum Verständnis: Beim sogenannten Body-on-Frame-Prinzip sitzt die Karosserie auf einem separaten Leiterrahmen. Diese Bauweise gilt als robust und geländetauglich und ist typisch für klassische Offroader. Eine gemeinsame technische Basis mehrerer Marken senkt zudem die Entwicklungs- und Fertigungskosten – ein wesentlicher Grund, warum solche Kooperationen in der Autoindustrie üblich sind.
Zölle und Wechselkurse als eigentlicher Antrieb
Der wirtschaftliche Hintergrund ist erheblich. Bislang gelangt jedes Fahrzeug, das JLR in den USA verkauft, aus dem Ausland dorthin – auch der in der Slowakei gebaute Defender. Auf im Vereinigten Königreich gefertigte Fahrzeuge fallen laut den Angaben zehn Prozent Zoll an, auf aus der EU verschiffte 15 Prozent. Eine Fertigung vor Ort würde diese Belastung vermeiden und zugleich die Abhängigkeit von Kursschwankungen zwischen US-Dollar und britischem Pfund verringern.
Das ist für JLR mehr als eine Randnotiz: Nordamerika ist bereits der größte Markt des Konzerns.
Auf die Region entfielen im Geschäftsjahr bis zum 31. März knapp 100.000 Verkäufe und damit 28 Prozent des weltweiten Absatzes. Im Quartal bis zum 30. Juni stieg der Anteil auf 34 Prozent, während China sich in die Gegenrichtung bewegte. Nach eigenen Angaben erzielt JLR in den USA seine höchsten Gewinne – und will das dortige Geschäft so weit ausbauen, dass es die heutige Gesamtgröße des Unternehmens erreicht.
Was das für Kundinnen und Kunden bedeutet, lässt sich aus den Plänen ableiten: Ein in den USA gebauter, günstigerer Defender würde das Angebot der Marke nach unten erweitern. Für den europäischen Markt ist bislang keine Aussage getroffen; die neuen Modelle sind ausdrücklich auf die USA zugeschnitten. Ob und wann sie tatsächlich anlaufen, hängt an der noch ausstehenden Absichtserklärung.
Würde ein preiswerterer Defender auf Jeep-Technik die Marke stärken – oder ihren Ruf verwässern? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































