Google hat am Mittwoch eine umfassende Umgestaltung seiner KI-Führung angekündigt. DeepMind-Mitgründer Demis Hassabis, seit 2010 CEO der KI-Forschungseinheit, gibt seinen Posten an der operativen Spitze ab und übernimmt zwei neue Rollen: Er wird Chairman von Google DeepMind sowie Chefwissenschaftler des Mutterkonzerns Alphabet. Die Bekanntgabe erfolgte über Blogbeiträge von Konzernchef Sundar Pichai. Zeitgleich verlässt mit dem langjährigen Chefwissenschaftler Jeff Dean einer der frühesten Mitarbeiter Googles das Unternehmen. Nach Bekanntwerden der Personalien fiel die Alphabet-Aktie um rund fünf Prozent.
- Demis Hassabis wird Chairman von Google DeepMind und Chefwissenschaftler von Alphabet.
- Der bisherige CTO Koray Kavukcuoglu übernimmt das Tagesgeschäft und berichtet direkt an Sundar Pichai.
- Jeff Dean geht, um die Public Benefit Corporation Discovery Loop mitzugründen.
Wachsender Druck durch OpenAI und Anthropic bildet den Hintergrund
Der Umbau fällt in eine schwierige Phase für Googles KI-Sparte. Das nächste Flaggschiffmodell der Gemini-Reihe liegt laut den Berichten Monate hinter dem ursprünglich für Juni geplanten Start zurück, während Konkurrenten wie Anthropic und OpenAI mehrere leistungsstarke Modelle veröffentlicht haben. Hinzu kommt eine Reihe von Abgängen aus der Forschung: Gemini-Co-Leiter Noam Shazeer wechselte zu OpenAI, der Nobelpreisträger John Jumper zu Anthropic. Zuletzt wurde zudem das AlphaFold-Team aufgelöst, dem auch Hassabis angehörte – einige Mitarbeiter wurden versetzt, andere verließen das Unternehmen.
Hassabis rückt zur Forschung, Kavukcuoglu übernimmt das Tagesgeschäft
Hassabis, der 2024 gemeinsam den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeit an AlphaFold erhielt, begründete den Schritt in einer Nachricht an die Belegschaft damit, dass er sich künftig auf das große Ganze konzentrieren wolle. Er sei überzeugt, dass eine allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) nahe sei und die nächsten Schritte für die Menschheit entscheidend seien. Er werde weiterhin eng mit Pichai an strategischen und globalen AGI-Fragen arbeiten und zugleich mehr Zeit bei Isomorphic Labs verbringen, Alphabets auf KI gestützter Einheit zur Medikamentenentwicklung.
„Es ist an der Zeit, dass die KI ihren unbestreitbaren Wert für die Welt beweist – und was wäre dafür besser geeignet, als endlich Krankheiten wie Krebs zu heilen“, schrieb Hassabis an seine Kollegen.
Die Leitung des Tagesgeschäfts übernimmt Koray Kavukcuoglu, bisher CTO von DeepMind und Chef-KI-Architekt von Google. Als Senior Vice President berichtet er künftig direkt an Pichai, statt einen eigenständigen CEO-Titel zu tragen, und verantwortet die weitere Entwicklung der Gemini-Modelle. Anders als bisher trennt DeepMind damit die Rolle des Chairman von der operativen Führung.
Jeff Dean gründet die neue Firma Discovery Loop
Der zweite große Abgang ist Jeff Dean, mit rund 27 Jahren Betriebszugehörigkeit einer der frühesten Google-Mitarbeiter. Er verlässt den Konzern, um zusammen mit Google-Fellow Sanjay Ghemawat sowie den früheren Google-Forschern Oriol Vinyals und Quoc Le das Unternehmen Discovery Loop mitzugründen. Die als Public Benefit Corporation aufgestellte Firma will KI-Systeme entwickeln, die maschinelles Lernen, Wissenschaft und Technik weitgehend selbstständig vorantreiben. Alphabet tritt als Gründungsinvestor auf und liefert die Cloud-Rechenkapazität. Gegenüber der „New York Times“ sagte Dean, außerhalb eines börsennotierten Konzerns habe das Team mehr Spielraum für Entscheidungen, die nicht zwingend den reinen Finanzinteressen dienten.
Was als Nächstes ansteht
Pichai betonte, Google verfüge über das Talent, die Rechenleistung und die Reichweite, um konkurrenzfähig zu bleiben. Parallel baut der Konzern seine Beteiligungen aus: Nach früheren Berichten will Google bis zu 40 Milliarden US-Dollar (rund 37 Milliarden Euro) in Anthropic investieren – zehn Milliarden Dollar (etwa 9 Milliarden Euro) flossen bereits im April, weitere 30 Milliarden Dollar (rund 28 Milliarden Euro) sollen bei Erreichen bestimmter Ziele folgen. Zudem verhandelt Google laut Business Insider über ein Investment von mehr als 1,5 Milliarden Dollar (rund 1,4 Milliarden Euro) in das Start-up Mechanize, das auf KI-gestütztes Programmieren spezialisiert ist. Wie sich die neue Führungsstruktur auf die verzögerten Gemini-Modelle auswirkt, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.
Glauben Sie, dass Google mit dieser Umstrukturierung im KI-Wettrennen gegen OpenAI und Anthropic aufholen kann? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































