Adjustierbare Kompressionswraps mit klettartigen Verschlüssen sollten nicht länger die routinemäßige erste Wahl bei der Behandlung venöser Beingeschwüre sein. Zu diesem Schluss kommt eine große klinische Studie unter Leitung von Forschenden der Universitäten Manchester und York. Wie das Team im Fachjournal PLOS Medicine berichtet, heilten Geschwüre bei Patienten, denen die praktischen Wraps angeboten wurden, langsamer als bei jenen, die etablierte, evidenzbasierte Kompressionsverfahren erhielten. Für die Untersuchung wurden 637 Erwachsene an 33 überwiegend gemeindenahen Versorgungsstandorten in Großbritannien behandelt. Damit liefert die Arbeit einige der bislang stärksten Belege zum Vergleich gängiger Kompressionstherapien.
- Kompressionswraps boten in der Studie keinen Heilungsvorteil gegenüber etablierten Standardtherapien.
- An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 637 Erwachsene an 33 Standorten in Großbritannien teil.
- Zweilagige Kompressionsbandagen schnitten ähnlich gut ab wie die bewährten Referenzverfahren.
Venöse Beingeschwüre betreffen Tausende Menschen und können Monate zur Heilung brauchen. Sie verursachen Schmerzen, schränken die Beweglichkeit ein und belasten die Gesundheitssysteme erheblich. Eine starke Kompression gilt als wichtige Behandlung: Sie verbessert den Blutfluss im Unterschenkel und unterstützt so die Heilung.
Drei Kompressionsverfahren im direkten Vergleich
Starke Kompression lässt sich auf unterschiedliche Weise erzielen – etwa mit Bandagensystemen aus zwei oder vier Lagen, mit zweilagigen Kompressionsstrümpfen oder mit adjustierbaren Wraps, die per Klettverschluss um das Bein geschlossen werden. Alle Verfahren zielen auf denselben Kompressionsgrad ab, unterscheiden sich aber in Anwendung, Handhabung und Tragekomfort.
Wraps sind zuletzt beliebter geworden, weil sie sich nachjustieren und in manchen Fällen von den Betroffenen selbst oder deren Angehörigen anlegen lassen. Bisher fehlten jedoch hochwertige Daten, die diese Wraps mit anderen gängigen starken Kompressionsbehandlungen vergleichen.
In der randomisierten kontrollierten Studie wurden die Teilnehmenden drei Gruppen zugeteilt: Ihnen wurden entweder Kompressionswraps, zweilagige Kompressionsbandagen oder etablierte, evidenzbasierte Verfahren – also vierlagige Bandagen oder zweilagige Kompressionsstrümpfe – angeboten.
Die Geschwüre heilten bei Patienten mit Kompressionswraps langsamer als bei jenen mit den etablierten Standardtherapien.
Auch im Vergleich zu den zweilagigen Bandagen schienen die Wraps schlechter abzuschneiden, dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Die zweilagigen Kompressionsbandagen erzielten ähnliche Ergebnisse wie die bewährten Referenzverfahren.
Warum ausgerechnet der Komfort zum Nachteil werden könnte
Eine begleitende Prozessauswertung ergab, dass Patienten die Wraps schätzten: Sie galten als bequem, ließen sich leicht anpassen und zum Duschen abnehmen. Genau diese Eigenschaften könnten jedoch dazu führen, dass Betroffene die Wraps häufiger lockern oder ablegen – wodurch weniger therapeutischer Druck wirkt. Das könnte die langsamere Heilung in der Studie erklären.
Das bedeutet: Der praktische Vorteil, den viele Nutzerinnen und Nutzer am meisten schätzen, könnte zugleich der Grund für die geringere Wirksamkeit sein. Für die Praxis heißt das, dass Bequemlichkeit und Behandlungserfolg hier in einem Spannungsverhältnis stehen.
Für welche Patienten Wraps dennoch infrage kommen
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Wraps nicht generell verschwinden sollten. Für Patienten, für die Komfort, Selbstständigkeit oder eigenständiges Management besonders wichtig sind, könnten sie weiterhin geeignet sein – vorausgesetzt, die Betroffenen erhalten klare Hinweise, wie sich eine wirksame Kompression aufrechterhalten lässt.
Jo Dumville, Professorin für angewandte Gesundheitsforschung an der Universität Manchester, sagte: „Venöse Beingeschwüre können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und belasten die Gesundheitsversorgung stark, deshalb ist es wichtig, dass Fachleute robuste Belege für ihre Behandlungsentscheidungen haben.“ Die Studie habe drei gängige Kompressionsansätze unter realen Bedingungen im britischen Gesundheitsdienst NHS verglichen und gezeigt, dass Wraps die Heilungszeiten gegenüber etablierten Verfahren nicht verbessern.
Catherine Arundel, Senior Research Fellow an der Universität York, ergänzte: „Auch wenn eine gewisse Unsicherheit bleibt, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Kompressionswraps als Erstbehandlung wahrscheinlich keinen Heilungsvorteil bieten.“ Die Resultate sollen Behandelnden, Patienten und Versorgern helfen, fundierte Entscheidungen über die geeignetste Therapie zu treffen.
Haben Sie oder Angehörige Erfahrungen mit Kompressionstherapien gemacht – und was war Ihnen dabei wichtiger: Wirksamkeit oder Tragekomfort? Teilen Sie Ihre Sichtweise in den Kommentaren.































