Der Medienkonzern Hearst wird alleiniger Eigentümer von A+E Global Media, der Muttergesellschaft bekannter Kabelsender wie A&E, History und Lifetime. Wie beide Seiten mitteilten, kauft Hearst die verbleibenden 50 Prozent von The Walt Disney Company für rund 1,2 Milliarden US-Dollar (etwa 1,1 Milliarden Euro) in bar. Damit endet eine mehr als ein Jahrzehnt währende Partnerschaft, in der Disney und Hearst das Unternehmen zu gleichen Teilen kontrollierten. Der Abschluss der Transaktion wird für September erwartet. Nach Vollzug wird A+E Global Media eine vollständig zu Hearst gehörende Gesellschaft innerhalb der Unterhaltungssparte des Konzerns.
- Hearst übernimmt Disneys 50-Prozent-Anteil an A+E Global Media für rund 1,2 Milliarden US-Dollar.
- Zu den Marken gehören A&E, History, Lifetime, FYI sowie Vice TV.
- Paul Buccieri bleibt als President und Chairman an der Spitze des Unternehmens.
Mit dem Kauf kehrt Hearst in großem Stil ins nationale US-Mediengeschäft zurück. Das Unternehmen hat tiefe Wurzeln im Zeitungs- und Zeitschriftenverlag und betreibt zudem eine starke Gruppe von 35 lokalen TV-Stationen, die mehrheitlich als Partnersender der großen US-Networks fungieren. Der separat gehaltene Hearst-Anteil von rund 18 Prozent an Disneys Sportsender ESPN bleibt von der Transaktion unberührt.
Führung und Marken bleiben unverändert
An der Spitze bleibt Paul Buccieri, der das Unternehmen seit 2018 leitet, als President und Chairman. Über ihm steht künftig Hearst-Chef Steven R. Swartz. „Wir danken unseren Kollegen bei Disney für Jahrzehnte erfolgreicher Partnerschaft“, sagte Swartz. Man freue sich darauf, Buccieri und das Führungsteam dabei zu unterstützen, weiterhin sehenswerte Programme rund um die Marken History, Lifetime und A&E zu produzieren.
Buccieri betonte die Stärke des eigenen Marken- und Rechteportfolios: „In einem durch Fragmentierung geprägten Medienumfeld liegt unser Vorteil in der Stärke und Vielseitigkeit unserer Marken, unseren starken Partnerschaften und unserer umfangreichen Bibliothek eigener Inhalte.“
Zum Übernahmepaket gehören neben den bekannten Sendern auch lineare Kanäle wie Lifetime Movie Network, FYI und Vice TV. Hinzu kommen Content-Einheiten wie A+E Studios, A+E Factual Studio und A&E IndieFilms sowie Streaming-Apps, FAST-Kanäle und Abo-Dienste wie Crime 360, Lifetime Movie Club und History Vault. A+E hält zudem Beteiligungen an Firmen wie Vice, Propagate Content und Range Media Partners.
Ein Verkaufsprozess, der vor einem Jahr begann
Die Transaktion beendet einen rund einjährigen Prozess. Im Juli 2025 hatten Disney und Hearst die Investmentbank Wells Fargo mit der Vermarktung des Unternehmens beauftragt. Unter den externen Interessenten war Berichten zufolge auch Starz; ob es dabei zu einem formellen Gebot kam, ist unklar. Mit Hearst als Käufer erhält das Team von A+E nun einen Eigentümer, den es bereits gut kennt.
A+E Global Media geht auf das Jahr 1984 zurück, als das Arts & Entertainment Network als Kabelmarke startete. Der History Channel folgte 1995, das Lifetime-Geschäft kam 2009 hinzu. Disney und Hearst waren seit 2012 gleichberechtigte Partner, nachdem sie den Minderheitsanteil von NBCUniversal übernommen hatten. Nach Unternehmensangaben erreicht A+E Global Media heute mehr als 414 Millionen Haushalte in 200 Territorien und 40 Sprachen.
Was der Deal für den Medienmarkt bedeutet
Der Verkauf ist ein weiteres Zeichen für den Umbruch in der klassischen Kabelbranche. A+E Global Media leidet wie der gesamte lineare Fernsehmarkt unter sinkenden Zuschauerzahlen und dem Trend zum Streaming, dem sogenannten Cord-Cutting. Für Disney bedeutet das: Der Konzern trennt sich von einem Geschäft, das zu seinem Ergebnis längst nicht mehr so stark beiträgt wie früher.
Für Hearst hingegen bringt der Zukauf ein Portfolio, das trotz des Branchendrucks profitabel und schuldenfrei ist.
Ein Grund dafür ist die frühe Diversifizierung unter Buccieri, etwa durch werbefinanzierte FAST-Kanäle und die Produktionssparte A+E Studios, die unter anderem hinter der Netflix-Serie „The Lincoln Lawyer“ steht. Anders als in der Kabelbranche üblich besitzt A+E einen großen Teil seiner Inhalte selbst – eine wertvolle Bibliothek, die mit den Sendern übergeht. Der Deal fällt in eine Phase der Konsolidierung: Comcast hat seine Kabelsender in das Unternehmen Versant ausgegliedert, und Warner Bros. Discovery hat einen Verkauf an Paramount Skydance vereinbart.
Schauen Sie noch klassisches Kabelfernsehen wie History oder Lifetime, oder haben Sie längst auf Streaming umgestellt? Teilen Sie uns Ihre Sicht auf den Wandel der TV-Branche mit.































