Die britische Regierung hat die Zahl der gegen Menschenschmuggel eingesetzten Beamten der National Crime Agency (NCA) in den vergangenen 18 Monaten mehr als verdoppelt und verschärft damit ihren Kampf gegen die Banden hinter der irregulären Migration. Bei einem Besuch im Hafen von Dover kündigte Premierminister Andy Burnham am Sonntag an, er werde bei den Überfahrten kleiner Boote über den Ärmelkanal „unerbittlich“ vorgehen. Die Zahl der mit dem Thema befassten NCA-Beamten sei von 376 zu Beginn des Jahres 2025 auf inzwischen fast 800 gestiegen. Zeitgleich besuchte Innenministerin Shabana Mahmood die NCA-Büros im Londoner Stadtteil Stratford.
- Die Zahl der NCA-Beamten gegen Schleuserkriminalität wurde von 376 auf fast 800 aufgestockt.
- Seit dem Regierungsantritt von Labour 2024 gab es über 70.000 Abschiebungen – ein Anstieg um 41 Prozent.
- Die vorläufige Bilanz für das laufende Jahr liegt bei 14.526 Überfahrten, laut Regierung deutlich unter dem Vorjahr.
„Die Öffentlichkeit mag nicht den Eindruck, dass die Grenze nicht kontrolliert wirkt“, sagte Burnham. „Wir müssen diese Kontrolle zurückbringen, aber wir müssen auch denjenigen Unterstützung anbieten, die sie wirklich brauchen. Also werden wir einfach unerbittlich sein.“ Zugleich betonte er die Notwendigkeit sicherer Zuwanderungswege: Diese nähmen den Banden ihr zentrales Verkaufsargument.
Sinkende Zahlen, aber ein Rekordtag in der Vorwoche
Nach Regierungsangaben liegen die Zahlen der Bootsmigranten in diesem Jahr deutlich niedriger als 2025. Die vorläufige Schätzung für das laufende Jahr beträgt 14.526 – 43 Prozent weniger als im Vorjahr und 14 Prozent unter dem Vergleichszeitraum von 2024. Burnham selbst sprach von einem Rückgang um 50 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zugleich verzeichnete Großbritannien in der vergangenen Woche den höchsten Tageswert an Ankünften des Jahres 2026. Seit Burnhams Amtsantritt am 20. Juli haben rund 2.000 Menschen den Ärmelkanal überquert.
Burnham besuchte in Dover den Joint Command Room, um sich über die Arbeit der NCA und des Border Security Command zu informieren. Mahmood erklärte, sie tue „alles Notwendige, um die Grenze zu sichern“. Die Bemühungen begännen Früchte zu tragen: Seit dem Machtwechsel 2024 seien mehr als 70.000 Abschiebungen erfolgt, ein Plus von 41 Prozent. Die NCA war den Angaben zufolge im vergangenen Jahr an fast 300 Festnahmen beteiligt; seit der Wahl 2024 halfen ihre Beamten, mehr als 1.109 Boote und Motoren zu beschlagnahmen – laut Innenministerium genug für rund 72.000 potenzielle Überfahrten.
Warum das Thema die britische Politik prägt
Irreguläre Migration ist in Großbritannien seit Langem ein politischer Zündstoff. Sie hat der rechtspopulistischen Partei Reform UK von Nigel Farage Zulauf verschafft, die die Bootsüberfahrten als „Invasion“ bezeichnet und mit der Festnahme und Abschiebung aller Ankommenden wirbt. Mit diesem kompromisslosen Kurs führt die Partei Umfragen an.
„Die Menschen wollen, dass dieses Thema angegangen wird. Das habe ich an den Haustüren in Makerfield gehört“, sagte Burnham.
Für die Regierung bedeutet das ein doppeltes Signal: härtere Strafverfolgung gegen Schleuser bei gleichzeitigem Bekenntnis zu legalen Fluchtwegen. Ob dieser Balanceakt politisch aufgeht, dürfte auch davon abhängen, ob die sinkenden Jahreszahlen für die Wählerinnen und Wähler die medial sichtbaren Ankünfte einzelner Tage überlagern.
Der Streit reicht über den Ärmelkanal hinaus
Die Äußerungen von Burnham und Mahmood fielen kurz nach dem Aufflammen des Migrationsthemas auf EU-Ebene infolge der Krise in Ceuta, der spanischen Exklave in Nordafrika. Bis zu 60.000 marokkanische Migranten sollen in der vergangenen Woche nach Ceuta gelangt sein. Mehrere EU-Staaten drohten daraufhin mit Grenzkontrollen und sogar mit einer Suspendierung Spaniens aus dem Schengen-Abkommen, das den Reiseverkehr ohne Grenzkontrollen zwischen den Mitgliedstaaten ermöglicht. Für deutsche Leserinnen und Leser zeigt der Fall, wie eng nationale Migrationsdebatten mit der Zukunft des grenzkontrollfreien Reisens in Europa verknüpft sind.
Setzt die britische Regierung mit mehr Ermittlern und Abschiebungen auf den richtigen Hebel – oder braucht es vor allem legale Zuwanderungswege? Teilen Sie Ihre Sicht in den Kommentaren.































