Kimi Antonelli verzichtet als frischgebackener Formel-1-Weltmeister auf das Privileg der Startnummer 1. Der 20 Jahre alte Mercedes-Pilot will auch in der kommenden Saison mit der 12 fahren. Für ihn sei das „eine Möglichkeit, auf dem Boden zu bleiben“, sagte er am Montag dem Sender Sky. Nur Stunden zuvor hatte sich der Italiener aus Bologna am Sonntag beim Großen Preis von Mexiko mit einem dritten Platz vorzeitig den Titel gesichert, vier Rennen vor Saisonende. Antonelli ist damit der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte und der erste italienische Champion seit Alberto Ascari im Jahr 1953.
- Kimi Antonelli fährt auch als Weltmeister weiter mit der Startnummer 12 statt mit der 1.
- Den Titel machte der 20-jährige Mercedes-Pilot mit Platz drei in Mexiko perfekt, vier Rennen vor Schluss.
- Er ist der jüngste Weltmeister der Formel 1 und Italiens erster Champion seit Alberto Ascari 1953.
- Beim Großen Preis von Brasilien will Antonelli mit einem Sonderhelm an Ayrton Senna erinnern.
Antonelli sieht in der 12 einen Neuanfang und einen Schutz vor Pech
Seine Entscheidung begründet Antonelli mit dem Blick nach vorn. „Die 12 zu behalten, fühlt sich wie ein neuer Ausgangspunkt an – eine Chance, neu aufzubauen und zu versuchen, das Erreichte zu wiederholen“, sagte er. Es sei eine Art, für das kommende Jahr konzentriert zu bleiben. Gegenüber Journalisten in Mexiko betonte er zudem, die 12 sei „natürlich eine ganz besondere Nummer“ für ihn und helfe ihm, „bescheiden zu bleiben“.
Daneben spielt offenbar auch Aberglaube eine Rolle. „Ich bin sehr abergläubisch, und die Nummer 1 war noch nie eine gute Zahl für mich. Wann immer ich sie gewählt habe, lief es extrem schlecht – also ein weiterer Grund, bei der Nummer 12 zu bleiben“, sagte Antonelli.
In der Formel 1 fahren die Piloten mit einer selbst gewählten, festen Startnummer. Die 1 ist traditionell dem amtierenden Weltmeister vorbehalten, er muss sie aber nicht nutzen. Antonellis Vorgänger handhabten das anders: Vorjahres-Champion Lando Norris wechselte nach seinem Titelgewinn von der 4 zur 1, davor trug der viermalige Weltmeister Max Verstappen die Eins auf seinem Red Bull.
Ayrton Senna bleibt für Antonelli das große Vorbild
Die 12 hatte Antonelli einst wegen seines Idols Ayrton Senna gewählt. „Er fuhr mit der Startnummer 12, gewann seine erste Weltmeisterschaft mit der Startnummer 12 und ist so etwas wie meine Inspiration im Motorsport“, hatte er früher gesagt. Nun ist Antonelli der erste Fahrer seit Senna 1988, der mit dieser Nummer Weltmeister geworden ist. Der Brasilianer holte danach 1990 und 1991 zwei weitere Titel im McLaren-Honda. Am 1. Mai 1994 kam er beim Großen Preis von San Marino in Imola ums Leben, zwölf Jahre vor Antonellis Geburt.
„Ayrton wird immer eine Inspirationsquelle bleiben – nicht nur als Fahrer, sondern auch als Mensch“, sagte Antonelli.
In dieser Saison habe er sich oft Interviews von Senna angesehen, um zu verstehen, wie dieser an Rennen und an ein ganzes Jahr herangegangen sei. „Zusammen mit meiner Familie wird er immer ein Bezugspunkt für mich sein.“ Beim anstehenden Großen Preis von Brasilien in São Paulo will er das zeigen: „Ich werde einen besonderen Helm für Ayrton tragen.“ Vor 35 Jahren hatte Senna dort sein Heimrennen gewonnen, obwohl er am Ende im sechsten Gang feststeckte und Krämpfe in den Fingern hatte. „Das wird ein ganz besonderes Wochenende“, kündigte Antonelli an.
In der letzten Runde in Mexiko kamen dem Weltmeister die Tränen
Die Tragweite seines Erfolgs beginne er gerade erst zu begreifen, sagte Antonelli. „Die letzte Runde war wirklich emotional. Ich habe das Tempo komplett herausgenommen, weil ich Tränen in den Augen hatte. Ich konnte die Strecke kaum sehen.“ Besonders schön sei es gewesen, den Moment mit Familie, Team und Freunden zu teilen.
Auf dem Podium hoben ihn Max Verstappen und Lewis Hamilton auf ihre Schultern. Das Foto davon will Antonelli einrahmen lassen: „Ich hänge es zu Hause an die Wand. Das sind Momente, die einen das ganze Leben begleiten.“
Antonelli dankt dem Team hinter den Kulissen
Ausdrücklich lobte der Champion das Mercedes-Umfeld, das ihm helfe, bodenständig zu bleiben. „Man hat mir beigebracht, sich selbst treu zu bleiben, egal wie viel Erfolg man hat“, sagte er. Die Menschen sähen vor allem die Fahrer auf der Strecke, nicht aber die Arbeit dahinter. „Ich kann garantieren, dass die Arbeit dieser Leute unglaublich ist.“
Dass der Titel möglich sei, habe er nach Monza gespürt. Dort hatte er im September beim Großen Preis von Italien vom Ende des Feldes aus gewonnen. „Es war eine unglaubliche Saison, wir waren sehr konstant“, sagte Antonelli. Nun wolle man die verbleibenden Rennen gut abschließen, auch mit Blick auf 2027.
Ob der Führerschein, der Schulabschluss oder der WM-Titel schwieriger gewesen sei? „Der Titel, ohne Frage.“
Gerade emotional sei das Wochenende in Mexiko nicht einfach gewesen, er habe viele Schmetterlinge im Bauch gehabt. Seine Botschaft zum Schluss: „Forza Italia, sempre.“
Ist Antonellis Verzicht auf die Startnummer 1 ein starkes Zeichen von Bescheidenheit oder vor allem eine Verbeugung vor Ayrton Senna? Würden Sie als Weltmeister die Eins auf dem Auto tragen wollen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare.































