Für europäische Beobachter mag es befremdlich wirken, doch in den USA wächst die Sorge, dass der Präsident zunehmend als Werbeträger für Privatunternehmen auftritt. Der jüngste Fall: Donald Trump lobte am Montag im Oval Office vor Reportern die US-Firma Scotts Miracle-Gro für ihren nach seinen Worten „großartigen Rasen“. Das börsennotierte Unternehmen mit Sitz im Bundesstaat Ohio, das Rasen- und Gartenprodukte verkauft, habe die Rasenfläche des Weißen Hauses kostenlos ersetzt. Ethikexperten schlagen Alarm: Solche öffentlichen Empfehlungen durch das höchste Staatsamt könnten das Vertrauen in eine faire Auftragsvergabe untergraben.
- Trump lobte Scotts Miracle-Gro, weil die Firma den Rasen des Weißen Hauses gratis erneuert habe.
- Das Unternehmen kündigte im Juni eine Spende von einer Million Dollar an den National Park Service an.
- Ethik-Experten warnen vor einer Normalisierung präsidialer Produktempfehlungen.
Laut Trump soll das Unternehmen bald auch den Rasen auf rund 700 Acres (etwa 280 Hektar) Parkfläche in und um Washington, D.C., erneuern – mit „dem besten Rasen, den man bekommen kann“. Zu dem kostenlosen Angebot für das Weiße Haus sei es gekommen, nachdem sich ein „Freund“ bei ihm gemeldet habe. „Ich sagte: ‚Ich nehme es. Wie viel?‘ Er sagte: ‚Kostenlos'“, schilderte Trump. Seine Antwort: „Ich nehme es.“
„Sie machen großartigen Rasen. Was soll ich sagen? Ich muss ihnen einen Gefallen tun und Werbung machen, weil sie das Weiße Haus umsonst gemacht haben“, sagte Trump.
Eine Spende von einer Million Dollar an den National Park Service
Scotts Miracle-Gro hatte im Juni angekündigt, eine Million US-Dollar (rund 920.000 Euro) an den National Park Service zu spenden. Damit soll der Südrasen des Weißen Hauses wiederhergestellt werden, nachdem dort am 14. Juni – Trumps 80. Geburtstag – ein UFC-Kampf im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der USA stattgefunden hatte. Der National Park Service ist die US-Bundesbehörde, die für die Verwaltung der Nationalparks und zahlreicher weiterer öffentlicher Flächen zuständig ist.
Nach Angaben von Business Insider hatte das Unternehmen im Jahr 2024 zudem 500.000 Dollar an ein Trump-nahes Wahlkampfkomitee (PAC) gespendet. Sowohl Scotts Miracle-Gro als auch das Weiße Haus reagierten nicht auf Anfragen um Stellungnahme.
Ein wiederkehrendes Muster präsidialer Produktempfehlungen
Der Auftritt reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein, in denen Trump Unternehmen öffentlich empfahl, die etwas in seinem Sinne getan hatten. Im vergangenen Jahr präsentierte er sich neben Tesla-Fahrzeugen am Weißen Haus und kündigte an, selbst einen Wagen kaufen zu wollen, um seinen damals engen Verbündeten Elon Musk zu unterstützen. In diesem Jahr rief er die Öffentlichkeit dazu auf, einen Dell-Computer zu kaufen – auch nachdem Michael Dell angekündigt hatte, sogenannte Trump Accounts für Kinder zu finanzieren. Auch die Handelskette Walmart lobte er für gesenkte Preise, eine Initiative, die er als auf Wunsch des Weißen Hauses erfolgt darstellte, was der Konzern jedoch nicht bestätigte.
Warum Ethik-Experten das Vorgehen als problematisch einstufen
Davina Hurt, Direktorin für Regierungsethik am Markkula Center for Applied Ethics der Santa Clara University, warnte vor den langfristigen Folgen. „Gefälligkeiten bleiben keine Gefälligkeiten. Früher oder später werden aus ihnen Rechnungen“, sagte sie. „Die einzige Frage ist, ob die Öffentlichkeit sie zu sehen bekommt.“
Ein zentrales Problem sei, so Hurt, dass der Eindruck entstehe, ein Auftragnehmer sei nicht aufgrund seiner Leistung ausgewählt worden. Eine dokumentierte, wettbewerbliche Ausschreibung öffentlicher Aufträge sei der „Goldstandard“; deren Fehlen könne das Vertrauen darin erodieren lassen, dass die Regierung „für die Menschen arbeitet und nicht auf Basis von Freunden oder Gefälligkeiten“.
Richard Painter, unter Präsident George W. Bush oberster Ethikanwalt des Weißen Hauses, betonte, Präsidenten sollten grundsätzlich keine Privatunternehmen empfehlen. „In der Bush-Regierung hätte es kategorisch geheißen: ‚Auf keinen Fall. Das machen wir nicht'“, sagte er. „‚Ihr dürft den Rasen des Weißen Hauses nicht umsonst machen und dafür Werbung von uns bekommen.'“ Diese Praxis sei unter Bush wie auch unter Barack Obama sehr streng durchgesetzt worden. Die erste Trump-Regierung habe jedoch „alles verändert“. Man sei inzwischen so weit gegangen, ein solches Verhalten zu „normalisieren“.
Sollte ein Präsident für Privatunternehmen werben dürfen – oder verwischt das die Grenze zwischen Amt und Geschäft? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































