Wetter entscheidet mit über Reiseziel, Zeitpunkt und Aktivitäten – das legt eine neue australische Untersuchung nahe. Nach Einschätzung des Forschungsteams um Kerstin K. Zander handelt es sich um die erste Studie, die belegt, wie stark das sich rasch wandelnde Klima die Urlaubsentscheidungen der Australierinnen und Australier prägt. Grundlage ist eine landesweite Online-Umfrage unter 2.292 Personen. Das zentrale Ergebnis: Ein Fünftel der Befragten hatte den jüngsten Urlaub wegen des Wetters verändert. Besonders im Blick hatten die Autorinnen und Autoren dabei die Hitze. Veröffentlicht wurde die Arbeit im International Journal of Climatology.
- Ein Fünftel der 2.292 Befragten änderte den letzten Urlaub wegen des Wetters.
- 6 Prozent passten ihre Pläne wegen bevorstehender Hitze an, ein Drittel mied als zu heiß empfundene Ziele.
- 80 Prozent hielten trotz widriger Wetterlage an ihren ursprünglichen Reiseplänen fest.
Die Forschenden warnen vor unterschätzten Gesundheitsrisiken
Nach Darstellung des Teams stellt extreme Hitze eine dringende Gefahr für die Gesundheit dar und fordert jedes Jahr Tausende Todesopfer. Für Australien rechnen die Autorinnen und Autoren damit, dass sich die Zahl der Hitzewelle-bedingten Todesfälle in den kommenden 40 Jahren verdoppeln wird. Vor diesem Hintergrund bewerten sie es als besorgniserregend, dass gerade naturnahe Reisende ihre Pläne selbst bei ungünstigem Wetter kaum änderten – ein Befund, den sie mit Blick auf hitzebedingte Todesfälle unter Wandernden ausdrücklich als problematisch einstufen.
Auffällig ist für die Forschenden auch, dass ältere Menschen eher trotz unbeständiger Witterung verreisten. Als mögliche Gründe nennen sie bereits bezahlte Reisen, die sich schwer umbuchen lassen, fehlende Computerkenntnisse oder knappe finanzielle Mittel. Da ältere Menschen zugleich anfälliger für Hitze seien, müssten Anbieter bei Touren für Seniorinnen und Senioren besonders auf Hitzestress achten.
Hitze verändert Ziel, Zeitpunkt und Programm
Die Umfrage zeichnet ein detailliertes Bild. Sechs Prozent passten ihre Pläne wegen aufziehender Hitze an, ein Drittel entschied sich gegen als zu heiß geltende Ziele wie Dubai oder den Norden Australiens. Von jenen, die ihre Reise wetterbedingt anpassten, verschoben oder veränderten 36 Prozent die Reisedaten, 31 Prozent stimmten ihre Aktivitäten auf die Vorhersage ab – etwa mit Einkäufen in Innenräumen an schwülen Tagen. Ein Fünftel wechselte das Ziel, zehn Prozent blieben gleich ganz zu Hause. Naturkatastrophen wie Buschfeuer oder Stürme waren dabei häufig der Auslöser, gefolgt von Hitze und Regen. Zugleich hielten 80 Prozent unabhängig vom Wetter an ihren ursprünglichen Plänen fest.
Was der Befund für Reisende bedeutet
Für einen deutschsprachigen Leserkreis ist die Studie über Australien hinaus aufschlussreich. Die Ergebnisse legen nahe, dass Reisende die persönliche Gefahr durch Hitze oft erkennen, sie aber für sich selbst unterschätzen. Das Team fand, dass fast die Hälfte der Befragten schlecht auf Hitze vorbereitet war, etwa fünf Prozent gar nicht; knapp die Hälfte hatte keine Wetter-App auf dem Smartphone, die rechtzeitig warnen könnte.
Aufklärung, so die Schlussfolgerung, könne diese Lücke schließen: Wer über die Risiken extremer Hitze informiert wurde, mied anschließend hitzeanfällige Orte.
Zur Einordnung: Australiens neues nationales Warnsystem alarmiert alle Handynutzer, wenn eine Hitzewelle bevorsteht. Weil eine Hitzewelle jedoch als mindestens drei ungewöhnlich heiße Tage in Folge definiert ist, werden einzelne extrem heiße Tage nicht erfasst. Die Forschenden fordern deshalb bessere Warnsysteme, mehr Schattenplätze und Wasserstellen an großen Reisezielen sowie verpflichtende Hitzeschutz-Schulungen für Personal etwa in Nationalparks.
Haben Sie schon einmal einen Urlaub wegen zu großer Hitze verschoben oder ein Reiseziel gestrichen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren.































