Stripe zählt zu den bekanntesten Namen der US-Finanztechnologie: Das Unternehmen wickelt für unzählige Online-Händler, Plattformen und Software-Firmen digitale Zahlungen ab und gilt als eine feste Größe im Bezahlgeschäft des Internets. Nun greift der Konzern nach dem Nachrichten von mit der Sache vertrauten Personen zufolge nach dem Künstliche-Intelligenz-Start-up OpenRouter – und will dafür einen Milliardenbetrag zahlen. Die Übernahme würde Stripe einen deutlich stärkeren Stand im rasant wachsenden KI-Sektor verschaffen und gehört zu den größten KI-Deals des Jahres.
- Stripe steht kurz vor der Übernahme des KI-Vermittlers OpenRouter.
- Die genannten Kaufpreise liegen zwischen mehr als sieben und über acht Milliarden Dollar.
- OpenRouter wurde erst 2023 gegründet und zuletzt mit 1,3 Milliarden Dollar bewertet.
Über den genauen Preis gibt es unterschiedliche Angaben. Eingeweihte sprechen von mehr als sieben Milliarden Dollar (rund 6,5 Milliarden Euro), andere von über acht Milliarden Dollar (rund 7,4 Milliarden Euro). Das Wall Street Journal, das zuerst über die Gespräche berichtete, nannte zeitweise sogar rund zehn Milliarden Dollar. Der endgültige Betrag kann sich noch ändern. Die Personen sprachen anonym, weil die Informationen nicht öffentlich sind.
Ein Stripe-Sprecher erklärte, man äußere sich nicht zu Gerüchten oder Spekulationen. OpenRouter lehnte eine Stellungnahme ab.
Was OpenRouter für Entwickler eigentlich leistet
Das 2023 gegründete Unternehmen mit Sitz in New York verschafft Firmen und Entwicklern Zugang zu Hunderten KI-Modellen und leitet Aufgaben an das jeweils passende, möglichst günstige Modell weiter. Nach eigenen Angaben bietet OpenRouter Zugriff auf mehr als 400 verschiedene KI-Modelle. Bei den Nutzerzahlen weichen die Angaben ab: Im Mai sprach das Unternehmen von acht Millionen Entwicklern, zuletzt war von über zehn Millionen Nutzern die Rede.
Der Dienst überwacht zudem die Kosten, greift bei Ausfällen eines Modells auf Alternativen zurück und zeigt, welche Optionen im Tech-Ökosystem besonders gefragt sind. Firmengründer Alex Atallah beschrieb OpenRouter einmal als das KI-Äquivalent zu Stripe.
Warum solche KI-Vermittler gerade so gefragt sind
Der Aufstieg von OpenRouter fällt mit einer zunehmend kritischen Betrachtung der KI-Kosten zusammen. Anbieter wie Anthropic und OpenAI gelten weiterhin als leistungsfähigste Modelle, doch zahlreiche chinesische Firmen bieten günstigere Alternativen, die für viele Aufgaben als ausreichend angesehen werden. Für Unternehmen, die zwischen diesen Angeboten wählen wollen, ist ein neutraler Vermittler attraktiv.
Das erklärt, warum Werkzeuge, die den parallelen Einsatz mehrerer KI-Modelle ermöglichen, für Investoren derzeit so wertvoll sind – und in wenigen Jahren zu Exits im Milliardenbereich führen können.
OpenRouter hat namhafte Geldgeber aus dem Silicon Valley angezogen, darunter CapitalG – einen Wagniskapitalarm von Alphabet – sowie Andreessen Horowitz, Menlo Ventures, Sequoia Capital, ServiceNow und Snowflake. Insgesamt sammelte das Start-up nach unterschiedlichen Angaben mehr als 150 Millionen Dollar ein; Ende Mai wurden bei einer Runde über 113 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,3 Milliarden Dollar genannt.
Für frühe Investoren winken enorme Gewinne
Sollte der Verkauf zu über acht Milliarden Dollar zustande kommen, würden mehrere Geldgeber ihre Einsätze aus den vergangenen zwei Jahren vervielfachen. Andreessen Horowitz hält mit der Sache vertrauten Personen zufolge mehr als 17 Prozent an OpenRouter – ein Anteil, der der Firma nach einem Einsatz von rund 20 Millionen Dollar knapp 1,5 Milliarden Dollar einbringen könnte. Menlo Ventures wiederum stieg in der Series-A-Runde ein, hält über sechs Prozent und hätte einen Anteil im Wert von mehr als 500 Millionen Dollar – bei Kosten von weniger als 50 Millionen Dollar.
OpenRouter-Chef Atallah ist in der Tech-Szene kein Unbekannter: Er hatte zuvor den NFT-Marktplatz OpenSea mitgegründet, der zeitweise mit über 13 Milliarden Dollar bewertet wurde, dann aber einen starken Rückgang der Nutzung erlebte. Atallah verließ OpenSea im Juli 2022 und startete weniger als ein Jahr später OpenRouter.
Ist ein Zahlungsdienstleister der richtige Eigentümer für einen KI-Vermittler – oder überhitzt der KI-Markt gerade? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































