Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist der nationale Dachverband des Fußballs in Deutschland und zugleich Mitglied im höchsten Entscheidungsgremium des Weltverbands FIFA. Genau von dort kommt nun scharfe Kritik: Andreas Rettig, DFB-Geschäftsführer Sport, hat gegenüber dem „Stern“ von einem „irreparablen Vertrauensverlust“ gegenüber der FIFA und ihrem Präsidenten Gianni Infantino gesprochen. Auslöser ist der jüngst gescheiterte Plan, Teile der Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. Für Rettig steht fest: „Es muss die Reset-Taste gedrückt werden.“
- DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig beklagt einen „irreparablen Vertrauensverlust“ gegenüber der FIFA.
- Die FIFA verwarf in der Nacht zu Samstag den Plan, Teile der WM an private Investoren zu verkaufen.
- Rettig hält ein baldiges Ende von Infantino als FIFA-Präsident für möglich.
Rettig, der zum Jahresende beim DFB ausscheidet und dessen Nachfolge der ehemalige Nationalspieler Per Mertesacker antritt, ließ an seiner Empörung keinen Zweifel. Der Vertrauensbruch beschränke sich nicht auf den DFB, sondern betreffe auch weitere Verbände. „Was hier verkauft werden sollte, ist – wenn ich einmal die Sprache der Banker benutze – ein unbezahlbarer immaterieller Vermögenswert“, sagte er.
Der Widerstand mehrerer Kontinentalverbände brachte Infantino zu Fall
Nach tagelangem Protest und der Androhung eines WM-Boykotts durch die UEFA hatte die FIFA in der Nacht zu Samstag den Plan verworfen. Rettig zufolge war es die überraschend breite Front, die den Ausschlag gab: „Ich glaube, dass er bei einem isolierten Statement der UEFA allein nicht eingeknickt wäre.“ Erst als sich auch der asiatische und der nordamerikanische Fußballverband öffentlich zu Wort meldeten, sei die „Schlacht für ihn verloren“ gewesen.
„Wenn Mitglieder öffentlich erklären, dass sie kein Vertrauen mehr in die Führung haben, ist das ein sehr deutliches Signal“, so Rettig.
Damit hält er auch ein Ende der Amtszeit Infantinos für denkbar. Mut mache ihm, „dass sich inzwischen sogar Menschen aus dem engsten Umfeld des Präsidenten öffentlich distanzieren – obwohl sie dadurch selbst Nachteile in Kauf nehmen“.
Infantino übernahm 2016 die FIFA – mit großen Erwartungen
Gianni Infantino ist seit 2016 im Amt und löste damals Sepp Blatter an der Spitze des Weltverbands ab – einen Wechsel, der nach jahrelangen Skandalen zunächst als Neuanfang galt. Genau daran erinnert Rettig: Anfangs sei „eine große Erleichterung spürbar“ gewesen. „Nach dem Motto: Jetzt kann es eigentlich nur besser werden. Wir sind leider eines Besseren belehrt worden.“
Für das Verständnis der Kritik ist die Rolle des FIFA-Councils entscheidend: Das Gremium ist neben der Vollversammlung das zentrale Entscheidungsorgan des Weltverbands. Umso schwerer wiegt für Rettig, dass sämtliche Council-Mitglieder – darunter auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf – erst durch die Medienberichterstattung von den Verkaufsplänen erfahren hätten. „Niemanden im FIFA-Council einzubeziehen … das versteht niemand“, sagte er. Aus seiner Sicht sei das Vorhaben ohnehin nicht mehrheitsfähig gewesen. „Deshalb hat Infantino aus meiner Sicht versucht, den Weg über Überraschung, Zeitdruck und vor allem über diesen 20-Millionen-Köder zu gehen. Das ist in höchstem Maße ungehörig.“
Rettig verteidigt die bisherige Zurückhaltung des DFB
Dem Vorwurf, der DFB habe Infantino in den vergangenen Jahren zu viel durchgehen lassen, tritt Rettig entgegen. Man müsse unterscheiden zwischen dem, was öffentlich wahrgenommen werde, und dem, was tatsächlich in den Gremien diskutiert werde. „Dort ist durchaus kontrovers über verschiedene Themen gesprochen worden.“ Es gehe stets um die Frage, „wann es sich lohnt, in die Schlacht zu ziehen“. Die UEFA habe über Jahre auf konstruktive Kritik gesetzt – nun aber sei es genug gewesen.
Braucht die FIFA nach diesem Streit tatsächlich einen kompletten Neuanfang an der Spitze – oder überzieht der DFB mit seiner Kritik? Teilen Sie Ihre Sicht in den Kommentaren.































