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Ungarn schaltet wegen Donau-Niedrigwasser sein einziges Atomkraftwerk ab

Sarah Neumann von Sarah Neumann
24 September 2026
in Welt
Ungarn schaltet wegen Donau-Niedrigwasser sein einziges Atomkraftwerk ab
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Ungarn bereitet die erstmalige Abschaltung seines einzigen Atomkraftwerks vor: Wegen anhaltend niedriger Pegelstände der Donau muss das Kraftwerk Paks südlich von Budapest heruntergefahren werden. Das kündigte Ministerpräsident Péter Magyar an, während eine weitere Hitzewelle Mitteleuropa erfasst. Die vier Reaktoren sowjetischer Bauart werden mit Kühlwasser aus der Donau betrieben, deren Wasserstand nach wochenlanger Dürre vielerorts so niedrig ist wie noch nie. Der Anlagenbetreiber bezeichnete die Abschaltung als »unvermeidlich«. Um das Stromnetz zu stabilisieren, hat die Regierung weitreichende Sparmaßnahmen angekündigt, die von Großbetrieben bis zum öffentlichen Dienst reichen.

  • Das Kraftwerk Paks liefert normalerweise rund 40 Prozent des in Ungarn verbrauchten Stroms.
  • Die vier Reaktoren laufen derzeit nur mit einem Viertel ihrer Gesamtleistung von zwei Gigawatt.
  • Auch Rumänien und Frankreich haben Reaktoren wegen der Hitze und niedriger Pegel heruntergefahren.

Wochenlange Dürre lässt die Donau auf Rekordtiefstände sinken

Seit Mai zieht sich eine Reihe von Hitzewellen durch Mitteleuropa, begleitet von ausbleibendem Regen. In der Folge sind die Pegel der Donau mancherorts auf ein Rekordtief gefallen. Für das Kraftwerk Paks, rund 130 Kilometer südlich von Budapest, hat das unmittelbare Folgen: Die Reaktoren benötigen Flusswasser zur Kühlung, und schon in den vergangenen Tagen wurde die Produktion gedrosselt.

Das Kraftwerk ist für die ungarische Stromversorgung von zentraler Bedeutung. Es deckt normalerweise etwa 40 Prozent des Landesverbrauchs. Ein Ausfall dieser Grundlast muss durch teure Importe ausgeglichen werden – ein erheblicher Belastungsfaktor für ein Land, das stark von dieser einen Anlage abhängt.

Die erste Abschaltung nach 44 Jahren Betrieb

Am Freitag hatte Magyar auf einer Pressekonferenz am Kraftwerk noch erklärt, die Abschaltung könne am Dienstag oder Mittwoch der kommenden Woche erfolgen. Einen Tag später verschärfte sich die Lage: »Der Wasserstand der Donau ist weiter gesunken«, sagte der Ministerpräsident in einem Facebook-Video. »Deshalb haben die Ingenieure im Kraftwerk Paks über Nacht die Produktion weiter gedrosselt.« Die Abschaltung könnte demnach bereits am Wochenende erfolgen.

Derzeit laufen die vier Reaktoren mit nur einem Viertel ihrer Gesamtleistung von zwei Gigawatt. Der Betreiber sprach von der ersten Abschaltung nach 44 Jahren Betrieb. Erschwerend kam eine Störung im größten Gaskraftwerk des Landes in Szazhalombatta hinzu, wo eine Kapazität von 400 Megawatt ausfiel – laut Magyar sollte diese am Sonntag wieder verfügbar sein.

Magyar warnte, das Kraftwerk könne wochenlang stillstehen.

Homeoffice, Bahnpause und abgeschaltete Beleuchtung als Sparmaßnahmen

Um das Netz zu stabilisieren, kündigte Magyar ein Dekret an, das Großbetriebe zur Senkung ihres Stromverbrauchs verpflichtet – zusätzlich zu einer bereits zugesagten freiwilligen Reduzierung um 240 Megawatt. Werden die Sparziele verfehlt, drohen Sanktionen; bei Bedarf könne der Netzbetreiber einzelne Großverbraucher vorübergehend vom Netz trennen. »Die privaten Haushalte werden das letzte Glied in der Kette der Einschränkungen sein«, sagte er.

Ab Montag wird der Güterverkehr auf der Schiene für fünf Stunden am Nachmittag eingestellt, um Strom zu sparen. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sollen die ersten drei Tage der kommenden Woche von zu Hause aus arbeiten; Unternehmen wird empfohlen, dem Beispiel zu folgen. Flutlichter an öffentlichen Gebäuden und nicht unbedingt notwendige Beleuchtung werden abgeschaltet. Nach Angaben von Mark Radnai, stellvertretender Vorsitzender von Magyars Tisza-Partei, könnte die Energiekrise das Land wegen gestiegener Importpreise 100 bis 200 Milliarden Forint (rund 275 bis 550 Millionen Euro) kosten.

Auch andere Länder fahren Reaktoren herunter

Ungarn steht mit dem Problem nicht allein da. Rumänien hat bereits einen Reaktor des an der Donau gelegenen Kraftwerks Cernavoda heruntergefahren und die Abschaltung des zweiten angekündigt. Auch in Frankreich wurden in dieser Woche Reaktoren wegen der hohen Temperaturen abgeschaltet. Das Muster zeigt, wie eng die Stromproduktion aus Kernkraft an die Verfügbarkeit von Kühlwasser gekoppelt ist – ein Zusammenhang, der bei anhaltender Trockenheit zunehmend zur Belastungsprobe für die Versorgungssicherheit werden kann.

Neben der Energie ist auch das Trinkwasser betroffen: In den von Dürre geplagten Regionen wurden die Menschen aufgerufen, weniger zu verbrauchen. »Jeder Tropfen Wasser zählt«, sagte Magyar. Der Wetterdienst Hungaromet sagt für die kommenden Tage eine Hitzeperiode mit Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius voraus.

Wie sehr belasten die wiederkehrenden Hitzewellen und Sparaufrufe Ihren Alltag – und halten Sie Kernkraft an Flüssen für zukunftssicher? Schreiben Sie uns Ihre Sicht in den Kommentaren.

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