Für Generationen von Fußballfans war Franco Baresi das Gesicht des AC Mailand: ein Verteidiger, der zwei Jahrzehnte lang die rot-schwarzen Farben trug, ohne je für einen anderen Verein zu spielen. Als Libero galt er als einer der Besten seiner Zunft, in Italien trug er in Anlehnung an Franz Beckenbauer sogar den Ehrentitel »Kaiser«. Nun ist diese Ikone tot. Baresi starb im Alter von nur 66 Jahren nach schwerer Krankheit, wie sein langjähriger Klub am Freitag mitteilte. Der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge starb er in der Nacht auf Freitag.
- Franco Baresi, Kapitän und Symbolfigur des AC Mailand, ist mit 66 Jahren gestorben.
- Der Weltmeister von 1982 spielte von 1978 bis 1997 ausschließlich für Milan.
- Im vergangenen Jahr war ihm ein Knoten an der Lunge entfernt worden, anschließend folgte eine Immuntherapie.
»Es ist unglaublich schwer, den Verlust eines Menschen zu verkünden, der das Herz und die Seele des AC Mailand verkörperte«, teilte der Traditionsklub mit. Man trauere um Baresi, der ebenso wie sein Trikot mit der Nummer 6 »für immer ein untrennbarer und wesentlicher Bestandteil der DNA und der Geschichte des Vereins bleiben wird«.
Eine Karriere ganz im Zeichen eines einzigen Vereins
Baresi war ein sogenannter Ein-Klub-Spieler – eine im modernen Fußball selten gewordene Erscheinung. Er durchlief die Jugend von Milan und gab sein Debüt in der ersten Mannschaft mit 17 Jahren im April 1978. Selbst als der Verein 1982 in die Serie B abstieg, blieb er dem Klub treu; im selben Sommer wurde er mit Italien Weltmeister, wenn auch ohne eigenen Einsatz. Mit gerade einmal 22 Jahren erhielt er die Kapitänsbinde.
In mehr als 700 Pflichtspielen führte er die Rossoneri an die Weltspitze. Dreimal gewann er die Champions League, sechsmal die italienische Meisterschaft, dazu kamen zwei Weltpokalsiege sowie mehrere europäische und italienische Supercups. 1989 wurde er im Rennen um den Ballon d’Or Zweiter hinter seinem Mannschaftskollegen Marco van Basten, 1990 zu Italiens Fußballer des Jahres gewählt.
Als Baresi 1997 seine Karriere beendete, zog der AC Mailand seine Rückennummer 6 aus dem Verkehr – sie wird bis heute nicht mehr vergeben.
Mit der Squadra Azzurra bis ins WM-Finale
Für die italienische Nationalmannschaft bestritt Baresi 81 Länderspiele. Nach dem Titel von 1982 erreichte er 1994 in den USA erneut das WM-Endspiel, unterlag dort mit der Auswahl jedoch im Elfmeterschießen gegen Brasilien – er war einer der italienischen Schützen, die dabei verschossen.
Verwirrung um falsche Todesmeldungen
Bereits am Mittwoch waren Berichte über sein Ableben in Umlauf geraten. Sogar Vize-Regierungschef Matteo Salvini kondolierte auf der Plattform X und war damit falschen Meldungen aufgesessen. Der Klub dementierte umgehend, teilte aber zugleich mit, dass Baresi »eine schwierige und heikle Phase« durchlebe. Laut der Sportzeitung »Gazzetta dello Sport« war ihm im vergangenen Jahr ein Knoten an der Lunge entfernt worden.
Sein letzter öffentlicher Auftritt fand im vollbesetzten San Siro statt – in jenem Stadion, in dem er einst spielte: Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele Anfang Februar in Mailand trug er an der Seite seines einstigen Mannschaftskollegen Giuseppe Bergomi die olympische Flamme.
Trauer bis in die Staatsspitze
Die Anteilnahme reichte weit über den Fußball hinaus. »Mit dem Tod von Franco Baresi verliert Italien nicht nur einen der größten Champions seiner Sportgeschichte, sondern auch ein Beispiel für Loyalität, Professionalität und Hingabe«, schrieb Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf X.
Auch Milan-Eigentümer Gerry Cardinale würdigte den Verstorbenen: »Für Generationen verkörperte Franco die Werte, den Charakter und die Exzellenz, die diesen Klub ausmachen.« Selbst im Kampf gegen seine größte Herausforderung im vergangenen Jahr sei er stets für den Verein da gewesen.
Baresi selbst hatte seine Verbundenheit mit Milan einmal so beschrieben: »Als ich zum ersten Mal als 14-Jähriger nach Milanello kam, war es, als beträte ich das Paradies.«
Welche Erinnerung an Franco Baresi bleibt Ihnen am stärksten im Gedächtnis – ein bestimmtes Spiel, ein Titel oder sein Bild als treuer Ein-Klub-Kapitän? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren.































