Die heftigen Waldbrände in Südwestfrankreich greifen nun auch auf das wohl bekannteste Radrennen der Welt über: Weil Sicherheitskräfte in die Region rund um Bordeaux abgezogen wurden, um bei der Brandbekämpfung zu helfen, verkürzen die Organisatoren die Schlussetappe der Tour de France. Das teilten die Pariser Polizeipräfektur und die Rennleitung am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Betroffen sind Gebiete rund um das Becken von Arcachon in der Gironde sowie um Biscarrosse in den Landes – Landschaften an der französischen Atlantikküste, die auch bei Urlaubern aus dem deutschsprachigen Raum beliebt sind.
- Die Schlussetappe der Tour de France wird von 133 auf 89 Kilometer verkürzt.
- Grund ist der Einsatz von Sicherheitskräften bei den Waldbränden bei Bordeaux.
- Die Feuer zerstörten über 36.000 Hektar Wald und zwangen fast 200.000 Menschen zur Flucht.
Nach Angaben von Rennleitung und Polizei wurde die Route „im Geiste nationaler Solidarität mit den betroffenen Gebieten und Gemeinden“ angepasst. Man würdige das Engagement aller im Kampf gegen die Brände mobilisierten Kräfte und stehe voll und ganz an der Seite der betroffenen Bevölkerung.
Der Start wird nach Paris verlegt, das Ziel bleibt auf den Champs-Élysées
Die 21. Etappe wird von ursprünglich 133 auf 89 Kilometer gekürzt. Geplant war ein Start östlich von Paris in Thoiry. Stattdessen beginnt das Rennen nun mit zwei Runden auf den Champs-Élysées, ehe die Fahrer den bekannten Rundkurs absolvieren und wie üblich auf der Prachtstraße ins Ziel kommen.
Die Teampräsentation soll dennoch in Thoiry stattfinden. Anschließend werden die Fahrer per Bus nach Paris gebracht.
Solche Schlussetappen sind bei der Tour de France traditionell weniger vom sportlichen Kampf als vom feierlichen Charakter geprägt: Die Gesamtwertung steht in der Regel bereits fest, das Feld rollt lange gemeinsam Richtung Paris, bevor auf den Champs-Élysées ein Massensprint über den Tagessieg entscheidet. Eine kurzfristige Streckenänderung aus Sicherheitsgründen bleibt jedoch die Ausnahme.
Pogacar steht kurz vor seinem fünften Gesamtsieg
An der Entscheidung im Kampf um das Gelbe Trikot ändert die verkürzte Etappe nichts. Der Slowene Tadej Pogacar, bereits viermaliger Tour-Sieger, hat den Gesamtsieg so gut wie sicher. Ihm fehlt nur noch die Zielankunft, um seinen fünften Toursieg innerhalb von sieben Jahren perfekt zu machen.
Damit tritt der sportliche Höhepunkt in den Hintergrund – im Vordergrund steht die dramatische Lage in Südwestfrankreich.
Zehntausende Hektar Wald zerstört, fast 200.000 Menschen evakuiert
Die Brände in der Region rund um das Becken von Arcachon nahe Bordeaux in der Gironde sowie um Biscarrosse in den Landes haben nach den vorliegenden Angaben mehr als 36.000 Hektar Wald zerstört. Nahezu 200.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Die Verlegung von Sicherheitskräften macht deutlich, welche personellen Kräfte ein Großereignis wie die Tour de France bindet – und wie schnell diese Ressourcen im Ernstfall an anderer Stelle gebraucht werden. Für die betroffenen Regionen an der Atlantikküste, die in den Sommermonaten stark von Tourismus geprägt sind, bedeutet die Lage einen tiefen Einschnitt.

























