Der schwedische Hersteller Koenigsegg hat mit dem CCGT1 ein neues, extrem leistungsstarkes Hypercar vorgestellt, das an ein Rennfahrzeug erinnert, das nie an den Start ging. Basis ist der Serienwagen CC850, den Koenigsegg nach eigenen Angaben in einen straßenzugelassenen Langstreckenrenner verwandelt hat. Präsentiert wurde das Auto während der Monterey Car Week, wo Hersteller traditionell ihre teuersten und seltensten Modelle zeigen. Der Twin-Turbo-V8 leistet bis zu 1.600 PS (1.193 kW), und alle 70 geplanten Exemplare waren bereits vor der öffentlichen Enthüllung vergeben.
- Der CCGT1 basiert auf dem CC850 und ist ein Tribut an das nie gestartete GT1-Projekt CCGT.
- Der Twin-Turbo-V8 leistet 1.280 PS auf Normalbenzin und bis zu 1.600 PS auf E85.
- Alle 70 Fahrzeuge waren bereits vor der Präsentation verkauft.
Das Vorbild, der ursprüngliche CCGT, entstand Mitte der 2000er-Jahre als Le-Mans-Rennwagen der GT1-Klasse. Er erreichte die Phase der Erprobung, ehe die FIA laut Koenigsegg zwei Monate nach Beginn des Shakedown-Programms die Regeln änderte und damit Wagen mit höheren Stückzahlen bevorzugte. Damit war der CCGT faktisch aus dem Wettbewerb gedrängt. Koenigsegg baute nur ein einziges Exemplar und legte das Projekt auf Eis. Der originale Wagen wurde inzwischen restauriert und ist alt genug, um in der historischen GT1-Klasse anzutreten – ein Anlass für die nun vorgestellte moderne Hommage.
Der ursprüngliche CCGT war ein anderes Kaliber: Er nutzte einen 5,0-Liter-V8 ohne Aufladung, der wegen des GT1-Reglements auf 600 PS begrenzt war, wog rund 1.000 Kilogramm und erzeugte mehr als 600 Kilogramm Abtrieb. Nach Angaben von Koenigsegg zeigte er im Test durchaus konkurrenzfähige Rundenzeiten.
Ein Auto mit zwei Gesichtern
Firmengründer Christian von Koenigsegg beschreibt den CCGT1 als Fahrzeug mit doppelter Identität. „Auf der Straße ist es ein erhabenes Megacar, das zugleich komfortabel und unglaublich fähig ist“, so von Koenigsegg. „Aber seine Wurzeln liegen im Langstreckenrennsport, und dort zeigt der CCGT1 seinen vollen Charakter.“ Der Wagen soll also gleichzeitig alltagstauglich und rennstreckenfähig sein.
Fast jedes Karosserieteil des CC850 wurde verändert; laut Koenigsegg blieben nur die Türen und das abnehmbare Dach erhalten. Das Aerodynamikpaket erzeugt nach Herstellerangaben bis zu 800 Kilogramm (1.764 lbs) Abtrieb bei 250 km/h (155 mph). Damit ordnet sich der CCGT1 beim Spitzenabtrieb zwischen den Modellen Jesko Attack und Sadair’s Spear ein. Der Heckflügel verfügt über ein aktives Element mit 30 Grad automatischer Verstellung und kann in den Modi geringer Luftwiderstand, hoher Abtrieb sowie Luftbremse arbeiten.
Bemerkenswert ist der Ansatz, den Chef-Aerodynamiker Andreas Tjernberg Persson erläutert: Der CCGT1 sei bewusst darauf ausgelegt, den Abtrieb schon bei vergleichsweise niedrigeren Geschwindigkeiten nutzbar zu machen. Für den Fahrer bedeutet das, dass sich der Effekt der Aerodynamik auch abseits der Höchstgeschwindigkeit spürbar bemerkbar machen soll.
Neue Technik von der Schaltung bis zum Karbon
Übernommen wurde das neunstufige Light Speed Transmission, das nun jedoch mit einer neuen Bedienlogik namens Koenigsegg Sequential Shift (KSS) kombiniert wird. Das Kupplungspedal dient nur zum Anfahren; danach laufen alle Gangwechsel wie bei einem sequenziellen Rennwagen ohne Kupplung ab, mit Zündunterbrechung bei jedem Schaltvorgang. Die Modi Auto, Sequential, Manual und Reverse liegen auf einem zentralen Wählrad. Wer möchte, kann den CCGT1 weiterhin mit dem gassenweise geführten Sechsgang-Schaltgetriebe des CC850 bekommen – auf Kosten einiger Zehntelsekunden auf der Strecke.
Neu ist außerdem der weiße Karbonwerkstoff „Ghost Fibre“, der laut Koenigsegg fester, leichter und leiser als herkömmliches Kohlefasermaterial sein soll. Im Innenraum kombiniert ein „Chronocluster“ der dritten Generation analoge Anzeigen für Leistung, Öldruck, Temperaturen, Drehzahl, Tempo und Ladedruck mit einem analogen G-Meter.
Erstmals bietet Koenigsegg auch ein Track-Paket ab Werk an – mit Slicks, Überrollkäfig, Rennsitzen, Air-Jacks, Feuerlöschanlage und Datenaufzeichnung.
Damit soll der CCGT1 laut Hersteller die schnellsten Rundenzeiten aller Koenigsegg-Modelle ermöglichen. Eine konkrete Zeit oder eine bestimmte Rennstrecke nennt das Unternehmen bislang jedoch nicht.
Was das für Interessenten bedeutet
Für Kaufinteressenten ist die Sache klar: Der CCGT1 ist mit 70 Exemplaren zwar deutlich weniger selten als der originale CCGT, doch verfügbar ist er praktisch nicht mehr. Nach Angaben von Koenigsegg sind alle 70 Fahrzeuge bereits vergeben. Wer keinen reserviert hat, dürfte selbst mit einem Millionenbudget kaum noch an ein Exemplar kommen. Das Fahrzeug reiht sich damit in die Praxis von Kleinstserien-Herstellern ein, deren limitierte Modelle regelmäßig schon vor der offiziellen Vorstellung ausverkauft sind.
Reizt Sie die Idee eines straßenzugelassenen Rennwagens mit bis zu 1.600 PS, oder ist ein solches Hypercar für die Straße schlicht übertrieben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.































